Ist die neue August Burns Red den Vorgängern, die zweifellos zu den besten Werken gehören, die der Metalcore bisher zustande gebracht hat, ebenbürtig, oder haben August Burns Red ihren musikalischen Zenit bereits übersprungen? Zunächst einmal sei gesagt, dass ich ihr vorheriges Album "Constellations" als ihr bisher bestes Album ansehe, da sie ein wenig ihrer vertrackten und komplizierten Songstrukturen aufgegeben haben, um mehr Abwechslung, Eingängigkeit, Melodie und Experimente mit hinein zu bringen. Leveler schließt sich an diesen kreativen Schaffungsprozess nahtlos ein. Auch wenn ihre Songs noch ein klein wenig simpler (was selbstverständlich auf die Struktur der Songs zu beziehen ist und keinesfalls auf die technischen Spielweisen) und weniger hart ausfallen, so gewinnen sie an Athentizität und Eingängigkeit. Ob jedoch erneut Hymnen wie "White Washed", "Back Burner", "Composure", "Your Little Suburbia Is In Ruins" oder "Meddler" vorhanden sind, lässt sich noch herausfinden.
Ich gehe einfach mal auf die einzelnen Songs ein, obwohl man ein August Burns Red (im Folgendem "ABR") Album lieber als Gesamtbild sehen sollte:
1. Empire
Ein etwas härteres Riff eröffnet den Song, welches auch direkt nach dem Intro mit einem Breakdown unterlegt wird. Für diese Spielweise sind ABR ja bereits bekannt. Im weiteren Verlauf des Songs reihen sich aber melodischere und melancholisch angehauchte Riffs hinzu, bis hin zu einer Art Refrain, in dem ein Kinderchor singt, klingt zunächst komisch, ist aber so und reiht sich perfekt in die Atmosphäre ein.
2. Internal Cannon
Hier zeigen sie wieder die typischen Mathcore Ansätze a la "Between The Buried And Me", die ja bekanntlich als Vorbilder von ABR gelten. Hier setzten sie ein, zwei Flamenco-Parts ein, die sich sehr gut in die Grundstruktur des Songs einbinden! Solche Genreübergriffe bekommen nur wenige Bands so gekonnt hin, wie ABR!
3. Divisions
Beginnt sehr treibend und schnell, perfekte Bedingungen für einen Circle-Pit! Hier kommen auch wieder die komplizierten Songstrukturen vor, wie man sie auf "Messengers" schon hatte. Abwechslung ist auch in diesem Song groß geschrieben, denn ab ungefähr der Hälfte schlägt der Song extrem ins Melancholische um.
4. Cutting The Ties
Das Intro klingt sehr nach der schwedischen Band "Adept", wer die Band kennt, weiß was ich damit meine.^^ Hier steht die Melodie und die ruhigeren und/oder cleanen Parts sehr im Kontrast zu den Breakdowns und härterern, schnelleren Riffs.
5. Pangea
Ein typischer ABR Song, erinnert mich an das erste Album "Thrill Seeker". Etwas besonders herausragendes habe ich nicht an dem Song ausgemacht, doch er ist nach wie vor im guten Mittelmaß anzusiedeln.
6. Carpe Diem
Der Name (aus dem lateinischem, zu deutsch: nutze den Tag) ist eindeutig eine Antithese zum Song, da hier sehr melancholisch vorgegangen wird. Post-Rockcore, so könnte man das Genre nennen, in dem sich der Song bewegt, da hier gelungen Elemente aus dem Metalcore und des Post-Rock verwendet werden. Angefangen beim sehr melancholischen Intro, bis hin zu den ruhigen, vom Bass getragenen Riffs, ist der Song wohl derjenige, der am meisten vor Ideen strotzt.
7. 40 Nights
Legt direkt an Tempo zu und lässt keinerlei Verschnaufpause zu und das, ohne an Atmosphäre zu verlieren! Hier merkt man auch, wie clever man das Album durchstrukturiert hat.
8. Salt & Light
Ein etwas uneingängigeres, vertrackteres Intro, welches wieder an "Messengers" erinnert, allerdings steigert sich der Wiedererkennungswert im weiteren Verlauf gewaltig. Breakdowns gibt es auch hier reichlich und einen epischen Cleanpart, der durch Jake Luhrs's Schreien durchbrochen wird und in einem Chor endet.
9. Poor Millionaire
Könnte auch ein Stück des Albums "Messengers" sein, hier lassen sich keine Erneuerungen feststellen, wie man sie in "Constellations" oder eben in den vorherigen Songs von "Leveler" heraushört, dafür aber eine gewaltige Core Packung, mit fiesem Text und einigen Tempovariationen. Bisher der wohl härteste Song, da sich gegen Ende ein Breakdown nach dem anderen einreiht und sehr zum Moshen anregt.
10. 16.1.2011
Ein ruhiges Interlude zu
11. Boys Of Fall
Das Interlude ist das Datum, an dem 4 Schüler, die aus der Heimatstadt der Band kommen, bei einem Autounfall umkamen, was im Song "Boys Of Fall" thematisiert wird. Der Song an sich kann allerdings nicht ganz das hohe Niveau der anderen Songs halten.
12. Leveler
Der Titeltrack und typischer Rausschmeißer der Platte rundet das Ganze gelungen ab. ABR neigen ja dazu, am Ende eines Albums immer einen eher langen Song zu setzen, was mir jedoch bei den ersten beiden Alben missfallen haben, da sich das ganze in die Länge zieht, bei "Leveler" trifft das auch bedingt zu.
Fazit:
"Leveler" setzt den Weg konsequent fort, den sie auf "Constellations" eingeschlagen haben. Mehr Abwechslung, mehr Ideen und mehr Authentizität, dafür ein wenig vereinfachtere Songstrukturen und weniger Härte. Ergebnis: gut, aber leider nicht so gelungen, wie auf "Constellations". Mir fehlen einfach zwei, drei typische Hymnen, die sich klar herauskristallisieren. Man hat zwar mit "Internal Cannon", "Empire" oder "Carpe Diem" super Songs, die vor Abwechslung und Ideenreichtum nur so strotzen, allerdings sind es keine Songs die an beispielsweise "White Washed" oder "Composure" heranreichen. Nichts desto trotz habe ABR eine geniale Platte produziert, die im modernen Metalcore locker mit Genreführern wie "Deep Blue" von Parkway Drive mithalten können. Dabei stagnieren sie keinesfalls, wie etwa Unearth oder All That Remains, sondern sie sind eine Band, die Maßstäbe setzt und an denen sich andere Bands orientieren sollten, denn der Metalcore heutzutage gerät schwer in Stagnation und Wiederholung unter. Da ist es schön zu sehen, dass es Bands wie August Burns Red, Parkway Drive oder die umstrittenen Architects gibt, die Neues versuchen und nicht im ewigen Mittelmaß untergehen! Es bleibt spannend, wo sie dieser Weg hinführt und was als Nächstes kommt!
Deswegen 4 Sterne, weil "Constellations" doch dann noch eine Ecke besser war.