Das "Lexikon des Holocaust" ist in seiner ersten Auflage bereits im Jahre 2002 erschienen und seit dem nicht mehr neu aufgelegt worden. Sein Herausgeber, der Historiker Dr. Wolfgang Benz (Jahrgang 1941), ist mittlerweile emeritierter Professor der Technischen Universität Berlin, an der er zwischen 1990 bis 2011 das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung leitete. Der Träger des Geschwister-Scholl-Preises von 1992 ist Mitbegründer und Herausgeber der Dachauer Hefte. Dr. Benz zeichnet sich ebenfalls als Herausgeber des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung und der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft verantwortlich.
An der lexikalischen Zusammenstellung über die wichtigsten Ereignisse, Begriffe, Institutionen sowie Täter, Opfer und andere Beteiligte haben 26 ausgewiesene Experten und international renommierte Historiker mitgewirkt. Ihre Namen sind der Auflistung auf Seite 264 zu entnehmen. Auf mehreren Ebenen wird der Lexikonbenutzer in mehr als 200 Kurzbiographien und fast 200 Sachartikel in unterschiedlicher Dichte informiert und auf weiterführende Literatur hingewiesen. Neben begriffsgeschichtlichen Stichworten, finden sich ereignisorientierte Begriffe und faktenorientierte Artikel über alle wichtigen Konzentrations- und Vernichtungslager, Ghettos und Stätten von Massakern. Darüber hinaus bieten einige Einträge Hintergrundinformationen zu komplexen Themen oder widmen sich der Rezeptionsgeschichte der Shoa in Nachkriegsprozessen, Wiedergutmachung, Literatur und Film. Die einzelnen Länderartikel befassen sich nicht nur mit den politisch definierten Territorien, die als Schauplätze des Holocaust von Bedeutung waren, sondern schließen auch Staaten ein, die für die Emigration und die Rettung der Juden eine wichtige Rolle spielten, wie die im zweiten Weltkrieg neutralen, nicht von der Wehrmacht besetzten europäischen Staaten, die USA und das britische Völkerbundmandat Palästina. Daneben wurden auch Regionen und Landschaften mit eigenen Einträgen bedacht, die in der Geschichte des Holocaust eine besondere Aufmerksamkeit verdienen.
In seinem Vorwort weist Wolfgang Benz daraufhin, dass "im Interesse der Lesbarkeit" in der Regel darauf verzichtet worden sei, Termini aus dem Jargon der Mörder in Ausführungszeichen zu setzen. Hierzu gehören auch Stichworte wie z. B. "Aktion Erntefest" oder "Aktion Reinhardt", die nichts anderes sind, als zynische Decknamen für die Ermordung von Tausenden von Menschen! Nur in wenigen Ausnahmen, bei denen Menschen und ihre Schicksale direkt angesprochen werden, wie beispielsweise "Mischlinge", habe man den Begriff in Anführungszeichen gesetzt. Nach timediver®'s Dafürhalten ist eine "bessere Lesbarkeit" kein Grund auf die distanzierende Form mittels Anführungszeichen zu verzichten. Die vorwortliche Anmerkung, dass sich der Herausgeber, die Autoren und die Redaktion die Begriffe aus dem Wörterbuch des Unmenschen selbstverständlich nicht zu eigen gemacht haben, halte ich hingegen für evident.
Auch fast zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung und insbesondere zum Internationalen Holocaustgedenktag anlässlich der 67jährigen Wiederkehr der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 hat das Lexikon des Holocaust nichts an seiner Aktualität verloren. Für jeden, der sich mit der Geschichte des "Drittes Reiches", des Antisemitismus und der Shoa beschäftigen möchte kann dieses Standardwerk nur empfohlen werden.