Der Buchtitel ist sehr irreführend. Das Buch ist mehr ein Nachschlagewerk für Lebensmittel-Zusammensetzungen als eine wirkliche Hilfe bei Lebensmittel-Inhaltsstoffen.
Der Autor kommt aus der Lebensmittel-Branche und ist v.a. kritisch zu sehenden Zusatzstoffen gegenüber entsprechend positiv eingestellt (anders kann ich mir die verharmlosenden Erklärungen selbiger nicht erklären).
Man erfährt bspw. etwas über die Zusammensetzung von Käse (Fett i.Tr.) oder Schokolade. Das ist sicher gut zu wissen, paßt aber nicht zum Titel, denn dieser suggeriert dem Konsumenten Aufklärung über unbekannte Inhaltsstoffe etc.
Das Buch erklärt eine große Anzahl an gängigen Zusatzstoffen in Lebensmitteln, das aber so verharmlosend, daß jeder, der schon einmal bspw. die E-Nummern-Liste der Zeitschrift Öko-Test in der Hand gehalten hat (bekomme für diese Nennung kein Geld und stehe in keiner Verbindung mit dieser Zeitschrift), sich glatt verschaukelt fühlen muß.
Beispiel 1: Die Erklärung von Natürlichen Aromastoffen (S. 22) ist so trocken mit chemischen Fachwörtern in einem langen Satz dargestellt, daß der unkundige Leser gar nicht auf die Idee kommen kann, daß sich dahinter u.a. die Verarbeitung von Holz oder (ungiftigen) Schimmelpilzen zu Lebensmittel-Bestandteilen verbirgt. Das genannte Beispiel mit der echten Vanille stellt diese Stoffe praktisch als ein echtes Naturerlebnis dar.
Beispiel 2: Benzoesäure. Der Autor verweist bei der Erklärung auf die Sorbinsäure, welche verschiedene „gesundheitliche und technologische Vorteile" gegenüber der Benzoesäure aufweise (S. 28). Die weiter Erklärung dieser Substanz stellt diese nicht korrekt dar, denn was dem Leser nicht erklärt wird: Benzoesäure ist bspw. in Katzenfutter verboten, weil sie in Verbindung mit anderen Substanzen (Zitronensäure) u.a. zu Benzol reagiert und Katzen schon von sehr geringen Mengen an Benzol sterben können. In menschlicher Nahrung ist Benzoesäure weiterhin erlaubt. Die Umschreibung dieser, dem Autor sicher bekannter Eigenschaften und Nachteile dieses Stoffes mit dem o.a. Zitat halte ich für eine Täuschung am Leser, der sich Aufklärung über Inhaltsstoffe erhofft.
In der Einleitung des Buches wird über die richtige Dosierung von Substanzen gesprochen und es wird versucht über Zahlenspielereien mit z.B. Mikrogramm eine Verharmlosung zu erzielen. Über frucht- oder erbgutschädigende Wirkungen von Substanzen, und hier kann in der Tat schon 1 Mikrogramm zu viel sein, schweigt der Autor.
Diese Beispiele liesen sich beliebig fortsetzen. Weiterhin schreibt der Autor auch daß Allergien entgegen der landläufigen Meinung nicht von Zusatzstoffen ausgelöst werden (ohne einen Nachweis dafür zu erbringen) und der mündige Verbraucher sollte mit den derzeitigen Deklarationen im Großen und Ganzen mehr als zufrieden sein (S. 12).
Dieser letzte Satz zeigt, daß dem Autor an wirklicher Aufklärung über die Eigenschaften der Substanzen nicht gelegen sein kann, denn es stellt sich die grundlegende Frage nach der Verwendung der allermeisten Substanzen in diesem Buch bzw. der Kennzeichnung genetisch veränderter Lebensmittel sowie nach der Motivation des Autors (oder einer Industrie) ein solches Buch, das den Verbraucher in trügerischer Sicherheit wiegt, zu veröffentlichen.