5.0 von 5 Sternen
Ein wunderbares Lexikon, 31. März 2007
Das Buch wird sowohl wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht (zum Beispiel findet der Kunsthistoriker im Rahmentext über die Attribute der Heiligen, wem ein Holzschuh zuzuordnen ist), als auch dem Nachschlagen des allgemein interessierten Lesers (zum Beispiel um zu erfahren, welche Heiligen einen bestimmten Vornamen getragen haben).
Die Rahmentexte des Buches enthalten eine Reihe interessanter Abhandlungen: Die Geschichte der Heiligenverehrung; Die Selig- und Heiligsprechungen von 1900 bis 1987; Die verschiedenen Kalendersysteme; Die Geschichte der Woche (und der Wochentagsnamen); Die Geschichte der kirchlichen Feiertage (darin auch die vom Mathematiker Gauß entwickelte Formel zur Berechnung des Osterfestdatums); Die Auflistung aller Tagesheiligen des Jahres; Die länderweise Auflistung der Märtyrer der Neuzeit, Heiligen und Seligen.
Den Körper des Lexikons bilden die alphabetisch geordneten Kurzbiographien von ca. 2.600 Heiligen, mit der etymologischen Erklärung des Vornamens, und den zugeordneten liturgischen Feiern, bildlichen Attribute und Schirmherrschaften, sowie Literatur. Obwohl die Biographien auf wenige Dutzend Zeilen kondensiert werden mussten, geben sie mit meisterlichen Pinselstrichen das Lebensdrama der jeweiligen Person in ergreifender Weise wieder. Es wühlt einen förmlich vor Mitleid auf, wenn man liest, wie sich zu allen Zeiten Menschen für Mitmenschen selbst aufgegeben haben. Bei den Märtyrern der Römerzeit würde freilich ein kurzer Hinweis interessieren, weswegen die jeweilige Person hingerichtet wurde. Bei einem kleinen Prozentsatz der Heiligen (vor allem des Mittelalters) kommt die Vermutung auf, dass die Heiligsprechung aufgrund politischer Handlungen, und nicht ihres (gewalttätigen) Lebenswandels erfolgt ist.
Abschließend nur einige Verbesserungsvorschläge: In die Auswahl wurde leider nicht der Heilige Expeditus (19. April) aufgenommen, der Heilige für dringliche Anliegen. Im Sinne der Ökumene wäre es wünschenswert, wenn ein derart vollständiges Werk Hinweise darüber enthielte, welche Heiligen auch von der Orthodoxen und Anglikanischen Kirche als Heilige verehrt werden, bzw. welche Kirchenfeiertage zelebriert werden. Auch hilft es nicht bei der Aufklärung des Verhältnisses zwischen den evangelischen Kirchen und den Heiligen (im Augsburger Religionsfrieden versprach man die Heiligen der Kirche zu verehren, viele evangelische Kirchen tragen den Namen eines Heiligen, welche sind dafür zugelassen?).
Aber trotz allem ist dies ein Meisterwerk der Lexikographie!
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