Das größte Plus des Lexikons ist zweifellos sein Umfang. Es erhebt den Anspruch, alle die Filme zu enthalten, „die in den Jahren zwischen 1945 und Juni 2000 in Deutschland im Kino, im Fernsehen oder auf Video öffentlich zugänglich waren und eine Mindestlänge von 60 Minuten hatten." Das ist im deutschsprachigen Raum einmalig.
Es ist wirklich ziemlich wahrscheinlich, hier nahezu jeden gesuchten Film zu finden. Ich selbst habe bislang zwei US-amerikanische Filme nicht gefunden. Diese stammten aus den 30er, bzw. 50er Jahren, waren also keineswegs neu und sind auch wohl mit einiger Sicherheit in Deutschland im Kino oder Fernsehen gelaufen. Anscheinend sind sie schlicht vergessen worden.
Wenn man die Suchroutinen „durchschaut" hat (bestimmte und unbestimmte Artikel sind bei der Suche auszusparen) und nicht sofort aufgibt, wenn der Film nicht immer unter dem eingegebenen Titel auftaucht, da manchmal der Fernseh- oder Videotitel nicht identisch ist mit dem Kinotitel, dann gibt es hier unendlich viel zu stöbern. Fast alle Angaben sind zudem untereinander „verlinkt", was dem Benutzer zusätzlich immer neue Perspektiven eröffnet, denn er kann sich etwa sofort ansehen, in welchen Filmen eine betreffende Person noch mitgespielt hat, oder welche anderen Filmmusiken der betreffende Komponist außerdem komponiert hat. Sehr gut ist die „Recherche"-Funktion. Hier läßt sich alles suchen, was das Herz begehrt.
Die angebotenen Kurzkritiken können in allen Fällen sicherlich nicht mehr sein, als EINE Sichtweise der Dinge, denn schließlich geht es hier um Kunst, und darüber läßt sich bekanntlich trefflich streiten. Dennoch haben sie ihre Berechtigung und sind als Orientierung immerhin hilfreich.
Nachteile des Lexikons sind jedoch in der Benutzerfreundlichkeit zu sehen. Das Lexikon ist komplett mausgesteuert, es gibt keine Möglichkeit, Funktionen über Tastaturkürzel aufzurufen. Wirklich nervtötend ist dies bei der „Zurück"-Funktion. Hier müßte meines Erachtens unbedingt Abhilfe geschaffen werden.
Antiquiert ist der „Text-Export". Man kann den Eindruck gewinnen, daß es die Programmierer am liebsten haben würden, wenn jeder nur über das Lexikon seine gewünschten Artikel ausdrucken würde.
Umständlich ist das Handhaben der „Lesezeichen". Es ist zu empfehlen, seine mit einem Lesezeichen versehenen Filme als Liste unter einem eigenen Namen abzuspeichern, da man die Lesezeichen schnell einmal versehentlich löschen kann, und dann ist die ganze Arbeit womöglich umsonst. Das Programm kennt nämlich außer beim Überschreiben der externen Dateien keine Sicherheitsabfragen.
Außerdem glänzt das Lexikon nicht gerade durch Geschwindigkeit.
Im inhaltlichen Bereich ist der geringe Vorrat an Filmausschnitten und Filmbildern SEHR DEUTLICH zu bemängeln. Was sind 15 Filmausschnitte bei insgesamt 48.000 Filmen? Und was sind 1.400 Szenenbilder bei 48.000 Filmen? Dies ist einfach entschieden zu wenig, denn schließlich lebt der Film vom Bild. Dies ist doch sein ureigenes Medium! Statt dessen die wie ich finde zweifelhafte Bestellfunktion von 2.700 Videofilmen direkt bei „...". Was soll das, frage ich mich.
Und was die Updates betrifft, so konnte ich bis heute im Internet keine finden. Die im CD-Heftchen angegebene Adresse für Updates ist eine „Dauerbaustelle", und bei „usm" selber liegen nur alte Updates zum Lexikon 1998 und 1999 zum Download bereit. Kein sehr guter Kundenservice!
Zusammengenommen kann ich jedoch immer noch sagen, daß sich die Investition insgesamt gesehen lohnt. Allein der Umfang der Datenbank ist beeindruckend, die Informationen sind in jedem Falle nützlich und wiegen die äußeren Schwächen des Programms auf.
Für den Inhalt gebe ich also trotz der wenigen Bilder ein knappes „sehr gut", für die äußere Form jedoch leider ein „mangelhaft", so möchte ich es einmal in Schulnoten ausgedrückt formulieren. Der Begriff „Masse statt Klasse" kann hier aber dennoch keine Anwendung finden. Für einen Filmfreund, der wirklich einen möglichst kompletten Überblick erhalten möchte, ist das „Lexikon des internationalen Films" eine Fundgrube. Wer noch mehr an Informationen braucht, kann die im Lexikon gefundenen immerhin als gute Grundlage zur eigenen Recherche weiterverwenden. Den Anspruch, den man an ein gutes Lexikon stellt, erfüllt das „Lexikon des internationalen Films" meiner Meinung nach.
Zu verbessern gibt es an jedem Programm immer irgend etwas und ich möchte hoffen, daß das auch die Programmierer dieser Software beherzigen werden.