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Letzte Reise: Roman [Taschenbuch]

Anna Enquist , Hanni Ehlers
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Ein bewegendes Porträt einer Frau und ihrer Zeit!“ (Freundin)

Klappentext

"Ein Frauenroman allererster Sahne, großartig geschrieben."
BuchMarkt

"Ein bewegendes Porträt einer Frau und ihrer Zeit!"
Freundin

"Ein großer und vielschichtiger historischer Roman, der auch eine Menge über den Forscher James Cook erzählt, über Trauer, Hoffnung und enttäuschte Erwartungen - und über die Schwierigkeit, dem anderen sein Innerstes zu offenbaren."
Brigitte

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Anna Enquist wurde 1945 in Amsterdam geboren, ist ausgebildete Konzertpianistin und arbeitete lange Jahre als Psychoanalytikerin. Seit 1991 veröffentlicht sie Gedichte, Romane und Erzählungen. Ihre Werke wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet und in fünfzehn Sprachen übersetzt. Anna Enquist lebt in Amsterdam.

Hanni Ehlers, geb. 1954 in Ostholstein, studierte Niederländisch, Englisch und Spanisch am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg und ist die Übersetzerin von u.a. Joke van Leeuwen, Connie Palmen und Leon de Winter.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Erster Teil

Er erwartet einen leeren Tisch, wenn er zurückkommt, dachte sie. Er wird Koffer und Taschen voll Journale, Skizzen und Karten ins Haus tragen. Die müssen flach liegen, auf einem sauberen Tisch, gewachst und gewienert, daß er blinkt wie ein Teich. Ein Tisch, der dazu einlädt, Mappen darauf zu legen und Bücher und Papiere in vollkommenen Stapeln zu ordnen. Kein Müllabladeplatz. Das Gartenzimmer, in dem der Tisch steht, das fast ganz von dem Tisch ausgefüllt wird -nein, es ist Platz genug, es ist eher so, daß der Tisch Mittelpunkt dieses Zimmers ist, an ihm führt kein Weg vorbei, das Zimmer scheint um ihn herumgebaut zu sein, ein Tabernakel für einen hölzernen Altar -, muß saubergemacht und vielleicht geweißt werden.
Elizabeth schritt langsam am Tisch entlang zum Erker und schaute durch die kleinen Scheibenquadrate in den Garten hinaus. Durch die Unebenheiten im Glas sah es aus, als schwebten die Blumen über dem Gras; je nachdem, wie sie Kopf und Hals bewegte, stülpten sich die blaßblauen Irisblüten zu monströsen Gebilden aus, und die Gartenbank schoß auf und ab. Elizabeth stieß die Fenster auf; die weiß gestrichenen Leisten, in denen die Scheiben gefangen waren, sahen schmutzig aus. Mit dem Zeigefinger wischte sie eine tote Fliege weg.
Frühlingsluft kam herein. Elizabeth stemmte die Hände in die Seite und schnupperte. Weißdorn, Levkojen, die fad-süßlichen Ausdünstungen von der Ginfabrik um die Ecke. Bald würde die Linde über der Gartenbank zu blühen beginnen
und Honig auf Möbel und Grasdecke tropfen. Dichte Wolken emsig summender Insekten würden sich um die hellgrünen Blüten drängen. Demnächst.
Sie wandte sich zu dem dunklen Zimmer um. Wie eine Bergkette ragte das Durcheinander auf dem Tisch vor ihr auf. Er kommt zurück, dachte sie, in einem Monat, im Sommer, vielleicht erst im Herbst, aber er kommt. Irgendwo auf der Welt ist er in dieser beengten hölzernen Hulk unterwegs, die er so stolz sein Schiff nennt. Die Entdeckungen sind gemacht, die Küsten kartiert, die fremden Völker beschrieben, und die Rückfahrt ist angetreten. Länger als drei Jahre kann so eine Reise nicht dauern. Höchste Zeit also, mit der Räumung des Tisches zu beginnen. Das wird sein, als trüge ich einen Schutthaufen ab, auf den jemand jahrelang sein Gerümpel geworfen hat. Eine archäologische Unternehmung, die ich als Herausforderung betrachten könnte.
Die Zugluft blies kühl in ihren Rücken, die schwere Stubentür setzte sich in Bewegung und fiel mit einem Knall ins Schloß.

Mit den Armen über den Tisch fegen und alles hinunterbefördern. Klar Schiff machen mit dem Bodensatz dieser einsamen Jahre. Weg mit den Kinderzeichnungen, den Rechnungen, der vergessenen Flickwäsche, den ungelesenen Büchern und vergilbten Zeitungen. Alles im Garten auf einen Haufen werfen und dann, bei windstillem Wetter, in Brand setzen. Sie würde mit einem Stock die auf Abwege geratenen Papiere ins Feuer zurückschieben, die Jungen würden mit Blasebälgen und Besenstielen helfen, und alles, alles würde ungesehen in dichtem Rauch aufgehen und über die Dächer hinweg zum Fluß hin wehen.
Doch es mußte alles gesichtet werden. Man konnte erst etwas wegwerfen, wenn man wußte, was es war. Jeder Schnipsel Papier würde durch ihre Hände gehen müssen. Sie zog die Schürzenbänder fester zu und trat an den Tisch.
Die Hand ausstrecken, um einen Brief aufzunehmen, und dann rasch zurückziehen. Um den Tisch herumgehen und die Gegenstände von allen Seiten betrachten und taxieren. Ein Ordnungssystem entwerfen: Einen Korb hinstellen für alles, was weg kann, eine Mappe für Geschäftsbriefe, die aufbewahrt werden müssen, ein Stapel für Zeichnungen von den Kindern, für persönliche Briefe, ein Berg mit Büchern, die man zur Hand haben will, und einer mit solchen, die besser verborgen auf den richtigen Moment warten können. Platz schaffen auf dem breiten Dielenboden, damit man die Stapel in gehörigem Abstand voneinander hinlegen kann. Sie wußte, wie sie es anfangen würde, doch sie zögerte und zauderte immer noch.

