Die Idee klang sehr vielversprechend. Halb Buch, halb Film - das ist wirklich neu und macht auf "Level 26" neugierig. Die Autoren haben es geschafft, im Dickicht des Buchmarktes eine USP zu schaffen, die ihren Titel aus der Masse der Thriller heraushebt und so auch mich zum Kauf veranlasst hat.
Schade ist aber gerade deswegen, dass der Grund, das Buch zu kaufen, sich sehr bald verflüssigt. Spätestens nach der dritten "Cyberbridge" ist klar, dass der Verlag kalte Füße bekommen hat und darauf bestanden haben wird, dass man das Buch auch vollkommen ohne die Videosequenzen verstehen können muss. Das macht sie überflüssig und aus "Level 26" wird wieder ein stinknormaler Thriller. Und als solcher muss er sich m. E. deswegen auch kritisieren lassen.
Als gewöhnlicher Thriller ist "Level 26" professionell, zügig und spannend - aber liest sich eben wie "routiniert runtergeschrieben". Besonders das erste Viertel kommt immer wieder billig wie ein Groschenroman daher. Das gibt sich zwar nach ca. 100 Seiten, aber wesentliche Kriterien für eine Spitzenbewertung fehlen einfach bis zur letzten Seite.
Wer ist dieser unbeschreiblich grausame Killer? Wovon lebt er? Woher hat er seine Fähigkeiten, die es ihm ermöglichen, 30 Jahre lang unerkannt zu bleiben? Die Autoren erzählen es nicht. Die besonderen Fähigkeiten des Helden "Dark" werden zwar versprochen, kommen aber nicht zum Einsatz. So, als ob James Bond ein mit allen Spielerchen ausgestattetes Auto bekommt, dann aber nicht einen einzigen Knopf darin drückt.
Hinzu kommen Handlungsstränge, die schlicht "Bullshit" sind (ich will hier nichts verraten, aber fanatische 9-11 Verschwörungstheoretiker, die sich darin gefallen, zu behaupten, dass die Regierung der USA "alles kann und alles darf" werden auf ihre Kosten kommen.) Ich sage nur: 48 Stunden Zeit ... Müll!
Das Buch ist trotzdem schnell gelesen, durchaus spannend und ein bisschen Tiefe (aber auch nicht mehr) bekommen die Figuren dann und wann auch noch mit. Das wirkt aber dann auch wieder oft aufgesetzt, eben: routiniert runtergeschrieben.
Drei Sterne sind aber absolut verdient, das Buch unterhält und hat mich nicht verärgert zurück gelassen. Im Film hätte das besser funktioniert, aber wen das Projekt "Digi-Novel" interessiert, der muss sich den Kauf nicht verkneifen. Passt schon.