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Lewis Reise: Roman
 
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Lewis Reise: Roman [Gebundene Ausgabe]

Per Olov Enquist , Wolfgang Butt
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Um es gleich vorwegzusagen: Lewis Reise ist ein großes Buch. In ihm kommt die Meisterschaft des schwedischen Romanciers Per Olov Enquist, die in der Verknüpfung von historischem Fakt und narrativer Weitung liegt, großartig zum Tragen.

Wie Der fünfte Winter des Magnetiseurs erzählt Enquist von großer Leidenschaft und gläubiger Verführung -- und führt uns mitten hinein in eines der wichtigsten Kapitel der schwedischen Religionsgeschichte. Im Zentrum steht der Machtkampf einer der größten Glaubensgemeinschaften der Erde, zwischen dem Leiter der schwedischen Pfingstkirche Lewi Petrus und dem lebenslustigen Dichter Sven Lidman, einem charismatischen Bohemien, die doch beide als janusköpfiger Ausdruck der Zeit, als "Zwillinge im Geiste" erscheinen. Die einstige Freundschaft zerbricht, als Lidman gegen den Führungsstil Lewis aufbegehrt -- was zeigt, wie stark das Private ins Historische hinüberspielt.

Durch seine Mutter hat Enquist gelernt, was es heißt, in einer regressiven religiösen Umgebung großzuwerden. Diese persönliche Verwicklung auch in seine eigene Geschichte merkt man Lewis Reise beizeiten allzu gewaltig an. Dennoch aber ist Enquist mit seinem neuesten Roman wieder ein grandioses Buch gelungen, das Dichtung und Wahrheit imposant miteinander verknüpft. Große Erzählliteratur, die beeindruckt, auch wenn das ureigen schwedische historische Thema dem Publikum hier zu Lande vielleicht nicht gerade unter den Nägeln brennt. Der große Reiz aber liegt in dem Umstand, dass es Enquist gelingt, seine Erzählung zur allgemein gültigen Parabel von Verstrickung, Schuld und Verführung zu weiten. Deshalb: unbedingt lesen. --Stefan Kellerer

Pressestimmen

"Per Olov Enquists kühnster Roman. ... Es ist eine seiner großen Fähigkeiten, die Widersprüche im Einzelnen und in den Beziehungen der Personen, aber auch in historischen Ereignissen und Konstellationen aufzudecken. ... Eine bewundernswerte literarische Leistung!" Karl-Markus Gauß, Neue Zürcher Zeitung, 06.03.03 "Schwedens großer Schriftsteller Per Olov Enquist versteht es in seinem neuesten Roman "Lewis Reise" auf meisterhafte Weise, Interesse und Neugier, ja Wissbegier für die Pfingstbewegung zu entfachen ... faszinierend zu lesende Mischung aus Fakten und Fiktionen. ... Ungemein klug und behutsam ... faszinierende Lebensgeschichten des 20. Jahrhunderts." Jeanette Stickler, Rheinischer Merkur, 20.03.03 "Eine große Parabel über die Kraft des Glaubens, die Bereitschaft zum Opfer und die Verführbarkeit durch die Macht." Claus-Ulrich Bielefeld, Focus, 17.03.03 "Per Olov Enquists persönlichstes Buch ... ideenreich und ansprechend." Andreas Isenschmid, Die Zeit, 16.04.03 "Wer in die theologischen Hinterwelten der Moderne, nicht nur in Schweden, blicken will, der muss dieses Buch lesen." Christoph Bartmann, Die Presse, 26.04.03 "Es gelingt ihm, jenen Zauber zu verbreiten, den nur er mit der typischen Prosamixtur aus Ironie, Pathos und knochentrockenem Registrieren von aberwitzigen Vorgängen zu verbreiten vermag. Diesen beißenden und im Leser schmerzhaft schön sich ausbreitenden Glanz bekommen seine Sätze immer, wenn er sich mit den Spielarten der Liebe unter verzückten Pfingstbewegten beschäftigt." Klaus Siblewski, Die Welt, 03.05.03

Kurzbeschreibung

Sein kühnster Roman: Zwei Männer gründen ein machtvolles Imperium des Glaubens. Aber ihre einzigartige Freundschaft findet ein tragisches Ende. Außerordentlich und bewegend: Per Olov Enquist erzählt mit großer Leidenschaft. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

Über den Autor

Per Olov Enquist ist 1934 in einem Dorf in Nordschweden geboren und lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

Auszug aus Lewis Reise. Eine Einführung. von Per Olov Enquist. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Lewi und Sven sollten sich noch einmal begegnen.

Eines Tages im Frühsommer 1954 hatte jemand Lewi angerufen und ihm gesagt, Lidman wolle ihn treffen. Die Kontaktperson hatte gesagt, Lidman meine es aufrichtig. Er habe über das Ganze nachgedacht und es bereut, habe gesagt, der Grund für den Angriff sei gewesen, daß ›die Liebe in seinem Herzen erloschen war‹. Niemand konnte erklären, was dies eigentlich bedeutete, aber ein Treffen wurde verabredet.

Es sollte zu Hause bei Lewi auf Bredden stattfinden. Lewi wie auch Sven waren vor der Begegnung nervös gewesen, sie hatten sich auf der Treppe getroffen und sich die Hand gegeben und einander in die Augen gesehen, und da, plötzlich und ohne daß einer von ihnen es erklären konnte, war alles, wie es früher gewesen war. Sie hatten zusammen mit Brita und Lydia zu Abend gegessen und ›alte Erinnerungen aufgefrischt‹ und gescherzt.

Und es war unfaßbar, oder eine Gnade Gottes.

Lewi war siebzig Jahre alt. Sven war zweiundsiebzig.

