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Darunter ein Unteroffizier, dem Gestellungsbefehl nach Ravensbrück folgend: Des Ich-Erzähler Arno Schmidts Alter ego Gedrängte, expressive Sprache: ein Markenzeichen Arno Schmidts, und wer die obigen drei Absätze zu kompliziert fand, wird seiner Erzählung "Leviathan oder die Beste der Welten" wenig abgewinnen können. Auf 31 Seiten verknüpfte der Autor 1949 eigene Erlebnisse mit einer (im wesentlichen: physikalisch korrekten) Erklärung der modernen Kosmologie, fängt die Kriegsende-Atmosphäre ein, liefert Gesellschafts- und Religionskritik, findet neue Worte für erotisches Angezogensein, betreibt Theodizee, hakt nebenher ein gutes Dutzend prominenter Gelehrter und Dichter ab und liefert mit der Leviathans-Mythologie eine bildgewaltige eigene Welterklärungs-Metapher ab.
Und, wie gesagt, er braucht dazu nur 31 Seiten.
Arno Schmidt, "die bessere Hälfte der deutschen Nachkriegsliteratur" (Hermann L. Gremliza), wurde 1914 in Hamburg-Hamm geboren. 1928 nach Schlesien umgezogen, machte er ein paar Kilometer weiter in Görlitz 1933 Abitur. Zunächst arbeitete er als kaufmännischer Angestellter, 1940 wurde er Soldat - Unteroffizier bei der Artillerie. Nach britischer Kriegsgefangenschaft begann er 1947 ein Leben als freier Schriftsteller in Cordingen. 1958 zog er nach Bargfeld bei Celle, wo er ein produktives Eigenbrödler-Dasein führte. 1979 starb er im Celler Allgemeinen Krankenhaus.
Unter Schmidts Werken ist der "Leviathan" eines der zugänglichsten. Interpunktion und Satzbau sind zwar etwas eigenwillig, die Zahl der Anspielungen, Wortakrobatereien und gelehrten Querverweise ist groß, und komplexe Probleme wie Raumkrümmung und die Expansion des Universums werden reichlich knapp abgehandelt. Doch auch wer nicht jede Doppelbödigkeit versteht und nicht mit jedem angerissenen Thema und Autoren vertraut ist, kann der Geschichte folgen und die Erzählung mit Gewinn lesen.
Arno Schmidt behandelt in seinen frühen Werken, zu denen neben dem "Leviathan" auch "Brand's Haide" und "Die Umsiedler" zählen, öfters das Thema Kriegsende und Nachkriegszeit. Nicht ohne Ironie nimmt er dabei immer wieder jene Jammerhaltung der Vertriebenen und ihrer In-Empfang-Nehmer aufs Korn, die vollauf mit dem Beklagen des letztlich selbstverschuldeten Elends beschäftigt sind.
Als Einstieg in ein Gesamtwerk, das versammelte Nachkriegs-Hochliteratur-Bestsellerschaft und deutsche Schulzwangslektüren ziemlich blaß aussehen läßt, ist Schmidts "Leviathan" genauso hervorragend wie als in jeder Hinsicht eigenständige Erzählung.
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