Eine Frau, die abtreiben lassen will, wird im Krankenhaus angerempelt und verklagt die Klinik wegen Schädigung des Fötus, ein Mann, der bei der Reperatur von seinem eigenen Wagen überrollt wird, verklagt sich selbst, um seine Haftpflichtversicherung abzukassieren. Das sind nur zwei der aberwitzigen Fälle, die in diesem Buch verhandelt werden. Alle beschäftigen sich damit, möglichst viele Prozesse am laufen zu halten und keiner ist dem Streß gewachsen. William Gaddis schildert eine Welt kurz vor dem Kollaps. Zu Beginn muß man sich sehr an seine Schreibweise gewöhnen, die ohne jedes Satzzeichen zwischen Erzählung und wörtlicher Rede wechselt, es gibt keinen zusammenhängenden Gedanken, der länger als zwei Zeilen durchgehalten wird, immer kommt etwas dazwischen. Wer sich darauf einläßt, dem erscheint diese Schreibweise allerdings bald als die einzige der modernen Welt angemessene. Gaddis bietet zwei Auswege aus diesem weißen Rauschen der Semantik. Jeweils etwa 100 Seiten nehmen in gründlichstem Juristendeutsch verfaßte Urteilsbegründungen (Großes Lob und Mitleid an den Übersetzer!) sowie ein Theaterstück der Hauptfigur ein. Dieses hat nämlich Ähnlichkeiten mit einem Hollywood-Film, weshalb die Produktionsfirma verklagt werden soll. Die eigentliche Hauptfigur dieses Buches, das so scheinbar subjekt- und heldenlos dahinfließt, ist die Sprache: Welche Sprache - das alles aufzeichnende Geschwätz, die juristische Präzision oder das künstlerische Pathos - vermag uns vor dem Wahnsinn einer sinnentleerten Welt zu bewahren? Gegen Ende des Buches werden die Töne leiser, es wird Winter, die Naturbeschreibungen nehmen zu und das Getöse des ersten Teils erscheint als Nachhall einer bereits vergangenen Menschheit. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)