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Spieldauer: ca. 166 Minuten, 2 CDs, ungekürzte Lesung -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Man fragt sich, ist das nicht eigentlich total unglaubwürdig? Wenn ich vor habe Sex zu haben, dann gehe ich doch vorher noch einmal nach oben und versichere mich ob die Person wirklich tot ist. Aber genau das ist typisch für Salter, er erzählt nicht durchgehend, er lässt ausreichend Platz. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Walter nicht zwischendurch einmal oben war und nachgeschaut hat.
Eine andere Geschichte: „Mädchenabend"; eine Gruppe von jungen Frauen sitzt zusammen, redet über unwichtige, belanglose Dinge. Zunächst hat man gar keine Vorstellung, wo die Geschichte schließlich hingehen soll. Plötzlich erhebt sich eine der Frauen, tritt den Heimweg an. Sie setzt sich in ein Taxi, fängt bitterlich zu weinen an. Und als der Fahrer sich nach dem Grund erkundigt, da sagt sie:" Ich habe Krebs". Und plötzlich wird alles, was wir vorher gelesen haben, in seiner grenzenlosen Oberflächlichkeit zu einer Demonstration dessen, was dem Menschen in Wirklichkeit noch zu tun bleibt, bevor er stirbt, nämlich sich in eine einfallslose Unterhaltung zu begeben. Eine tief erschütternde Geschichte.
Vielleicht empfindet der eine oder andere Leser diese Geschichten auch als eine Art Milieustudie, wobei es sicher nicht einfach ist heraus zu finden, wo der Autor steht. Dabei ist es sicher eine seiner ganz großen Stärken, dass er überhaupt nicht moralisiert.
Wieder andere Leser empfinden die ganzen Erzählungen Pointen orientiert, will meinen, man liest auf die Pointe zu, ist glücklich sie gefunden zu haben, und dann beginnt schon die nächste Geschichte. Salter ein Schriftsteller, der die größten Qualitäten, mit dem langen epischen Atem schon in anderen Werken bewiesen hat, setzt sich hin und schreibt hier nun zehn äußerst kurze Erzählungen, wobei er Anfang und Ende mit einer interessanten Schnitttechnik wegschneidet, und dabei kann er sich trotzdem darauf verlassen, dass der Leser sich mittragen lässt. Er macht Blenden, gleitende Übergänge. Man hat immer das Gefühl, ein narativer Bogen, soll nicht unterbrochen werden.
Abschließend möchte ich sagen, ich finde dass es ein sehr melancholisches Buch ist, obwohl es ja auch durchaus diese lustigen und überdrehten Aspekte hat. Und es macht etwas, dass als „Hohe Kunst des Schreibens" bezeichnet wird, es sagt viel zwischen den Zeilen aus. Da ist bei Salter manchmal ein Satz so weit vom anderen entfernt, dass sich wahre Abgründe dazwischen auftun. Er famuliert oder reflektiert nicht endlos, er zieht letztendlich einen Schlussstrich, der alles stehen lässt, wie es steht.
Was in diesen kurzen, fragmentarischen Geschichten, von Kommunikation, Tod und Beziehung steckt, dazu benötigen die meisten anderen Schriftsteller sehr lange Romane.
Ich kann dieses Buch mit Nachdruck empfehlen, auch deshalb weil die Geschichten psychologisch von einer gewissen Raffinesse sind.
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