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Leviathan [Taschenbuch]

Paul Auster , Werner Schmitz
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 9 (2. Dezember 1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499139278
  • ISBN-13: 978-3499139277
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 198.277 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Paul Auster
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Schriftsteller Peter Aaron will die Todesumstände und die Lebensgeschichte von Ben Sachs ermitteln. Einst waren sie Freunde. Bis Reagan kam und mit ihm der literarische Erfolg für Aaron und die politische Verbitterung für Sachs. Paul Austers Roman ist ein politisches Gleichnis, aber zuallererst handelt er von der Freundschaft zweier Männer und vom Verrat des einen, von sexueller Begierde und davon wie schnell Schicksal, Zufall;und Gewalt ein geordnetes Leben zerstören können.

Über den Autor

wurde am 3. 2.1947 als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden in Newark, New Jersey geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971-74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in den USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Paul Auster lebt in Brooklyn, New York, ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Er erhielt Stipendien der National Endowment for the Arts (1977 für Lyrik, 1983 für Prosa), den France Culture Prix Etranger (1988) und den Morton Dauwen Zabel Award (1990).

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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Peter Aaron, der Ich-Erzählers des gut 300 Seiten starken Romans, erzählt uns die Geschichte von seinem Freund Benjamin Sachs, von dem Moment, wo sie sich kennen lernen bis zum Tod von Sachs.

Das Buch ist in fünf Teile eingeteilt, die jeweils einen Abschnitt im Leben der beiden Männer, ihrer Familien und auch in der amerikanischen Wirklichkeit wiedergeben.

Beide sind Schriftsteller, Winter/Frühjahr 1975, als sie sich auf einer im Schnee untergegangenen Lesung kennen lernen. Sachs hat einen Roman veröffentlicht und schreibt zur Zeit Essais und Artikel, Aaron ist noch in den Anfängen und hat einige Kurzgeschichten untergebracht. Sachs ist verheiratet mit Fanny, einer ehemaligen Studienkollegin von Peter Aaron, in die dieser damals unerwidert verliebt war. Auch Aaron ist verheiratet mit Delia und die Freundschaft der beiden Männer erweitert sich auf die Familien, auch wenn das Verhältnis zwischen Peter und Fanny nie ganz spannungsarm ist. man kann sich oft sehen, da man nah zueinander wohnt.

Nach anderthalb Jahren verlassen Peter and Delia die Stadt. Delia ist schwanger und bekommt ein Kind, die beiden übernehmen sich finanziell, Peter verliert seinen Roman aus den Augen, da er sehen muß, wie er Geld verdient und am Ende trennen sie sich. Peter zieht zurück nach New York, in die Nähe von Sachs und Fanny. Plötzlich beginnt er ersten Erfolg zu haben, er bekommt 2 Stipendien und hat wieder Zeit zu schreiben. Durch die beiden lernt er Maria kennen. Fanny rettet ihn davor zu Delia zurückzukehren und schließlich lernt er seine neue Frau, Iris, kennen.

Der dritte Teil beginnt zu Anfang der Reagan-Ära. Aaron wird literarisch und persönlich erfolgreicher, während Sachs zunächst den Erfolg und später auch das Interesse am Schreiben verliert. Durch einen Unfall wird er vollkommen aus der Bahn geworfen. Maria und Peter schaffen es, ihn wieder etwas aufzubauen und überreden ihn, sein altes Material für ein Buch aufzubereiten. Er ist einverstanden und geht nach Vermont in ein Landhaus, um dort zu arbeiten. Er will auch die Trennung von seiner Frau. mehr um ihretwillen als für sich. Tatsächlich beginnt er einen neuen Roman («Leviathan», nach welchem Peter Aaron/Paul Auster den vorliegenden Bericht genannt hat), und fängt wie wild an zu arbeiten. Peter besucht ihn dort mit Iris und ihrer gemeinsamen Tochter. Er liest das Material, das Sachs bis dahin geschrieben hat und ist begeistert.

Nachdem Sachs wieder alleine ist, wirft ihn eine Kette von Ereignissen wieder vollkommen aus der Bahn. Er verschwindet für seine Freunde und seine Frau von der Bildfläche. Er versucht, eine neue Orientierung für sein Leben zu finden.

Der fünfte Teil erzählt von den letzten Monaten Sachs', insbesondere auch von dem letzten Treffen zwischen ihm und Peter, an dem er ihm über das, was in den letzten 2 Jahren passiert ist, informiert.

Wie alles, was ich von Auster kenne, ist diese Geschichte spannend und immer wieder überraschend, ohne oberflächlich zu sein. Die Personen und Situationen sind detailreich aber nicht langatmig beschrieben. Der Text soll ein Bericht sein, den Peter Aaron in den paar Tagen niederschreibt, nachdem er in der Zeitung die Notiz gefunden hat, aus der er den Tod seines Freundes schließen kann. Die ermittelnden Beamten wissen noch nicht, wer der Tote ist. Am Ende ist diese Frage geklärt, und Peter übergibt seinen Bericht der Polizei. Die Sprache ist diesem Szenario angepasst sachlich.

Das von mir als Überschrift gewählte Zitat ist die Pointe eines Witzes, den Bejamin Sachs am Anfang, als er ihn kennen lernt, Peter Aaron als Vergleich anbietet.

Mir hat das Buch viel Spaß gemacht, mehr noch als die Stadt aus Glas, und ich kann sie jedem, der «so was» mag, nur emphehlen.

