Das Thema "Fehlleistungen und Flops" kann recht unterhaltsam sein - es gibt und gab Fernsehsendungen dazu, es gibt Lexika über Irrtümer, etc. Ein recht dankbares Thema also.
Leider hat Graupmann versucht, seine dünnen Flops auf fast 240 Seiten auszuwalzen. Der Stil ist besserwissend, belehrend. Es wird endlos aus dem Strafgesetzbuch zitiert um moralische Urteile zu unterstützen, das Tierschutzgesetz wird auch wörtlich bemüht. Jedes zweite Wort wird von Graupmann erklärt, und dabei uninteressant wie aus einem Lexikon abgeschrieben. Fakten sind teilweise falsch. Das Buch ist ein Ärgerniss, und durch die Schwächen leider fast unlesbar. Sicher nicht amüsant, und sicher nicht unterhaltend. Rat: Finger weg.
Ein paar exemplarische Beispiele für Fehlleistungen in dem Buch:
1) Graupmann erzählt (Seite 148) die an sich amüsante Geschichte, daß Gustav III daran glaubte, dass Kaffee giftig sei, und zum Nachweis einen Mörder dazu verurteilen liess, tätlich mehrere Tassen Kaffee, einen anderen Mörder täglich mehrere Tassen Tee zu trinken. Dies wurde von Ärzten überwacht. Die überwachenden Ärzte und der König starben vor den Mördern, und der Teetrinkende der beiden Versuchskaninchen starb vor dem Kaffeetrinkenden. Soweit, so gut, dies ist auf einer guten 3/4 Seiten weggeschrieben. Und nun erfolgen Erklärungen zu Gustav III, man erfährt, was Tee ist, die Geschichte des Kaffees wird angerissen, und dies alles ebenfalls auf einer Dreiviertelseite - schlechter geht's nicht.
2) Zu Kain und Abel (S. 149): "[...] Eine eindeutige Fehlleistung innerhalb der biblischen Geschite - ein Fall von Mord, denn ein "Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet." (Paragraph 211 Absatz 2 Strafgesetzbuch, StGB)' Muss man wirklich das StGB bemühen, um glaubhaft zu machen, dass Mord verwerflich ist? Gähn.
3) auf S. 121-140 wird auf ziemlich langweilige Art Günther Oggers "Nieten in Nadelstreifen" zusammengefasst und zitiert - musste das sein? In diesem Abschnitt referiert Graupmann auch 1/3 Seite darüber, was "Waterloo" ist, nachdem er den Ausdruck "sein Waterloo finden" vorher benutzt hatte. Was für ein Langweiler und Oberlehrer. Was ist eigentlich die Zielgruppe des Buches? Analphabeten?
4) S. 117/118: ein Satz über 10 Zeilen, mit fünf Klammereinschüben - gab es eigentlich keinen Lektor, der so einen Unsinn hätte beseitigen können?
5) Herzogenaurach liegt in Mittelfranken, nicht in Oberfranken (S. 127) und Spannung wird nicht abgeführt, sondern höchstens Strom (S. 86).
So könnte das weiter und weiter gehen, aber es macht keinen Spaß mehr über dieses mißglückte Buch zu schreiben.