Heutzutage scheint es Mode zu sein, daß zu jedem beliebigen Thema ein sogenanntes "LEXIKON" auf dem Markt sein muss. Ob das mit der penetranten Ordnungsliebe (Ordnungswut) von uns Deutschen allgemein zusammenhängt oder nur den Verlegern die Taschen füllen soll, sei dahingestellt. Immerhin werden solche Bücher gut verkauft, also muß eine Nachfrage dafür bestehen.
Hier geht es um ein spannendes Thema: Attentate! Spätestens seit Julius Caesar ein Dauerbrenner der Weltgeschichte. Natürlich haben die meisten Attentate nichts miteinander zu tun, da Ursachen und Attentäter doch zu verschieden sind, aber interessant ist eine Übersicht zum Thema allemal, und sei es nur, daß man Arten der Durchführung (nicht Ursachen s.o.) der Attentate vergleicht. Dann sieht man auch, wie oft der Zufall zum Gelingen oder Mißlingen zu Hilfe kam.
Dieser Schnellschuß hier wäre allerdings besser unterblieben! Viel zu oberflächlich werden die einzelnen Ereignisse "abgehakt". Der Stil der 1/2- bis 6seitigen Artikel ist stark schwankend: mal stenografisch, mal episch, mal prägnant, mal schwafelnd - im ganzen aber extrem uneinheitlich. Ein durchgehender "roter Faden" unter dem die Attentate abgehandelt werden (was einen Vergleich erleichtern würde) ist nicht erkennbar.
Vollständigkeit ist nicht angestebt. Trotzdem ufert das Thema aus, da unterschiedslos "Attentate" und "Politische opportune Morde" vermengt werden. Die Tötung Zar Alexanders III. durch Sprengstoffbombe (1881) ist eben doch etwas grundsätzlich anderes als die standrechtliche Erschießung der Zarenfamilie Nikolaus' II. während der Internierung (1918), die hier beide als "Attentat" verstanden werden. (Warum wird dann aber nur Nikolaus II. gebracht, nicht jedoch Ludwig XVI. ?)
Dafür überwiegt der Eindruck von großer Eile, zu häufig sind offensichtliche Flüchtigkeitsfehler. Und dieser Eindruck, das ganze Buch sei hastig während nur einer Woche unter Abgabedruck "runtergeschrieben" worden, will leider auch nach Seite 350 nicht verfliegen.
Glücklicher- und korrekterweise sind nach jedem Artikel die Quellen angegeben. Wer sich nun stichprobenartig die Mühe des Nachprüfens macht, kann sehen, wieviel von dort nicht nur abgeschrieben, sondern auch --- weggelassen wurde!! Daß aus diesen Quellen absatzweise abgeschrieben wurde (z.T. von der Autorin leicht umformuliert), mag auch der Grund für den sehr uneinheitlichen Stil dieses "Lexikons" sein. Und daß die Autorin in diese Quellen nur "reingeschnuppert" hat, wird beim Quellenvergleich leider auch allzu oft deutlich.
Schlimm wird es aber, wenn mitunter absolute Geschichtsverdrehungen als Fakten gebracht werden. Nur ein besonders eklatantes Beispiel: zum Stichwort "Cicero" heißt es auf S.55 : "... und so verbannte Kaiser Claudius den scharfzüngigen Cicero 59 v.Chr." (kein Kommentar!!!) Hier hört die Kurzweiligkeit des Schmökerns auf, und das Ärgernis beginnt.
Wer also ein interessantes Buch zum Thema "Historische Attentate" sucht, und nicht nur zusammenhanglose Extrakte aus diversen Büchern/Zeitungsartikeln bekommen will, bei denen dank falschen Abschreibens und mangels eigener Autorenrecherche selbst das Schmökern keinen rechten Spaß mehr macht, der sollte lieber auf Alexander Demandt oder Jörg von Uthmann zurückgreifen und dieses Schnellschreibsel links liegenlassen.