Wallfahrten - das klingt nach einer Volksfrömmigkeit, die wir heutzutage schon oft unter 'Aberglauben' verbuchen. Es sind die malerischen Gebräuche der Einheimischen in den Ländern, die wir in unseren Ferien besuchen. Dann wiederum beschweren wir uns, es gäbe nicht genug Spiritualität in unserem Leben.
Daß die Menschen immer noch bereit sind, die 'Reise ins Innere' durch Fortbewegung in der äußeren Welt zu spiegeln, zeigen die Unmengen an Volk, die letztes Jahr zur Papstwahl nach Rom pilgerten, oder zum Weltjugendtag in Köln. Und wenn sogar schon die New-Age-Bewegung die 'spirituellen Kraftorte in der Landschaft' entdeckt, was liegt da näher, als die traditionellen Orte der Volksfrömmigkeit wiederzuentdecken?
Und die liegen oft viel näher, als man denkt. Dazu muß man nicht extra nach Spanien fliegen und den mittelalterlichen Jakobsweg entlang nach Santiago de Compostela wandern oder radeln, oder nach Taizé pilgern und eine Woche mit ganz einfachem Leben und Gottesdienst verbringen. Alte Heiligtümer an besonderen Plätzen finden wir allenthalben, in den allermeisten Fällen als Ziel eines Tagesausflugs mit der S-Bahn oder dem Zug, und dann dem Fahrrad oder einer Wanderung (ein bißchen Schweiß sollte man dem Unternehmen dann ja doch opfern).
Wo überall in Deutschland und den Nachbarländern diese traditionellen Wallfahrtsziele liegen, zeigt uns dieses Buch in übersichtlicher Form. Alphabetisch aufgeführt. Dabei berücksichtigt es nicht nur offensichtliche, bekannte Orte wie Altötting oder Tschenstochau, wir finden auch den Altenberger Dom in der Nähe von Köln, oder die Wallfahrt zum heiligen Ignatius von Wingerode, nahe Erfurt. Dazu gibt es jeweils einen historischen Abriß, Öffnungszeiten, Hinweise zur Anreise und dergleichen - allerdings nicht gerade viele Karten oder Bilder. Ein 'säkularer' Reiseführer will das Buch ja auch nicht sein; dafür gibt es Wander- und Fahrradkarten, oder die kleinen bunten Büchlein, die man an jeder Tankstelle kaufen kann.