Volker Harry Altwasser erzählt in seinem Roman 'Letzte Fischer' die Geschichte der letzten Abenteurer, der letzten Hochseefahrer unserer Zeit. In einer groß angelegten, vorbildlich recherchierten Milieubeschreibung führt er uns in eine archaische Welt, in die Welt der Walfänger. Die Seemänner 'von altem Schrot und Korn', ihre Sprache, ihre Rituale wirken wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit; sie ziehen an und stoßen ab; sie faszinieren und schockieren den Leser. Es ist eine fremde Kultur, die uns in diesem Roman begegnet, aber eine Kultur, deren Charme man sich zugleich nicht entziehen kann.
Und doch deutet sich schon früh an, dass es eine überkommene Welt ist, eine, die dem Untergang geweiht ist. Es sind große, mythische Bilder, in denen Altwasser sie entwirft: die See; die Kameradschaft der Seemänner; der Kampf gegen Wind und Wetter; das Schiff als letzte Insel der Männlichkeit, als ein Ort, an dem die Zeit stehengeblieben scheint.
Aber es ist nicht nur die Atmosphäre an Bord, die Altwasser mit einer Präzision schildert, die es selbst jeder Landratte ermöglicht, schon nach wenigen Seiten in diesen Kosmos einzutauchen. Über dem Plot und der Entwicklung der verschiedenen Figuren, aus deren Perspektive das Geschehen geschildert wird, verliert Altwasser die großen Zusammenhänge nicht aus den Augen. Dieses Buch ist nicht bloß eine mitreißende Geschichte über Walfänger auf hoher See, es ist darüber hinaus eine brandaktuelle Studie über die Folgen der Globalisierung, den Verfall des klassischen Fischfangs und den Aufstieg der Hochseepiraterie, eine Studie, die durch ihren dokumentarischen Wert besticht.
Vor allem ist es Altwasser mit 'Letzte Fischer' gelungen, ein Epos zu schaffen, eine große Erzählung über das Meer im Stile 'Moby Dicks', einen Abgesang auf die Welt der letzten Fischer, eine Hymne auf die Hochseeschifffahrt und ihren Untergang, einen anrührenden Bericht über das Leben und Sterben der letzten Seemänner.
Auch Ausstattung und Gestaltung des Buches (Umschlag, Lesebändchen) erfreuen das Auge des Lesers. Wenn man den Umschlag abnimmt, erwartet einen beim Einband übrigens eine kleine Überraschung ;-)
"Letzte Fischer" wurde für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert.