"Lexikon der phantastischen Künstler" Gerhard Habarta 2009
Mit dem Lexikon der phantastischen Künstler" hat Gerhard Habarta ein grandioses Werk realisiert, worauf die phantastischen und surrealistischen Künstler und deren große Schar von Anhänger und Bewunderer drei Jahrzehnte gewartet haben.
1968 erschien Histoire de la peinture surréaliste » von René Passeron in Frankreich und in Deutschland unter dem Titel Lexikon des Surrealismus". 1973 brachte DuMont ein weiteres Lexikon des Surrealismus" von José Pierre heraus und 1977 das Lexikon der phantastischen Malerei" von Krichbaum und Zondergeld. Lexikas, die schon lange vergriffen sind.
Mit der Präsentation von nahezu 1200 Biografien aus 69 Ländern auf 464 Seiten mit 950 Abbildungen hat Gerhard Habarta von den bisher herausgebrachten Lexikas über Phantastische Kunst quantitativ die absolute Spitze erreicht!
Von Klassikern wie H.Bosch oder Arcimboldo geht es über die Jahrhundert bis in unsere Zeit, wobei Gerhard Habarta eine Fülle von faszinierenden Phantasten vorstellt, die für viele Kunstinteressente eine wahre Entdeckung bedeuten. Das Lexikon dokumentiert damit, daß es weltweit sehr viele phantastische Künstler von herausragender visionärer Gabe und künstlerischer Begabung gibt, die ein großes interessiertes Publikum bei uns finden würden, wenn man ihnen eine entsprechende Ausstellungsmöglichkeit geben könnte. Das Lexikon der phantastischen Künstler" macht deutlich, wie dringend auch ein Museum der phantastischen Kunst" realisiert werden muß, um dieser Kunst, die immerhin eine Konstante in der Kunstgeschichte ist, endlich eine Plattform und ein Dokumentationszentrum zu geben. Es wäre wünschenswert, wenn wir dieses Lexikon, als den Grundstein für solch eine phantastische Institution ansehen könnten. Wer bisher den Besucherandrang bei Ausstellungen der Phantastischen Kunst beobachten konnte, oder wer im Dali-Museum in Spanien in Figueras war, fragt sich schon lange, warum es für alle anderen Kunstrichtungen Museen gibt und nicht auch für die Phantastische Kunst?
Hierauf gibt Gerhard Habarta in seinem Vorwort auch eine Antwort. Surrealismus und phantastische Kunst ist keine Dekorationskunst, wie die von Günter Grass attackierte großformatige abstrakte Malerei, die als Beruhigungskunst in multinationalen Unternehmen weltweit repräsentiert wird. Vielmehr zeigt sich, daß phantastische Kunst keineswegs angepasste Salonmalerei ist, sondern immer widerständig war. (...) Surrealistische und phantastische Kunst wurde immer wieder verboten und gemobbt."
Diese Künstler orientieren sich nicht an Kunstmoden, sondern an ihren inneren Bildern, welche oft mit einer an den alten Meistern orientierten, genialen Maltechnik auf der Leinwand oder Maltafel wiedergegeben werden. Viele Kunstgeschichtler wissen deshalb nicht die Phantastische Kunst in ihr Wertesystem einzuordnen und machen so, als wäre sie außerhalb der aktuellen Kunstgeschichte und für sie nicht existent. Tatsächlich muss man daraufhinweisen, daß die Phantastische Kunst z.B. im Bereich des klassischen Surrealismus auf die ganze Kunst und viele ihrer Sparten - bis heute- einen gewaltigen Einfluß hat! Dalis weiche Objekte, sind später bei der Pop-art von Clas Oldenburg zu finden, Max Ernsts Dripping bei Bilder von Jockson Pollock, die surrealistischen Objekte von Dali, Oppenheim oder Man Ray waren die Vorläufer für die Happening und Objekte von Vostell und viele andere Künstler. Neue Wilde" berufen sich auf Picabia und die Künstler der Transavantguardia" loben plötzlich das Spätwerk von de Chirico. Ein vollkommen neues, gefährliches Wesen schuf H.R.Giger in der Gestalt der Alien", welche durch die sensationellen Filme weltweit Verbreitung fanden und wofür er in den USA den Oscar" erhielt. Im Bereich der Architektur verwirklichte Niki de St. Phalle in Italien und Bruno Weber bei Zürich eine gigantische, phantastische Gegenwelt, die inzwischen zu Besuchermagneten wurden. Während manche Phantasten zu Unrecht bisher eher eine regionale Bedeutung erreichen, gibt es auch immer wieder Künstler im Bereich der surrealistischen Bildkonzeption wie Neo Rauch, die einen internationalen Durchbruch erzielen. Im Lexikon der phantastischen Künstler" haben nun immerhin fast 1200 Künstler gemeinsam einen Durchbruch an die internationale Öffentlichkeit erzielt und für den Besitzer und Leser diese Buches wird eine Tür in eine faszinierende, phantastische Welt aufgestoßen..... und es wird gewarnt ..... er wird sich dahinter auf eine Entdeckungsreise begeben, die ein Leben lang dauern wird!
Mit einem Bild, der Biografie und mit Kommentaren, Zitaten und Textdokumenten werden die Künstler vorgestellt. Wer sich für die phantastische und visionäre Kunst interessiert, hat mit diesem Buch einen idealen Einstieg um internationale, phantastische Künstler und deren Kunst kennen zu lernen.
Otfried H. Culmann
LABYRINTHE- Gesellschaft für phantastische und visionäre Künste und Kurator der Ausstellung "art-imaginär"