Lexikon der "Trivial-Exiti" - der bessere Buchtitel? Was denn nun an einer Grippe, AIDS, einem Gehirntumor, einem Herzinfarkt, einem Gehirnschlag, Hunger, Vergiftungen, Lungenentzündungen und Leberzirrhosen merkwürdig sein soll, wissen wohl nur die Autorin und ihr Arzt oder Apotheker. Der Titel erweckt leicht den Eindruck, es fänden sich in dem Buch ausschließlich Kuriosa wie der Mann, der schlaftrunken den geladenen Revolver auf dem Nachttisch mit dem klingelnden Telefon verwechselte. Oder die bittersüße Tragikkomik des Würstchendiebs, der auf der Flucht an seiner Beute, einem Hot Dog, erstickte. Weit gefehlt.
In erster Linie skizziert das Buch die "Jordanüberquerung" berühmter Persönlichkeiten durch oben genannte und verwandte "Wehwehchen" oder berichtet über die vielfältigen - aber hinreichend bekannten - Möglichkeiten, einen Menschen zu ermorden oder wenigstens zu demolieren. Wirklich merkwürdige Todesarten wie z.B. Spontane Selbstentzündung oder psychogene Todesfälle bleiben weitestgehend unerwähnt.
Katja Doubek scheint von Folterwerkzeugen und ihrer Anwendung en detail geradezu fasziniert zu sein. Wodurch das Buch dann auch die morbid-voyeuristischen Bedürfnisse des einen oder anderen Lesers befriedigen dürfte. Wers braucht.
Der ernsthaft soziologisch oder kriminologisch Interessierte bleibt hingegen enttäuscht in diesem Haufen quellender Eingeweide und schmatzender Maden zurück. Denn mit der Seriosität nimmt es Katja Doubek nicht immer genau und verweist auch ganz gerne auf die Boulevardpresse. So weiß ich jetzt wenigstens, wie James Deans letzte Worte lauteten, obwohl er bekanntlich allein in seinem Auto starb. Nur ein kleiner Schritt ist es jetzt noch zum schottischen Wassersportler, der von Nessie vernascht wurde.
Aber was solls. Das Buch dient ohnehin primär der Unterhaltung, erfüllt aber selbst diese Aufgabe nur mittelprächtig. Mehr Wortwitz, die tatsächliche Beschränkung auf merkwürdige Todesfälle und eine gehörige Prise Schwarzer Humor hätten das Lexikon der merkwürdigen Todesarten in höhere Wertungsregionen befördert (und die Seitenzahl reduziert). So werdens durchschnittliche 3 Sterne.