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Zufall als Bestie 13. Juni 2008
Von helmpr. TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
"Vor sechs Tagen hat sich im nördlichen Wisconsin ein Mann am Rand einer Straße in die Luft gesprengt. Zeugen gab es keine, doch offenbar saß er im Gras neben seinem geparkten Wagen, als die Bombe, an der er bastelte, plötzlich hochging. Dem soeben veröffentlichten gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge war der Mann auf der Stelle tot. Sein Körper wurde in winzige Stücke gerissen, und noch fünfzehn Meter vom Explosionsort entfernt wurden Leichenteile gefunden. Bis heute (4. Juli 1990) scheint niemand zu wissen, um wen es sich bei dem Toten handelt."

Auch sonst: keine Hinweise auf die Identität. Das Auto gestohlen und verkohlt, Pass und Kreditkarten zwar gerettet, aber gefälscht, Fingerabdrücke angesichts der zerfetzten Hände nicht vorhanden. Allein die Zähne bieten eine Spur.

Nur der fiktive Erzähler erkennt, wer der Tote ist - und er hofft, dass das mit den Zähnen noch etwas dauert. Denn er will die Lebensgeschichte seines Freundes zuerst selber erzählen, dem FBI zuvorkommend. Und was er uns enträtseln wird, das ist eine Ungeheuerlichkeit, und lesend geraten wir in den unerbittlichen Sog der Ereignisse ...

Dramatisch beginnt der Roman, dramatisch fesselt der Roman bis zur letzten Seite. Das Besondere aber ist, dass das alles mit geradezu philosophischem, ja vielleicht sogar religiösem (Titel!) Tiefgang daher kommt, allerdings nie aufdringlich mit einer Botschaft an die werten und von irgendeiner Moral der Geschichte letztlich genervten Leser. Sondern da ist reine Freude und Lust am Fabulieren. Deshalb auch keine diffizilisierten und fein ziselierten Handlungs- und Satzkonstruktionen, sondern klare und wohltuende Lesbarkeit und immer gute Unterhaltung. So wie das die Autoren aus dem angelsächsischen Sprachraum einfach ausgezeichnet beherrschen.

Das Grundthema ist im Roman der Zufall. Bereits im zweiten Satz leuchtet er auf: beim Basteln an der Bombe am Rande der Straße ist es zufällig passiert, dass diese plötzlich explodiert. Der Zufall spielt ein verrückt böses Spiel mit dem ebenso gescheiten wie gescheiterten Schriftsteller, der am Ende zerfetzt im Straßegraben liegt. Der Zufall sorgt dafür, dass er zum Totschläger und zum Öko-Terroristen wird, dass er verhängnisvolle Liebschaften eingeht und verliert, dass er selber erfolglos bleibt, während der weniger begabte Ich-Erzähler als Autor Erfolg um Erfolg feiert. Natürlich ist auf der anderen Seite auch dieser Erfolg des weniger Begabten reiner Zufall, der eben alle durchs Leben steuert. Erzähltechnisch edel erfahren wir ja nichts Objektives über Personen und Geschehnisse, sondern alles durch die Brille dieses Erzählers.

Am Ende wird deutlich, was mit dem Leviathan gemeint ist, doppelsinnig Titel des Romans wie Titel des unvollendet bleibenden letzten Werkes des Mannes am Rande der Straße.
Denn der Leviathan ist das mythologische Ungeheuer der Bibel, in dem sich die bösen Mächte animalisieren, vor denen die Menschen in blinder Ohnmacht stehen. Menschliche Urangst. Im Buche Hiob lesen wir: "Kannst du den Leviathan fangen mit der Angel und seine Zunge mit einer Fangschnur fassen? Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben? Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst? Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden? Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen? Lege deine Hand an ihn! An diesen Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun! Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn sieht, stürzt er zu Boden. Niemand ist so kühn, dass er ihn zu reizen wagt. Unter dem ganzen Himmel ist keiner! Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen. Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und vor Schrecken wissen sie nicht aus noch ein."

Bei Auster ist der Zufall genau diese Bestie, bis in die Details. Und nicht etwa der Staat wie in Thomas Hobbes Leviathan. Auch nicht der Staat Ronald Reagans, in dessen Amerika die Story zufällig verankert ist und am Independence Day auch noch zufällig beginnt. Wobei der Bezug zu Hiob sicher kein Zufall ist, wollte Auster bekanntlich einst Rabbiner werden.

So ist Auster ein großer, erschütternder, ungeheuerlich packender Roman gelungen. Mit Tiefenschärfe. Absolut lesenswert.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Paul Auster at his best! 27. Juni 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wer Paul Auster den Vorwurf macht, er schreibe irgendwie immer das Gleiche, hat voll und ganz recht. Trotzdem oder vielleicht deshalb wird Buch für Buch von ihm umso lesenswerter. "Leviathan" ist für mich der Gipfel seiner Erzählungen von Menschen und Rätseln. Selten hat mich ein Buch so bewegt wie dieses über einen Mann, der einfach nur die Welt verändern will und zu den letzten Mitteln greift. Auster springt in "Leviathan" über seinen Schatten, über die Selbstgrübelei seiner früheren Bücher. Und es ist als ob er selbst schon lange darauf gewartet hat -- als ob er sie endlich aus ihrem Käfig wild hinausflattern läßt. Es ist ein Erlebnis, ihnen dabei zuzusehen! Meiner Meinung nach bisher das größte von Austers Büchern.
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