China Miéville ist für mich DER phantastische Autor schlechthin, ist er doch einer der wenigen Autoren die sich von den konservativen Inhalten, die sich für das Genre stilbildend entwickelt haben, wegentwickeln und damit einzigartige Bücher verfasst.
Lübbe erfreut eines jeden Lesers Herz mit der Aufteilung von >The Scar< in zwei Teile (Band eins: >Die Narbe<).
Bellis Schneewein bucht eine Überfahrt auf der "Terpsichoria" von New Crobuzon zu einer provinziellen Gegend, wo sie ein neues Leben starten möchte.
In ihrer Heimat kann Bellis nicht bleiben, da vergangene Ereignisse ihr Leben in New Crobuzon zur Gefahr werden lassen.
Während der Reise wird die "Terpsichoria" von Piraten gekapert und ihre Passagiere in eine schwimmende Stadt gebracht, deren Bewohner den Neuankömmlingen keinesfalls feindlich gesinnt sind.
Aus welchem Grund wurde gerade die "Terpsichoria" von Armada, der Metropole der Ozeane, ausgewählt und gekapert?
Während Bellis dem Geheimnis der Liebenden und deren Pläne für Armada gefährlich nahe kommt, wird sie wegen ihrer Übersetzungskünste unmittelbar an dem Projekt beteiligt.
Doch es steckt viel mehr hinter der Sache, als man zunächst glauben mag...
Vielmehr möchte ich gar nicht verraten, wer schon einmal einen Miéville gelesen hat, wird wissen, dass man zu Anfang des Buches noch nicht ahnen kann, welche Wendungen die Handlung noch nimmt.
Die überwältigende poetische Ausdrucksweise des Autors ist in >The Scar< nicht ganz so malerisch wie in >Perdido Street Station<, allerdings nicht weniger gekonnt und faszinierend.
Bellis Schneewein ist ein vielschichtiger Charakter, eine Antiheldin. Sie ist unnahbar und ihren Mitmenschen gegenüber begegnet sie mit einer natürlichen Arroganz und trotz dieser Charakterzüge und gerade wegen ihrer menschlichen Schwächen, ist werte Schneewein mir so sympathisch wie es selten eine Hauptfigur ist.
Ob man nun >Perdido Street Station< oder >The Scar< bevorzugt, ist Geschmackssache, mir persönlich sagt die Handlung von >The Scar< eher zu.
Ist ja auch egal, man sollte sowieso beide Bücher gelesen haben!
Miéville hat , den Auftakt macht >Perdido Street Station<, eine derart authentische und mitreißende Parallelwelt erschaffen, wie ich es zuvor nicht erlebt habe.
Die Remade sind tragische Wesen, welche anstatt ins Gefängnis gesteckt worden zu sein, mit chirurgischen und genetischen Vorgängen entstellt worden sind.
In dieser Welt gibt es eine Art esoterische Wissenschaft, Thaumaturgie genannt.
Doch die Aufmerksamkeit des Autors liegt mehr auf den verschieden Kulturen, Subkulturen und Widerstandsgruppen, sowie deren Handlungen und Konflikte.
Die Figuren des Romans sind detailreich und faszinierend herausgearbeitet und der Leser wird von intelligenten Dialogen begleitet.
Während sich die Handlung entwickelt, entfaltet sich die ganze malerische Fülle der Welt mit ihren unterschiedlichen Milieus und Rassen; man bekommt den Eindruck, eine Welt zu betreten, die wirklich existieren muss.
Oft genug kann es nicht erwähnt werden: Die Sprache Miévilles stellt eine Wonne sondergleichen dar und fesselt durch ihre Eleganz und Anmut vom ersten Satz an mit einer einzigartigen Sogwirkung.
Gibt es auch negative Kritik? Ehrlich gesagt kann ich persönlich keine finden. Allerdings sollten Leser, die sich vorwiegend mit klischeehaften und konservativen Fantasy bzw. Science Fiction Werken auseinandersetzen und nicht gewillt sind ausgetretene Pfade zu verlassen und etwas Neues auf sich wirken zu lassen, die Finger von China Miévilles Büchern lassen.
Allen Freunden ungewöhnlicher und anspruchsvoller Literatur sei >Leviathan< ans Herz gelegt.
Mit >Der Eiserne Rat< (Diesmal ohne Aufteilung) kehrt Miéville erneut in die Welt von >The Scar< (Band eins: Die Narbe, Band zwei: Leviathan) und >Perdido Street Station< (Band eins: Die Falter, Band zwei: Die Weber) zurück.