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Christian Eichler, Sportredakteur der FAZ, hat sich der Aufgabe angenommen, diese Stichworte aus der Welt des Fußballs zusammenzutragen, zu sortieren und die mit ihnen verbundenen Geschichten aufzuschreiben. Herausgekommen ist mit dem Lexikon der Fußballmythen ein über 400 Seiten starkes Buch, das es in sich hat. Hier wird Fußballwissen einmal in einer anderen Form präsentiert: Als eine lockere Aneinanderreihung von Erinnerungen, Zitaten, Vergleichen und Einwürfen, die mal amüsant, mal philosophisch, mal nachdenklich daherkommen. Eingeteilt ist das Ganze nach prägnanten Schlagworten wie "Spiel", "Geld", "Trainer" oder "Ball", zu denen jeweils auf Begriffe, die sich diesem Thema zuordnen lassen, näher eingegangen wird. Statistische Tatsachen und Fakten stehen dabei weniger im Vordergrund, sondern eher die Geschichten drumherum, die beim Leser immer wieder den "ach ja"-Effekt aufkommen lassen.
Das Lexikon der Fußballmythen ist sicherlich kein Buch, dass man sich am Stück durchlesen sollte; aber zum Blättern und Nachschlagen ist es insbesondere durch seine vielen Querverweise und das ausführliche Register hervorragend geeignet. Wenn sie eine Antwort auf eine knifflige Fußballfrage suchen: Hier werden Sie bestimmt fündig! --Jens Keuchel
r. r. Wenn einer ein «Lexikon der Fussballmythen» schreiben will, dann nimmt er sich einiges vor. Lexikon, das schreit nach Vollständigkeit oder wenigstens nach einem nachvollziehbaren Raster. Der Mythos hingegen lebt zu einem schönen Teil davon, dass er sich der Klassifikation entzieht. Und der Fussball ist sowieso meistens unhaltbar.
Dessen ungeachtet hat sich Christian Eichler, Sportredaktor bei der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», diese Aufgabe aufgeladen und für sein vierhundertseitiges Manuskript den ziemlich renommierten Eichborn-Verlag gewinnen können. Was die Erwartungen nochmals in die Höhe schraubt. Weil Fussball-Bücher normalerweise entweder als hochglänzende Billig-Bilderflut daherkommen oder aber in irgendeiner schütteren Feld-Wald-und-Rasen-Edition, deren gräuliches Papier nach feuchten Fussballschuhen riecht.
Die Lektüre eines Lexikons beginnt naturgemäss hinten. Dort, wo das Register ist. Man lässt das Auge über die Stich- und Schlagwörter gleiten, bis irgendetwas das Interesse weckt. Zum Beispiel Dürrenmatt, Friedrich. Schliesslich ist man als Fussballfreund naturgemäss «Chauvi», als Lexikon-Leser aber auch Literat. Seite 321 wird also unser Fritz mit folgendem Wortlaut zitiert: «Ich kann nach einer Niederlage der Grasshoppers aus Zürich eine Woche lang nicht schreiben.» Das ist allerdings unerhört und dürfte die ganze Dürrenmatt-Rezeption auf den Kopf stellen. Allein der Stil des Zitats zeigt eine bisher völlig unbekannte Seite unseres Nationaldichters. Die Erkenntnis, dass er quasi sein ganzes Leben im Geiste auf dem Hardturm zubrachte, darf man ohne Übertreibung als sensationell einstufen.
So viel zum Kapitel Dichtung. Wenden wir uns lieber den einfacheren Wahrheiten in diesem Buch zu, zum Beispiel dem Kapitel Technik. Unter dem Stichwort «Abstoss» heisst es da: «Dem Abstoss kommt im Zuge der zunehmenden Fernsehvermarktung des Fussballs eine entlastende Dienstleistungsfunktion zu.» Weil man im Fussball nämlich laut Eichler nur im Falle von Abstössen sorglos rasch aufs Klo gehen kann, nämlich ohne Angst, etwas zu verpassen. Damit hat der Autor vielleicht einerseits Recht, aber er geht einem andererseits auch ein wenig auf die Nerven. Weil in Sätzen wie diesen, von denen es hier wimmelt, uns wieder dieser immerlustige Jargon des aufgeklärten und, noch schlimmer, aufklärerischen Fussball-Intellektuellen entgegenschlägt, der sich ständig verbal verbrüdert und gleichzeitig dem gemeinen Stehplatzbesucher mit Bonmots den Nachmittag verdirbt.
Jedenfalls kalauert sich Eichler eifrig durch die Zeiten und Ligen. Viel tatsächlich Wissenswertes hat er da zusammengetragen, viel Überraschendes, Witziges, viel Unerhörtes und manch geradezu Unglaubliches, das oft ein wenig wie aktive Mythenbildung wirkt. Was man in einem Lexikon, wenn auch einem über Mythen, nun nicht gerade erwartet hätte. Aber ist ja «wurscht». Geht ja nur um Fussball.
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