Kurzbeschreibung
Es ist immer wieder erschreckend, aber auch befreiend und belebend, wenn Selbstverständlichkeiten umgestürzt werden. Ein solcher Hammerschlag ist das «Lexikon der Psycho-Irrtümer» des Wissenschaftsjournalisten Rolf Degen. «Warum der Mensch sich nicht therapieren, erziehen und beeinflussen lässt» – der Untertitel verrät, dass es Degen nicht um die Infragestellung einiger Kuriosa zu tun war; er ging aufs Ganze. Das Buch erschien vor vier Jahren, aber erst jetzt ist es als Taschenbuch greifbar; es gibt nun also auch für einkommensschwache Leute aus der Branche keine Entschuldigung mehr, es nicht zu lesen. «Psychotherapie hat die Macht, Menschen von seelischen Störungen und Neurosen zu heilen»; «Die Massenmedien üben gewaltige Wirkungen auf das Bewusstsein und das Verhalten der Menschen aus»; «Viele organische Krankheiten haben psychosomatische Ursachen»; all diese und viele «Selbstverständlichkeiten» mehr wirft Degen über den Haufen. Ohne Eifer, ohne Zorn, einfach indem er die wissenschaftlichen Befunde der vergangenen Jahre zusammenfasst.
Das erstaunlichste Kapitel behandelt den Mythos, der da lautet: «Die Persönlichkeit des Menschen wird durch seine Erziehung bestimmt.» Degen zitiert diverse Langzeitstudien über den Zusammenhang von Sozialisation und späterem Charakter. In den meisten Fällen konnte nur eine schwache Korrelation festgestellt werden. Am erstaunlichsten ist der Fall der Pionierin der Erziehungsforschung, Eleanor Macoby von der Stanford-Universität, auf die sich die Vertreter des Erziehungs-Primats immer noch beziehen. Sie selber redet nämlich nach Jahrzehnten der empirischen Forschung ganz anders: «Die Ergebnisse dieser Arbeit sind in vielerlei Hinsicht zutiefst enttäuschend.» Aus der Nähe betrachtet, gebe es praktisch nichts, was elterliche Erziehungspraktiken und spätere Persönlichkeit der Kinder verbinde. Dieser Befund – dass der Einfluss des Milieus relativ irrelevant für die spätere Entwicklung ist – gilt wohlgemerkt sogar für extreme Fälle wie Scheidungs-, Waisen- oder Heimkinder. Warum sich der Mythos von der elterlichen Wichtigkeit trotzdem hält, hat wohl mit mütterlicher und väterlicher Selbstüberschätzung zu tun. Dabei hat die Einsicht in die eigene Ohnmacht ja durchaus auch etwas Entlastendes.
Die Weltwoche
Weitere Pressestimmen
»Degen, ein ausgewiesener Kenner der Psycho-Szene, tritt zu einem furiosen Generalangriff auf die Seelenkundler an. In seiner pointenreichen Polemik reißt er psychotheoretische Eckpfeiler ein.«
Der Spiegel
Sonderausgabe: Nicht nur mit einem Vorwort, mit einem Vorsatz von Eckart von Hirschhausen
Das erstaunlichste Kapitel behandelt den Mythos, der da lautet: «Die Persönlichkeit des Menschen wird durch seine Erziehung bestimmt.» Degen zitiert diverse Langzeitstudien über den Zusammenhang von Sozialisation und späterem Charakter. In den meisten Fällen konnte nur eine schwache Korrelation festgestellt werden. Am erstaunlichsten ist der Fall der Pionierin der Erziehungsforschung, Eleanor Macoby von der Stanford-Universität, auf die sich die Vertreter des Erziehungs-Primats immer noch beziehen. Sie selber redet nämlich nach Jahrzehnten der empirischen Forschung ganz anders: «Die Ergebnisse dieser Arbeit sind in vielerlei Hinsicht zutiefst enttäuschend.» Aus der Nähe betrachtet, gebe es praktisch nichts, was elterliche Erziehungspraktiken und spätere Persönlichkeit der Kinder verbinde. Dieser Befund – dass der Einfluss des Milieus relativ irrelevant für die spätere Entwicklung ist – gilt wohlgemerkt sogar für extreme Fälle wie Scheidungs-, Waisen- oder Heimkinder. Warum sich der Mythos von der elterlichen Wichtigkeit trotzdem hält, hat wohl mit mütterlicher und väterlicher Selbstüberschätzung zu tun. Dabei hat die Einsicht in die eigene Ohnmacht ja durchaus auch etwas Entlastendes.
Die Weltwoche
Weitere Pressestimmen
»Degen, ein ausgewiesener Kenner der Psycho-Szene, tritt zu einem furiosen Generalangriff auf die Seelenkundler an. In seiner pointenreichen Polemik reißt er psychotheoretische Eckpfeiler ein.«
Der Spiegel
Sonderausgabe: Nicht nur mit einem Vorwort, mit einem Vorsatz von Eckart von Hirschhausen









