Hieße dieses Buch "Etymologie für zwischendurch", dann ginge es noch an. Denn es besteht zum größten Teil aus Erklärungen für die Herkunft bestimmter Wörter und Redensarten. Dabei handelt es sich aber nicht um Irrtümer. Wer meint schon, daß Altbier alt und Bockwurst aus Bockfleisch gemacht ist? Wer bei "belemmert" an ein Lamm denkt, der irrt sich nicht, auch wenn "belemmern" ursprünglich "behindern" meinte, denn die Bedeutung des Partizips ist von "Lamm" her beeinflußt. Es gibt eben nicht immer nur eine Herleitung. Viele Herkunftsangaben, welche die Autoren liefern (vor allem aus dem Jiddischen) sind reine Vermutungen, die teilweise abenteuerlich sind.
Zu allem Überfluß haben sie auch noch einige englische Begriffe aufgenommen. Z.B. wird der hierzulande offenbar besonders populäre Sprachirrtum aufgeklärt, das Wort "posh" käme von "port out, starboard home". Gut, daß das endlich mal einer richtigstellt. Walter Krämer hat sich auch nicht nehmen lassen, sein Steckenpferd, daß der "Arbeitgeberbeitrag" kein Arbeitgeberbeitrag ist, auch hier unterzubringen, obwohl es sich da - wenn überhaupt - um einen Sach-, keinen Sprachirrtum handelt.
Das gilt auch für andere "Irrtümer", mit denen sich das Buch befaßt, etwa wenn es behauptet, die Erdbeere sei keine Beere. Aber hier irren die Autoren selber: die Erdbeere ist natürlich eine Beere und die Walnuß eine Nuß, auch wenn sie den botanischen Definitionen von Beere und Nuß nicht entsprechen. Denn diese gelten im Alltag nicht und sind dort auch nicht sinnvoll, denn in ein Beerenkompott passen Gurken eben nicht so gut wie Himbeeren und Erdbeeren. Hier zeigen die Autoren, daß sie vom Wesen der Sprache wenig verstanden haben.
Ausgerechnet der Vorsitzende des "Vereins für deutsche Sprache" erklärt das, was unsere Sprache lebendig und farbig macht, zu Irrtümern. Das ist schade.
Den größten Irrtum im Buch produzieren die Autoren dann, als sie von einem "Kohlraben" schreiben. Diesen Vogel gibt es nämlich nicht. Wahrscheinlich meinen sie den Kolkraben. Und der ernährt sich zwar nicht von Kohl, aber auch nicht, wie da steht, hauptsächlich von Käfern und Beeren (egal nach welcher Definition), sondern bevorzugt herzhaftere Kost, z.B. Aas.