Ob dieses Lexikon tatsächlich völlig überarbeitet und erweitert wurde, kann ich nicht beurteilen. Und da das Erscheinungsjahr der Erstausgabe nicht angegeben wird, bleibt im Dunkeln, ob ihre Besitzer schon im Greisenalter sein müssen oder gerade ihr Studium in Mythologie, Religion und Psychologie abschließen. Ein gut gefüllter Bildungsrucksack ist sicher von Vorteil, um die Lektüre von Zerlings Ausführungen voll genießen zu können. Denn obwohl sich der Verleger, Autor und Fachjournalist für Kulturgeschichte, Brauchtum und Symbolik bemüht, sein großes Wissen möglichst allen Interessierte zugänglich zu machen, sind Kenntnisse in Mythologie und verwandten Gebieten von Vorteil.
Die Vor- und Geleitworte des Autors umfassen knapp fünfzehn Seiten, was eher zu knapp ist, wenn man ein großes Publikum erreichen will. Aber wer sich bereits für die Materie interessiert, kommt ins Staunen, wie gekonnt Clemens Zerling eine Fülle an Informationen verdichten und veranschaulichen kann. Allerdings hätte ich mir schon bei dieser Einführung mehr Bildmaterial gewünscht. Doch wie der folgende Lexikonteil zeigt, gehört das Primat der geschriebenen Sprache zum Konzept des Buches. Das ist zwar schade, aber vertretbar. Denn Interessierte werden bestimmt weitere Lexika der Tiersymbolik in ihren Büchergestellen haben. Und in den meisten Konkurrenzprodukten finde ich zwar mehr Abbildungen, aber nicht unbedingt bessere Texte.
Alphabetisch geordnet werden die Tiere nach ihren deutschen Namen. Und wer lieber nach den zoologischen Bezeichnungen sucht, findet ein entsprechendes Register im Anhang. Dort stößt er auch auf antike Quellen, Lexika, Handbücher und eine ausführliche Bibliographie.
Selbstverständlich nehmen nicht alle Tiere gleich viel Platz ein. Während sich der Blutegel mit knapp einer Seite begnügen muss, nimmt Zerlings Wissen über den Fuchs etwa drei und das über den Hund schon fast fünf Seiten ein. Was ich an diesem Lexikon überaus schätze, ist die stichwortartige Zusammenfassung am Schluss eines Artikels. Dort finden sich zum Beispiel folgende Angaben beim Fuchs: Gattung, Tribus, Familie, Überfamilie, Ordnung, Grundbedeutungen, Sternbild, Charakterzuweisungen, Symbolik in China und Japan, Christentum, Psychologie, Märchen und Fabel. Zusammen mit dem vorausgehenden Text ergibt dies ein Informationspaket, das den meisten Lesern wahrscheinlich genügt.
Mein Fazit: Ein Lexikon der Tiersymbolik, das sprachliche Informationen stärker gewichtet als Bilder. Wem dieses Konzept weniger zusagt als mir, würde vielleicht zu einer anderen Beurteilung kommen als ich. Aber meine fünf Sterne sind deshalb gesetzt, weil es Clemens Zerling ausgezeichnet versteht, eine Fülle von Informationen so zu verdichten, dass Querverbindungen noch immer ersichtlich sind und den Leser zu weiteren Interpretationen anregen.