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Produktinformation
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Letzte Tänze versammelt 36 manchmal virtuose Gedichte des Literatur-Nobelpreisträgers, die in expressiver Manier teils mehrere Seiten umfassen ("Des Wiederholungstäters halbherzige Beichte"), zum Teil aber auch, fast schon im meditativen Stil von William Carlos Williams, winzige Alltagsdetails mit oft sexuellem Anklang in prägnanter Kürze zur Metapher verdichten: "Als wir uns lösten/und Fäden zogen,/kam Hunger auf,/doch greifbar waren/nur Möhren: knackig,/weil roh." Das ist nicht immer ganz geglückt ("und die Jungfrau -- jadoch, Maria! -- /erkannte mich: beinebreit"), in den gelungensten Momenten aber lyrisch schön.
Garniert ist das Buch mit Zeichnungen von drehenden und kopulierenden Paaren, die sich in einer Art Totentanz im Reigen drehen, wie Vampire durch die Seiten wandern oder hilflos kopfunter Purzelbäume schlagen und dennoch viel von jener tragikomischen Heiterkeit transportieren, von der das Gedicht "Gottähnlich" sprach. --Thomas Köster
Manches möchte einem entbehrlich scheinen: von den Zeichnungen sowohl wie von den Gedichten. Dieses freilich nicht: «Kara» heisst das Gedicht, und so hebt es an: «Unser Hündchen ist tot»; und so hört es auf: «Leer ist der Korb, / doch immer noch schau ich mich um, / wenn ich unschlüssig wohin vors Haus trete.» Die in ihrer Schlichtheit ergreifenden Verse passen nicht so recht zwischen die Gedichte und Zeichnungen, die Günter Grass unter dem Titel «Letzte Tänze» zu einem opulent ausgestatteten Band versammelt hat. «Als ich des Schiffes Untergang» gemeint ist die «Gustloff» «und den nachhallenden Schrei / zum Buch» die Rede ist von «Krebsgang» «verkürzt hatte» verkürzt!, in der Tat «wollte ich etwas Heiteres / zum Gegenstand meiner Laune machen». Mit diesen Versen gleichsam als Prolog eröffnet Grass den Band. Er habe also aus Töpferton «gottähnlich» tanzende Paare zu formen und danach zu zeichnen und zu dichten begonnen. In den Gedichten erinnert er sich an frühe Tänze, an das Unbeschwerte junger Jahre, an den erwachenden Eros. Doch unvermittelt kippt das Bild und wechselt der Tonfall: An die Stelle der tanzenden treten wild kopulierende Paare; und statt der zunächst länglichen und braven Gedichte kommen nun erotisch derbe Verse. Sie singen das Hohelied der Liebe und der Körpersäfte; sie handeln vom Eros, aber streichen doch hauptsächlich die Insignien stolzer Männlichkeit «was Wunder! / er steht» heraus, trotzig und treuherzig penetrant, denn sie wissen: Was heute noch steht, kann morgen vielleicht schon im Grabe liegen. Von Liebe und Tod also erzählen die Gedichte und Zeichnungen in einem. Und so findet man zuletzt, dass das tote Hündchen dann doch ganz gut zu den übrigen Gedichten sich fügen könnte. Wäre dieses eine nur nicht so gut geschrieben, und wären von den anderen nur nicht so viele dann doch so sehr entbehrlich. Roman Bucheli
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