Was waren das noch für Zeiten: Die ersten Modelleisenbahnen, die Ende des 19. Jahrhunderts Kinder unter dem Tannenbaum ihrer großbürgerlichen Elternhäusern fanden, waren aus heutiger Sicht relativ simple Spielzeuge aus Blech, die anfangs gerade mal mit einem Uhrwerk angetrieben wurden. Doch die Entwicklung schreitet ja unaufhörlich voran, und so sieht sich der heutige Modelleisenbahnfreund mit einer Vielzahl technischer Neuerungen konfrontiert, die inzwischen im stetigen Rhythmus den Markt überfluten.
Das "Lexikon der Modelleisenbahn" hat sich in seiner überarbeiteten Form nun wieder verstärkt der zahllosen Neuheiten angenommen und bietet Sammlern wie Bastlern einen ausführlichen Überblick über die technischen Mittel, die sich dem Modellbahnbauer bieten - und die hier alle aufzuzählen der Platz gar nicht ausreichen würde. Genau das ist es aber, was das von Manfred Hoße, Claus Dahl, Hans-Dieter Schäller und Joachim Schnitzer verfasste sowie von Ulrich Lieb aktuell ergänzte und überarbeitete Nachschlagewerk leistet: Von A wie "Abdecken" bis Z wie "Zylinderblock" führt es den Leser kompetent durch die faszinierende Welt der Modellbahn und seine vielfältigen technischen Details. Die meisten davon befinden sich vor allem unter der Platte, auf denen die Züge in H0 oder N ihre Kreise ziehen, machen aber den reibungslosen Bahnbetrieb im Kleinen erst möglich. Das Buch ist klar und verständlich gegliedert und verfügt über Querverweise, so dass auf ein Sachwortregister verzichtet werden konnte.
Mehr als 1.300 Stichwörter finden sich im "Lexikon der Modelleisenbahn", die kompakt beispielsweise den Gebrauch eines "Baudienstwagens" im großen Bahnbetrieb erklären, sehr oft jedoch bei den Erläuterungen auch stark ins Detail gehen: "Achsanordnung - Danach wird die Anzahl der Laufachsen durch arabische Zahlen, die der Treibachsen durch große lateinische Buchstaben gekennzeichnet, wobei die alphabetische Reihenfolge die Anzahl der aufeinanderfolgenden Treibachsen angibt." Bereits an diesem kleinen Beispiel wird deutlich, an wen sich dieses Buch vor allem richtet: Es sind weniger die Jüngeren, die zum Geburtstag eine Starterpackung mit fünf Wagen, einer Lok und ein paar Meter Schiene bekommen haben, sondern Bastler und Tüftler, die für ihr Hobby das nötige technische Verständnis mitbringen. Das "Lexikon der Modelleisenbahn" geht hier besonders auf die Belange des Modellbauers ein. Man erfährt, wie man es anstellt, eine fahrstromunabhängige Beleuchtung in den Waggons zu installieren, und anhand zahlreicher Abbildungen wird den Bastlern die Technik des Ätzens oder die Konstruktion des Oberlichtaufbaus erklärt. Das Nachschlagewerk beinhaltet einige Bauanleitungen und schwarzweiße Skizzen, die allerdings aufgrund ihrer geringen Größe nur für wirklich geübte Bastler hilfreich sind. Die zahlreichen Schaltpläne dagegen sollten es auch weniger erfahrenen Modellbahnamateuren erlauben, digitale Technik in ihre Anlagen zu integrieren.
Der zweite große Abschnitt des Nachschlagewerkes ist den unterschiedlichsten Normen gewidmet. Es finden sich hier sowohl exakte Maße zum Lichtraumprofil bei Tunneln, Gleisbögen und Radsätzen, wie auch ein kurzer historischer Abriss, der eine korrekte epochale Einordnung des rollenden Materials auf der heimischen Anlage erleichtert.
Das "Lexikon der Modelleisenbahn" ist ein Nachschlagewerk für begeisterte Modellbauer, die gerne tiefer in die Materie eindringen wollen und dazu Fakten und Details in einer kompakten Form wünschen!