Ich weiß gar nicht, warum andauernd alle auf DJ Bobo rumhacken. OK, er ist nicht Mozart, und seine Gesangskünste kann man vielleicht auch in Frage stellen, aber er macht die Musik, die ihm gefällt, und er steht dazu. Und er entwickelt seine Musik weiter. Während andere Musiker sich bemühen, das Konzept ihres erfolgreichen Debutalbums möglichst oft zu kopieren und unter anderem Namen erneut zu veröffentlichen, ist „Level 6" wesentlich vielfältiger und anspruchsvoller als „Dance with me" von 1992. Bereits seit Jahren arbeitet René Baumann (so lautet DJ Bobos bürgerlicher Name) mit dem Hamburger Hitproduzenten Axel Breitung (er ist für u.a. für Rednex's „The spirit of the hawk" und viele Songs auf Vanessa Amorosi's Debutalbum „The Power" verantwortlich) zusammen. Auch auf „Level 6" hat dieses Duo immerhin 12 der 14 Lieder geschrieben. Die anderen beiden sind zugleich auch für DJ Bobo recht ungewöhnliche Songs, und wurden von Jonas Berggren (Ace of Base) geschrieben: „Best of my life" und „Last day of 1999". Ersterer erzeugt durch einen dunklen, kräftigen Bass und einer dunklen Frauenstimme, die den Refrain singt, eine düstere und eindringliche Stimmung. „Last day of 1999" dagegen ist eine perfekte Millenniumshymne mit einem schreienden René Baumann und tollem Ende. Doch auch die von Baumann/Breitung produzierten Songs sind abwechslungsreich. „Together" setzt die Tradition von „Pray" und „Where is you love" fort. „Music is my life" zeichnet sich durch eine gelungene Verknüpfung von Refrain und Rap aus. „I want you back" geht in Richtung HipHop, "Indestructible" und "Don't break my heart" sind schöne, nicht zu langsame Liebeslieder. „Come take my hand" ist ein sehr ruhiger, mit dem V.S.O.P.-Orchester aufgenommener Song, der sich in einer etwas veränderten Version auch auf dem Soundtrack zu Disney's Atlantis befindet.
Fazit: Eine derartige Vielfalt hat DJ Bobo nach „Level 6" (Original-VÖ: 04.10.1999) nicht mehr erreicht. OK, die Jubiläums-CD „Celebration" gefällt mir auch ganz gut, aber als richtiges Studioalbum geht die CD ja nicht durch... Ich hoffe, das René Baumann für das nächste Album wieder mit Jonas Berggren und anderen Komponisten und Produzenten zusammenarbeitet.