Zehn Uhr war es, ein Vormittag Anfang April, die Jungen waren in der Schule, und Besuch erwartete sie nicht. Es war Zeit vorhanden, die sie nicht nutzte. Worauf wartete sie? Nicht auf Hilfe, sie erledigte diese Aufgabe am liebsten allein. Sie setzte sich nicht auf das schmale Bänkchen am Fenster, sondern ging weiter umher, als suchte sie etwas.
Sie war müde. Alles in ihrem vierunddreißigjährigen Körper wollte nach unten, auf den Boden, und dort liegenbleiben. Lieber noch draußen, im Gras unter der Linde. Die Müdigkeit war nicht zu erklären, denn sie hatte in dieser Woche gut geschlafen, sie aß genug und hatte keine besonderen Anstrengungen hinter sich. Dennoch fühlte sich ihr Rücken an, als hätte sie ein Joch mit schweren Milcheimern zu tragen.
Zwischen den Briefen und Zeitungen pflückte sie die Dinge heraus, die auf keinen Fall dorthin gehörten: eine Haube mit Bändern, ein Taschentuch, eine vertrocknete Orange. Die Kerne klapperten gegen die lederartige Schale, als sie die Frucht auf den Boden warf. Bücken. In den Korb. In einer Bewegung aus der gebückten Haltung hochkommen und gleich in die Papiere greifen. Gut so.
Ein Brief von Stephens über Geld: Gemäß dem Wunsch Eures Gemahls hat die Admiralität beschlossen, Euch für die Dauer der Reise eine Summe von zweihundert Pfund jährlich auszubezahlen. Aufbewahren. James würde ihn lesen wollen. Es war sein Geld, verdient damit, daß er in der Welt herumsegelte. Völlig unbegründet, deswegen dieses ärgerliche Gefühl zu entwickeln, man sei zu Dank verpflichtet. Das war keine Mildtätigkeit, das war kein Trinkgeld. Der Betrag, und mehr als das, stand ihr rechtmäßig zu. In Gedanken sah sie die Herren von der Admiralität auf einer Sitzung versammelt, aufgeregt über James' Unternehmung, voller Stolz, Vaterlandsliebe und Dünkel. »Ach, seine Frau muß ja auch leben. Hübsches Sümmchen, sorgst du dafür, daß sie es bekommt?«
Sie zuckte die Achseln. Der nächste Brief, in der Handschrift Hugh Pallisers, betraf die Jungen. Ich vernahm, liebe Elizabeth, daß Euer Ältester, der wackere James junior, nach dem Sommer seinen Antritt an der Seefahrtsschule zu Portsmouth nehmen wird. Er wird es gewiß kaum erwarten können, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. In dessen Kielwasser, sollte ich vielleicht sagen! Es ist freilich schön für Dich, daß Du den kleinen Nathaniel noch ein Jahr zu Hause behalten kannst, sonst wärst Du wohl doch sehr einsam. Wir hoffen natürlich, daß James dieses Jahr wohlbehalten zurückkehrt, aber die Unwägbarkeiten bei derlei Expeditionen sind Dir bekannt. Du weißt auch, daß ich für Dich da bin, wann immer Du mich brauchen solltest.
Palliser, der Schatzmeister der Marine, der James unterstützt und empfohlen und das Augenmerk der Herren mit Gewalt auf ihn gelenkt hatte. Sie lächelte und legte den Brief zu ihren eigenen Papieren. Sie würde ihn auf eine Tasse Tee im Garten einladen, damit er mit Jamie und Nat sprechen konnte.
Sie suchte Rechnungen zusammen und warf Zeitungsausschnitte weg. Das Fundament des Stapels, den sie abtrug, kam zutage: drei dicke, dunkle Bücher über Entdeckungsreisen in der Südsee. Der Name des Autors war mit goldenen Lettern in das Leder geprägt: John Hawkesworth. Sie hob die Bände hoch und klopfte vorsichtig den Staub herunter.
James würde wütend sein. Hawkesworth hatte sich seine Journale angeeignet und die Reise beschrieben, als hätte er selbst sie gemacht. Sie hatte den Text mit den urschriftlichen Logbüchern verglichen und sich über die Übertreibungen und Fehler, über den Verfasser, aber auch über ihren Mann geärgert. Was für eine Dummheit, seine Geschichte so naiv aus der Hand zu geben. Schön und gut, James haßte die Welt der eingebildeten Kunst- und Literaturliebhaber mit bäurischer Bitterkeit, aber er schnitt sich ins eigene Fleisch, wenn er seine Schriften ablieferte und es ablehnte, sich um deren Redaktion zu kümmern. Er sagte, er schäme...
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