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Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur
 
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Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur [Gebundene Ausgabe]

Hans-Joachim Veen , Bernd Eisenfeld , Hans M. Kloth


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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Doch nicht alles in der Hand

Ein Lexikon über Opposition in der DDR

«Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.» Im Mai 1945 hat Walter Ulbricht, der spätere SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzende der DDR, diesen so programmatischen wie demaskierenden Satz formuliert. Überliefert hat ihn Wolfgang Leonhard, der 1949 als Dozent an der Parteihochschule durch seine KPD/SED-kritische Solidarisierung mit Tito und dann durch seine Flucht nach Jugoslawien bereits in den Anfangsjahren der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands demonstriert hat, dass sie nicht immer alles in der Hand haben konnte und Ulbrichts perverse Parteidevise auf einer Illusion beruhte. Mit seinem 1955 erschienenen Insiderbericht «Die Revolution entlässt ihre Kinder» hat Leonhard ein aufsehenerregendes Buch geschrieben, das in der Geschichte von Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur, aber auch ausserhalb des kommunistischen Machtbereiches bedeutende Karriere gemacht hat.

Das zynisch machtpolitische Parteipostulat Ulbrichts ist freilich im Blick auf den Verlauf der Geschichte des sehr gegensätzlichen Gesamtphänomens von Opposition und Widerstand, von Kritik, offenem Dissidententum, politischer Gleichgültigkeit oder innerer Emigration im SED-Staat auch ganz anders zu verstehen: in seinen menschenverachtenden Konsequenzen. An den Personen und ihren Biographien, an den Aktionen, Schauplätzen, Organisationen, Initiativen, Institutionen, Ereignissen und historischen Daten zu Opposition und Widerstand, wie sie das unter Leitung von Hans-Joachim Veen herausgegebene Lexikon präsentiert, zeigt sich eben auch ex negativo, in welch erschreckendem Ausmass es der SED durch Einsatz aller Mittel gelungen ist, ihr System vier Jahrzehnte lang demokratisch aussehen zu lassen und bis zur grossen Eruption 1989 so gut wie alles in der Hand zu halten. Wen man nicht in der Hand halten konnte, schob man eben ab, sperrte man ein, brachte man zum Schweigen, trieb man in die Flucht oder – wie Pfarrer Oskar Brüsewitz – in den Tod durch Selbstverbrennung.

Es war jedoch die Absicht der Herausgeber, gerade an die andere Seite zu erinnern: nicht an eine Unterdrückungsgeschichte, sondern an eine Geschichte des wenn auch oft nicht besonders engagierten, so doch mehr oder weniger immer vorhandenen Widerstands und an die letztlich erfolgreiche Selbstbefreiung zu einem menschenwürdigen Leben in einem Staat mit praktizierter und nicht inszenierter Demokratie. Die in dem Lexikon gebotene «Breitenbilanz auf der Höhe der gegenwärtigen Erkenntnisse» soll dem Zweck dienen, die «beeindruckende Formenvielfalt» von Opposition und Widerstand, den «Reichtum an Phantasie und Pfiffigkeit» widerständigen Verhaltens, aber auch die ganze Unterschiedlichkeit oppositioneller Ausrichtung und Intensität «dem Vergessen, Übersehen oder Verdrängen zu entreissen». Dies und die zweifellos notwendige weitere und genauere Erforschung von Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur halten die Herausgeber für ebenso unabdingbar für die politische Kultur und die demokratische Identität des vereinten Deutschland wie das Wissen um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Rainer Hoffmann

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2001
Keine "Unterdrückungsgeschichte", sondern im Gegenteil eine Geschichte der - nicht immer sichtbaren und meist nicht sehr effektiven Opposition der DDR-Gesellschaft hat der Herausgeber erstellen wollen, meint Rainer Hoffmann und beschreibt auch sonst das Vorhaben der Autoren: eine "Breitenbilanz auf der Höhe der vorliegenden Erkenntnisse" zu ziehen, d.h. das gesamte Spektrum oppositionellen Verhaltens und oppositioneller Denkweisen einzufangen. Zu erfragen sind, so erfährt man noch, Biografien oder Schauplätze, Institutionen oder historische Daten, die mit der Oppositionsbewegung verknüpft sind, die laut Hoffmann eine Machtgeschichte der SED "ex negativo" schreiben. Ob es dem Herausgeber und seinen (ungenannt bleibenden) Autoren allerdings gelungen ist, auch in die Tiefe zu gehen, darüber verliert der Rezensent kein Wort.

© Perlentaucher Medien GmbH

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