Auch 1000 Seiten und über 2,5 kg Gewicht können naturgemäß nicht ausreichen, um die deutschen Familienunternehmen auch nur einigermaßen vollständig zu erfassen. Dies räumen auch die Herausgeber ein, die die dargestellten Unternehmen als "pars pro toto" verstanden wissen und so die Vielfalt der Branchen, Erfolgsgeschichten und Denk- und Handlungsmuster aufzeigen möchten. Dies ist Ihnen gut gelungen!
Von A wie "abro Adam Alois Bruder GmbH" bis Z wie "Zwiesel Kristallglas AG", von ganz alt (Hofpfisterei, 1331) bis ganz jung (Kühle, 2006), von wenigen Mitarbeitern mit einigen hunderttausend Euro Umsatz bis zu Großunternehmen mit zehntausenden Mitarbeitern und Milliardenumsätzen schlägt das Buch einen Bogen über die Vielfalt deutscher Familienunternehmen. Bekannte Namen wie Birkenstock, Hipp, Miele, Merck, Porsche oder Vaillant fehlen natürlich nicht. Für diese Unternehmen hätte man das Buch jedoch nicht herauszugeben brauchen, weil über sie in der Öffentlichkeit vieles bekannt und fast alles aus frei zugänglichen Quellen zu erfahren ist. Die kleinen und mittleren Unternehmen, die unbekannten, bei denen der oder die Köpfe an der Spitze die Unternehmenskultur und das Tagesgeschäft noch viel mehr prägen als bei den Großen, machen das Buch so interessant. Viele Zitate aus Unternehmensleitbildern oder von Inhabern zeugen von einer Kultur, die in der breiten Öffentlichkeit und der Politik meist gar nicht wahrgenommen wird und die sich so wohltuend von den flotten, aber oft inhaltsleeren Sprüchen der "Quartalslenker" unterscheiden. "Wenn Trigema ein Problem bekommt, dann kann es nur einen Schuldigen geben, nämlich mich!" (Wolfgang Grupp). Hat man Ähnliches z.B. von Bankmanagern, Telekom-Chefs oder anderen angestellten "Großkopferten" schon mal in der Öffentlichkeit gehört?
Ein Register nach Gründungsjahren und eines nach Postleitzahlen sowie ein Personenregister machen dieses Buch zu einem gut handhabbaren Nachschlagewerk. Die Firmen sind alphabetisch aufgelistet. Die Struktur der Beschreibungen ist für alle Firmen ähnlich, der Umfang variiert jedoch naturgemäß.
Das Buch lohnt sich für alle am Thema interessierten, insbesondere auch für Unternehmer, die einmal erfahren möchten, wie Kolleg/inn/en "ticken" und handeln. Das Buch ist eine Fundgrube an Zitaten und Philosophien. Ein besonders schönes sei hier noch zitiert: "Die Firma ist meine Familie. Deshalb muss ich für alle Mitglieder gut sorgen und hoffe, dass sie mir lange erhalten bleibt" (Max Steier).
Dass auch Familienunternehmen nicht vor Misserfolgen gefeit sind, zeigt das Beispiel der 108 Jahre alten Firma Karmann aus Osnabrück, die am 8. April 2009 Insolvenz anmelden musste. Den Wert des Buchs schmälert dies nicht; es zeigt aber, dass es nur eine Augenblicksaufnahme festhalten kann.