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Letzte Tänze. Gedichte und Bilder
 
 
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Letzte Tänze. Gedichte und Bilder [Gebundene Ausgabe]

Günter Grass
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 94 Seiten
  • Verlag: Steidl; Auflage: 1. (August 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3882438827
  • ISBN-13: 978-3882438826
  • Größe und/oder Gewicht: 31,6 x 24,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 766.968 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Günter Grass
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn Günter Grass ein Buch beendet hat, erholt er sich beim Bildhauern oder Töpfern von den Strapazen. So war es auch nach Vollendung seiner hoch gelobten Novelle Im Krebsgang. "Als ich des Schiffes Untergang/und den nachhallenden Schrei/zum Buch verkürzt hatte", heißt es dementsprechend im Gedicht "Gottähnlich" aus Letzte Tänze, "wollte ich etwas Heiteres/zum Gegenstand meiner Laune machen/und begann aus Töpferton/Figuren -- Mann und Frau in Bewegung -- /als Hohlkörper zu formen". Dass es Grass nicht lange ohne Schreibtisch aushielt, davon erzählt dieser Band.

Letzte Tänze versammelt 36 manchmal virtuose Gedichte des Literatur-Nobelpreisträgers, die in expressiver Manier teils mehrere Seiten umfassen ("Des Wiederholungstäters halbherzige Beichte"), zum Teil aber auch, fast schon im meditativen Stil von William Carlos Williams, winzige Alltagsdetails mit oft sexuellem Anklang in prägnanter Kürze zur Metapher verdichten: "Als wir uns lösten/und Fäden zogen,/kam Hunger auf,/doch greifbar waren/nur Möhren: knackig,/weil roh." Das ist nicht immer ganz geglückt ("und die Jungfrau -- jadoch, Maria! -- /erkannte mich: beinebreit"), in den gelungensten Momenten aber lyrisch schön.

Garniert ist das Buch mit Zeichnungen von drehenden und kopulierenden Paaren, die sich in einer Art Totentanz im Reigen drehen, wie Vampire durch die Seiten wandern oder hilflos kopfunter Purzelbäume schlagen und dennoch viel von jener tragikomischen Heiterkeit transportieren, von der das Gedicht "Gottähnlich" sprach. --Thomas Köster

Neue Zürcher Zeitung

Eros und Thanatos Günter Grass zeichnet und dichtet «letzte Tänze»

Manches möchte einem entbehrlich scheinen: von den Zeichnungen sowohl wie von den Gedichten. Dieses freilich nicht: «Kara» heisst das Gedicht, und so hebt es an: «Unser Hündchen ist tot»; und so hört es auf: «Leer ist der Korb, / doch immer noch schau ich mich um, / wenn ich – unschlüssig wohin – vors Haus trete.» Die in ihrer Schlichtheit ergreifenden Verse passen nicht so recht zwischen die Gedichte und Zeichnungen, die Günter Grass unter dem Titel «Letzte Tänze» zu einem opulent ausgestatteten Band versammelt hat. «Als ich des Schiffes Untergang» – gemeint ist die «Gustloff» – «und den nachhallenden Schrei / zum Buch» – die Rede ist von «Krebsgang» – «verkürzt hatte» – verkürzt!, in der Tat – «wollte ich etwas Heiteres / zum Gegenstand meiner Laune machen». Mit diesen Versen – gleichsam als Prolog – eröffnet Grass den Band. Er habe also aus Töpferton – «gottähnlich» – tanzende Paare zu formen und danach zu zeichnen und zu dichten begonnen. In den Gedichten erinnert er sich an frühe Tänze, an das Unbeschwerte junger Jahre, an den erwachenden Eros. Doch unvermittelt kippt das Bild und wechselt der Tonfall: An die Stelle der tanzenden treten wild kopulierende Paare; und statt der zunächst länglichen und braven Gedichte kommen nun erotisch derbe Verse. Sie singen das Hohelied der Liebe und der Körpersäfte; sie handeln vom Eros, aber streichen doch hauptsächlich die Insignien stolzer Männlichkeit – «was Wunder! / er steht» – heraus, trotzig und treuherzig penetrant, denn sie wissen: Was heute noch steht, kann morgen vielleicht schon im Grabe liegen. Von Liebe und Tod also erzählen die Gedichte und Zeichnungen in einem. Und so findet man zuletzt, dass das tote Hündchen dann doch ganz gut zu den übrigen Gedichten sich fügen könnte. Wäre dieses eine nur nicht so gut geschrieben, und wären von den anderen nur nicht so viele dann doch so sehr entbehrlich. Roman Bucheli


