Eine alphabetische Auflistung sämtlicher Science-Fiction-Filme, die seit der Produktion des ersten anerkannten Genrebeitrags DIE REISE ZUM MOND (1902) im deutschsprachigen Medienraum ausgestrahlt worden sind...klingt im ersten Moment langweilig, ist es aber zum Glück nicht.
Ronald Hahn und Volker Jansen sowie eine Anzahl hochmotivierter Autoren haben für die Heyne-Filmbibliothek eine nahezu lückenlose Sammlung zusammengestellt, die buchstäblich vor NICHTS haltmacht. Neben der verdienten Würdigung der berühmtesten Klassiker dieses Genres stehen eine Unzahl von italienischen, japanischen, mexikanischen, philippinischen etc. Produktionen, die in brechreizerregender Deutlichkeit die Frage beantworten, warum Science-Fiction bis in die jüngere Geschichte mit einem fürchterlich schlechten Ruf zurechtkommen musste.
Dabei begehen die Autoren nicht den Fehler, stumpf und gradlinig Besetzungslisten und trockene Inhaltsangaben aneinanderzureihen; stattdessen werden bissige Kommentare, ironische Überspitzungen und vernichtende Pressekommentare auf dermaßen launige und respektlose Wise kombiniert, dass jede verarbeitete Filmbesprechung zwangsläufig Lust auf mehr macht.
Dabei ist die vermeintlich mangelnde Objektivität der eigentliche Gewinner des Lexikons. Hahn und Jansen deuten es im Vorwort an: "Es wimmelt auf der Welt von dermaßen idiotischen Science-Fiction-Filmen, dass man schon die Natur eines Nashorns haben muss, um bei ihrem Anblick trocken zu bleiben."
Eine wahre Pionierarbeit ist das Schaubild, welches in der Einführung eine übersichtliche und moderne Einteilung bietet, die von den drei Grundbereichen ÄNGSTE-BEDROHUNG, FORTSCHRITT und FRIEDEN-HOFFNUNG-RETTUNG ausgeht. Darauf aufbauend kann der Leser aus einem zehnteiligen Elemente-Katalog, der jeweils durch mehrere Titelbeispiele anschaulich gemacht wird, Wirkung und Gegenwirkung der Elemente entnehmen und auf diese Weise eine völlig neue Einsicht in das Genre erhalten.
Das wird vor allem bei der Durchsicht der Filme passieren, wenn unverhofft Titel auftauchen, denen man vor Genuss dieses Buches nie und nimmer einen Science-Fiction-Charakter zuerkannt hätte (z. B. Chaplins MODERNE ZEITEN oder Hitchcocks DIE VÖGEL).
Es zeigt sich somit deutlich: Science-Fiction ist mehr als Außerirdische, Raumfahrt, Laserschlachten und mutierte Monster; und das LEXIKON DES SCIENCE FICTION FILMS ist der beste Startpunkt, um den diesbezüglichen Horizont entscheidend zu erweitern.
Einziger Kritikpunkt: Filmserien wurden nicht als solche angeordnet, wodurch beispielsweise unter I, K und R geblättert werden muss, um die Artikel über die einzelnen Star Wars-Teile zu finden.
Ansonsten wird es definitiv Zeit für eine Neuauflage...