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Wie schon in Was hab ich bloß? Die besten Krankheiten der Welt nähert sich Arzt und Autor Werner Bartens auch in seinem neuen Buch dem Thema kompetent und unterhaltsam zugleich. Mit kritischem Blick wälzte er unzählige Untersuchungen, sprach mit Fachleuten und bringt auch komplexe Sachverhalte für den Laien auf den Punkt. Manchmal ist das Fazit ein lapidares "konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden", etwa der Einfluss der Mondphasen auf Operationen. In anderen Fällen handelt es sich um medizinische Irrtümer mit gefährlichen Folgen, z.B. Östrogene als Anti-Aging-Substanz bei Frauen nach den Wechseljahren einzusetzen -- mit gravierenden Nebenwirkungen.
Zweifellos ein empfehlenswerter Streifzug durch die Welt von Ärzten, Krankheiten und Arzneien, bei dem es einiges zu lernen und zu schmunzeln gibt. Man erfährt beispielsweise, was es mit dem "Gitarrenkantensyndrom" auf sich hat oder warum bei allen Menschen die rechte Gesichtshälfte die Schokoladenseite ist. Und nachdem Jahrhunderte lang vor den gesundheitlichen Gefahren jugendlicher Masturbation gewarnt wurde, verkehrt sich hier die Sachlage dank neuerer Studien sogar ins Gegenteil: Häufige Selbstbefriedigung in der Pubertät schützt offenbar vor Prostatakrebs.
Von den 316 alphabetisch geordneten Artikeln behandeln kaum 10% echte „Volksweisheiten" wie „Der Schlaf vor Mitternacht ist der gesündeste", „Häufiges Haarschneiden lässt die Haare schneller wachsen" oder „Mit vollem Bauch schwimmen gehen, ist gefährlich". Der Rest sind statistische Zahlenspielereien ohne großen Informationswert. Oder würde es Sie vom Sessel reißen, wenn sie lesen, dass sich größere Männer häufiger fortpflanzen als kleinere (S. 90) oder dass praktizierende Protestanten in Amerika im Durchschnitt weniger übergewichtig sind als nichtreligiöse Männer (S. 116)? Es drängt sich der Verdacht auf, dass Dr. Bartens Untersuchungsergebnisse, auf die er bei der Lektüre von Fachartikeln gestoßen ist, einfach ins Gegenteil verkehrt und zu „Medizin-Irrtümern" erklärt hat, die er dann mit den Untersuchungsergebnissen wieder „aufklärt".
Der Autor selbst bringt ein Beispiel dafür, wie problematisch die Interpretation von Statistiken eigentlich ist: Die Erkenntnis „Raucher überleben Herzinfarkte im Krankenhaus häufiger als Nichtraucher" (S. 234) beruht darauf, dass nur jene Raucher von der Statistik erfasst werden, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, die meistern Raucher sterben aber bereits vorher an einem Infarkt. Viele von Bartens Erklärungen sind genauso dubios wie die dazugehörigen „Irrtümer". So klingt die Aussage „Erfahrenen Augenärzten ist kein Fall bekannt, (wo das so ist)" (S. 49) wie eine journalistische Allerweltsfloskel à la „Insider kritisieren" oder „Beobachter meinen". Gelegentliche Formulierungsschwächen wie „die Augen bleiben stehen" statt „bleiben stecken" (S. 49) fallen da kaum mehr ins Gewicht. Die Lektüre der 309 Seiten lohnt sich unterm Strich so oder so nicht.
Fazit:
Ein interessantes, in manchen Punkten auch durchaus humorvolles Nachschlagewerk. Es geht auf die gängigsten Vorurteile bei Erkrankungen ein, ohne dabei ein reines Fachbuch zu sein, das sich nur für Mediziner eignet. Wie weit doch einige falsche Meinungen verbreitet sind, sehe ich selbst in meinem Beruf.
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