Nach dem Essen hatte Lewi vorgeschlagen, daß die beiden einen Spaziergang auf der Höhe machen sollten. Sie waren weit gegangen, es war ein sehr schöner Frühsommerabend, und sie hatten über die alten Zeiten gesprochen, und dann, plötzlich, war Lewi stehengeblieben, hatte Svens Arm ergriffen und gesagt:

"Sag mal, hatten wir nicht mächtig viel Spaß in den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben?"

Da hatte Sven die Hände gefaltet, sie vor sein Gesicht gehalten und mit einer Stimme so voller Trauer und Verzweiflung, daß Lewi Tränen in die Augen kamen, gesagt:

"Und so etwas hat man zerschlagen!"

"Aber es kann repariert werden", hatte Lewi entgegnet.

Sven hatte ihn jedoch nur lange angesehen, mit Tränen in den Augen, hatte ihn untergehakt und kehrtgemacht, und dann waren sie nach Hause gegangen, den Höhenzug entlang. Es war zu spät. Es war zu spät.

Das war das letzte Mal. Danach sahen sie sich nicht wieder.

Lewi selbst beschreibt die Begegnung in einem seiner letzten Bücher, bevor er starb.

Er sagt, er habe Sven Lidman als einen der besten Freunde seines Lebens lieben gelernt, und nie damit aufgehört. Für den Verlust Svens gab es nie einen Ersatz. ›Wir waren so verschieden, wie zwei Menschen nur sein können, aber wir ergänzten einander.‹

Vielleicht war die Liebe gegenseitig.

Viele Sommer sind vergangen seit ihrer letzten gemeinsamen Wanderung, die Inschriften auf Gottes Acker sind noch undeutlicher geworden, Efraim ruht dort in seiner Landesflucht; vielleicht hatte er in einer letzten Protesthandlung, nachdem er aus der Gemeinde ausgestoßen worden war, die er so geliebt hatte, die große ökumenische Gemeinde in dem europäischen geistlichen Haus gewählt, wo er sich in dieser seiner letzten Diaspora mit den anderen austauschen konnte. Auch mit ihr, die gering war, aber ihr Bestes tat. Ich kann mir fast die Gespräche vorstellen unter den viereckigen Steinplatten, die den Fußboden und das Dach des eigentümlichen europäischen 20. Jahrhunderts bilden, der Erweckungsbewegung und der Vernunft, des Radikalpietismus und der Aufklärung, der Verzweiflung und der Ekstase, der Hoffnung und der Verwirrung.

Aber ich glaube, Efraim hätte sich gefreut, wenn er gesehen hätte, wie Lewi und Sven sich dieses letzte Mal trafen. Er hätte gesagt, daß es ziemlich schön ist.

Niemand sah ja Lewi und Sven auf ihrer Wanderung, bei diesem ihrem letzten Treffen, aber hätte Efraim es gesehen, ich glaube, er hätte - ja, Frieden empfunden. Der große Magere und der dünne Kleine, Arm in Arm, eigentlich ein ziemlich lustiges Paar, nicht komisch, aber ein bißchen lustig, zwei lustige Menschen. Und daß sie Efraim, als sie unter den Bäumen des Höhenzugs verschwanden, an damals erinnert hätten, an Kölingared, als Sven und Lewi sich zum allerersten Mal trafen.

Sie hatten einander untergehakt, war es nicht 1921?, und waren einem Pfad gefolgt, der durch ein Kornfeld ging. Der Lange hatte einen Gehrock mit Weste getragen, der Kleine einen Cheviotanzug. Und so waren sie auf dem Pfad durch das Kornfeld gegangen, hinunter in die Talsenke, und es war, als ob sie langsam durch Gottes Acker hinabstiegen, nicht einen wie den, auf dem Efraim jetzt ruhte, sondern einen lebendigen, der wuchs, und wo Gott jetzt seiner herrlichen Ernte entgegensah, und sie waren dahingewandert und sehr langsam in der Talsenke verschwunden, Arm in Arm, am Schluß verschluckt von Gottes Acker, untrennbar vereint.

Und fürwahr: Sie waren so glücklich gewesen.

Es ist Frühling, während ich dies schreibe, ich möchte gern noch einmal nach Christiansfeld fahren.

Dort fing es ja an, und dort erhielt ich die letzte, posthume Mitteilung von Efraim. Ich weiß noch immer nicht, warum er dort ruhen wollte. Vielleicht war es so, daß es am Ende keine andere Zugehörigkeit gab als die zu Gott. Und die gab es nur auf Gottes Acker, wo die Texte am Ende unsichtbar werden.

Da entsteht die kleinste und selbständigste Gemeinde, die keine Gemeinschaft ist: Allein mit Gott. Jeder für sich.

Die Inschrift auf Efraim Markströms Stein wird auch undeutlich werden und verwittern wie die der anderen. In einigen hundert Jahren wird nur noch die Steinplatte dasein, ohne Inschrift. Es gibt sicher eine rationale Erklärung dafür, wie für das meiste: Vielleicht ist es so, daß die demütig liegenden, horizontalen Platten durch Wind und Wetter stärker abgeschliffen werden. Vielleicht ist das beabsichtigt.

Dann wird auch die älteste, aber bei schräg einfallender Morgensonne noch sichtbare Inschrift verschwunden sein. Es ist auf ihre Weise die Ermahnung der Reisegefährtin an Lewi, aber sie steht auf dem Stein einer alten dänischen Frau, die achtundneunzig Jahre alt war, als sie auf Gottes Acker begraben wurde. ›Sie war gering. Aber tat ihr Bestes‹; sehr einfach, sehr schön, eine Daumenlosung vom verwalteten Pfund.

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