Das "Lexikon der Musikinstrumente" ist eine Übersetzung des englischsprachigen "Oxford Companion to Musical Instruments". Die Übersetzung ist durchgehend sprachlich gelungen und sachkundig (was beides leider nicht selbstverständlich ist). Darüberhinaus ist die deutsche Ausgabe um Besonderheiten des deutschsprachigen Kulturraums erweitert und hat eine um deutschsprachige Literatur ergänzte Bibliographie.
Den Großteil des Buches nimmt das alphabetische Lexikon ein. Dem Autor gelingt meiner Ansicht nach ein gut ausgewogener Kompromiß zwischen Vollständigkeit und gründlicher Einzeldarstellung. So werden bedeutende Instrumente bzw. Instrumentengruppen sehr eingehend hinsichtlich ihrer Entstehung, Geschichte, Funktionsweise, Konstruktion, Bauarten und des typischen Repertoirs besprochen. Seltene, exotische und "aussereuropäische" Instrumente werden entsprechend kürzer, aber nie lieblos abgehandelt. Auf die Darstellung moderner elektronischer Instrumente wird jedoch unter Hinweis auf eine parallele Publikation von Richard Dobson verzichtet. Darüberhinaus glänzt das Lexikon mit theoretischen Artikeln, etwa zur Temperatur (Stimmung), Bund (Griffbrett), Tabulatur oder Klassifikation der Musikinstrumente. Unter dem Schlagwort "Musikinstrumentensammlungen" findet sich eine (wenn auch natürlich unvollständige) Auflistung von Museen und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, Europa und der restlichen Welt. Der Lexikonteil ist gemessen am Umfang und Preis des Buches mehr als ausreichend mit Photos (schwarz-weiß), Schemazeichnungen und Notenbeispielen versehen.
Im Anschluß an den Lexikonteil findet sich ein Index der im Text erwähnten Instrumentenbauer, eine sehr ausführliche, wenn auch sicherlich nicht mehr ganz aktuelle Bibliographie sowie ein Verzeichnis von Katalogen musikinstrumentenkundlicher Sammlungen/Museen.
Unter den deutschsprachigen Publikationen ist eigentlich nur "Reclams Musikinstrumentenführer" (ein systematisches Werk, kein Lexikon) ebenbürtig. Die anderen mir bekannten gängigen Werke ("Handbuch der Musikinstrumentenkunde", Rademacher "Musikinstrumente" und Dickreiter "Musikinstrumente") können hier weder qualitativ noch vom Umfang her mithalten. Das "MGG" bietet sicherlich eine unschlagbare Fülle an Informationen auch zu Musikinstrumenten, doch ist es wohl in Anbetracht des Preises (~2000 EUR nur für den Sachteil) für die meisten Musikfreunde einschließlich mir keine realistische Alternative. Wer mehr wissen möchte muß dann schon spezielle Einzeldarstellungen konsultieren.
Das "Lexikon der Musikinstrumente" ist in den meisten Fällen die Informationsquelle meiner Wahl und macht so viel Spaß, daß ich es nicht nur zum Nachschlagen verwende, sondern auch oft zum Schmökern mit in die Bahn oder das Bett nehme.
Ich empfehle auch die übrigen Bücher von Anthony Baines - allesamt sehr sorgfältig und lesbar geschrieben.