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wirklich schöne Tänze 7. September 2003
Format:Gebundene Ausgabe
"Letzte Tänze", das jüngste Werk von Günter Grass, umfasst fast 40 Gedichte und Zeichnungen. Grass nimmt in "Letzte Tänze" die Spur des Werkes auf, das 1956 mit dem Gedichtband "Die Vorzüge der Windhühner" begann. Fast 50 Jahre später spannt Grass in "Letzte Tänze" einen Bogen durch die Vielfalt seines Oeuvres.
"Letzte Tänze" sind voll von Bezügen und Verweisen. Der Tanz als Motiv taucht schon in der Danziger Trilogie auf. Auch Tiere fehlen bei diesen Tänzen nicht, hier sind Hund und Schwan - wie schon in den "Hundejahren" - dabei. Animalisch geht es weiter, mit einem Block erotischer Gedichte. Auch der katholische Säulenheilige, der Ursprung des Blechtrommlers Oscar, taucht auf. Und natürlich geht Grass wieder "in die Pilze". Programmatisch und an zentraler Stelle verweist Grass auf das Motiv des Schnees, welches im Gedicht auch auf die Vergänglichkeit politischer Programme verweist: Utopische Heilsversprechen (Hegel, Marx, das Katholische) waren zurecht schon immer suspekt. Dafür rekurriert Grass abermals auf den Sisyphus des Camus als einzig mögliche Haltung, in dieser Welt sinnvoll tätig zu sein.
Diese Gedichte tanzen virtuos zwischen Dreizeiler und strenger Form. Ganz im Gegenständlichen verhaftet, fehlt niemals der doppelte Boden.
Es gibt zwei sinnvolle Möglichkeiten, sich einen Autor zu erschließen: Entweder man beginnt mit dem Debut des Autors und liest sich suksessive in die Gegenwart vor, oder aber man befasst sich mit dem aktuellsten Werk des Autors und erschließt zurückliegende Werke durch die Vielfalt der schließlich verwendeten Motive.
Zuletzt: Wann darf ein Buch "schön" genannt werden? Wenn es dem Leser abseits literarischer Kriterien ganz persönlich und subjektiv gefallen hat. "Letzte Tänze" ist wirklich ein schönes Buch.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Vorweg: Ich finde das "Matthias Pflugradt" hier schon eine sehr gute Rezension verfasst und möchte ihr vor allem in zwei Punkten zustimmen/unterstützen: In der Bedeutung von Grass als Lyriker und in der Einschätzung, dass Grass mit seinen immer wieder neuen Arbeiten und Erschütterungen einen wichtigen Beitrag zur Literaturlandschaft leistet; partiell will ich ihm auch in der Definition von Grass Lyrik zustimmen (deftig, obszön), allerdings trifft das nicht so sehr auf diesen Band zu, eher auf frühere wie Gleisdreieck oder Ach Butt, dein Märchen geht böse aus.

"Der Herr knickt die Dame,
nein, biegt sie, so beugsam die Dame,
der Herr gibt sich steif.

Zwei Körper, die eins sind, doch nichts
von sich wissen, geschieden in Treue,
in Treue vereint.

Die Hand in der Beuge, gedehnt tropft die Zeit,
bis plötzlich die Uhr schlägt:
fünf eilige Schritte.
[...]
Das ist der Tango, die Diagonale.
Aus Fallsucht zum Stillstand.
Ich höre dein Herz."

Ich denke dieser Teil aus Tango Nocturne ist gut dazu ein Bild von den Feinheiten der grassschen Lyrik zu geben. Sie liebt das Bildhafte, scheut aber stets das Offensichtliche; sie hemmt das Begreifen ab und gibt doch jede Zeile mehr davon.

"Erklären lässt sich vieles, doch das Ohr will Fakten,
der Priester nuschelt was von nackten
und solchen, die sich modisch kostümieren,
will hören, ob mit Menschen, ob mit Tieren,
was sonst noch ruchbar ist in staubergrauten Akten."

Klar, Grass wäre nicht Grass wenn er nicht immer wieder provozieren und anecken würde

"Altes Europa! Nach so viel Walzer- und Waffenexport,
schaust du tränenblind zu."

und er wäre auch kein großer Lyriker und Erzähler, wenn er nicht seinen ganz eigenen Ton hervorgebracht hätte. Seine lyrischen Werk sind sehr eigenwillig und dabei sehr vielfältig, von den genialkurzen Gedichten (das Gro der guten Gedichte von Grass sind nicht sehr lang) in Fundsachen für Nichtleser, über die bestechende Sammlung Ausgefragt, bis hin zu Anfang, dem Debüt, mit dem man vielleicht beginnen sollte, um Grass Metaphorik und Lyrik zu erreichen: Die Vorzüge der Windhühner. Keine dieser Sammlungen ist veraltet, was für lyrische Werke aus dieser deutschen Periode schon eine Seltenheit ist.

Letzte Tänze ist ein rein künstlerisches Produkt, eine Symbiose aus Zeichnung und Vers, ein wunderbares Buch und Werk, um es immer wieder hervor zu nehmen und die unterschiedlichsten Texte darin zu lesen. Würde man dieses Buch in hundert Jahren in einem Antiquariat finden, ich wette man wäre als Leser und Betrachter gleichermaßen angetan. Warum aber so lange warten?
War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wirklich die letzen..... 16. Oktober 2007
Format:Taschenbuch
Bodennähe vermittelt dieser in einfachem prohletigen Deutschvokabeln lieblos wirkende Band der wohl als Altersreminniszent verfasst wurde. In griffigen Worten und kurzen Gedichten lässt sich Grass über schwindende Potenz, die Erotik des Alters und die sexuelle Anziehungskraft der Frauen aus. Auf jeder gegenüberliegenden Seite sind Kohlezeichnungen eingefügt. Diese reissen das Buch wieder ein Stück aus der Deppression die eindeutig von links weht heraus und machen es btrachtungswürdig. Der Inhalt der Gedichte erinnert stark an die alten Songs von Grass Freund Biermann,überhaupt wirkt das ganze zusammen genommen textlich betrachtet eher wie ein von der Bühne des Bierkellers gehaltenes Referat.
Geschmackssache.
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