Wie sich ein Krimnialroman entwickelt ist natürlich abhängig von der gewählten Erzähltechnik des Autors, oft wird der Leser mit auf die Jagd nach einem Täter genommen, welcher bis kurz vor Ende aus dem Hintergrund heraus, nahezu unerkannt mordet, erpresst, entführt, bedroht oder sich auf sonstigen Wegen profiliert - bei dieser Technik ist es oft interessanter / spannender zu erfahren "wer" hinter den Taten steckt - rücken die eigentlichen Verbrechen schnell aus dem Mittelpunkt des Interesses ab...
Bei "Letzter Abflug Calden" zeigt sich zum einen recht schnell wer hinter der einsetzenden Mordserie steckt - selbst aus dem eigentlichen Motiv des Mörders wird kein zu großes Geheimnis gemacht - hier braucht man als Leser nicht zu jagen, hier gilt es einzig zu beobachten und abzuwarten ob und wie sich die Wege von Täter und Ermittlern kreuzen (könnten).
Es entsteht Spannung die sich nicht nur bis zur letzten Seite halten, sondern auch zunehmend aufbauen kann - man möchte einfach wissen wie sich die Handlungsstränge entwickeln - man will eigene Theorien bestätig sehen - was nicht immer gelingt, denn mit Überraschungsmomenten wird nicht gegeizt.
Als Nebenschauplatz wirft der Autor eine Serie ungeklärter Sexualstraften ein und liefert somit zugleich den klassischen Täter ohne Gesicht, dem man als Leser unbedingt auf die Spur kommen möchte - die hier gewählte Auflösung ist clever und im wahrsten Sinne des Wortes "gerecht", hält jedoch zugleich Stoff für weitere Romane um Hauptkommisarin Wolf bereit - Kompliment an den Autor - geschickt gelöst!
Mit Hanna Wolf hat der Autor eine interessante Hauptkommissarin "geboren", welche sich zu behaupten hat im Leben - nicht nur beruflich gegenüber Vorgesetzten und Kollegen, sondern auch privat - Hanna ist alleinerziehende Mutter - ihre Tochter Nina beginnt auf eigenen Beinen zu stehen, Nina hat ein Jurastudium begonnen und entdeckt dass man sich im Leben ruhig einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus leisten kann - so z.B. als Umweltaktivistin....
Obwohl der Krimi in Kassel und Umgebung spielt - als ortsunkundiger fühlte ich mich keinen Moment lang ausgegrenzt!
Lesezeit: Habe 5 Stunden gebraucht