Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Trend der letzten Jahre war unzweifelhaft die Neue Deutsche Härte -- eine Bewegung, die mit ihrem zweifelhaften Image die Frage aufgeworfen hat, ob es sich beim Kokettieren mit nationalsozialistischer Ästhetik nur um eine Provokation handelt oder ob eine ernst zu nehmende politische Motivation dahinter steckt.
Diese Thematik steht im Mittelpunkt von Letzte Ausfahrt: Germania und wird sehr kompetent und vielschichtig angegangen. So verweist Wolf-Rüdiger Mühlmann auf die Anfänge, die in der neuen slowenischen Kunst mit Bands wie Laibach liegen, dokumentiert und diskutiert das Phänomen Rammstein in aller Ausführlichkeit inkl. des Riefenstahl-Videos und bringt Licht ins Dunkel um das Weissglut-Theater. Einerseits wird der wegen seines zweifelhaften Rufs geschasste Sänger Josef Maria Klumb portraitiert und interviewt, andererseits werden die äußerst diskussionswürdigen Methoden der Antifa und die Hetzjagd des selbst ernannten Sozialwissenschaftlers Alfred Schober, der sich nicht zu diesem Thema äußern wollte, aufgezeigt. Zudem werden zahlreiche Musiker und Journalisten mit ihren teils konträren Meinungen zitiert.
Dieses Bemühen um Ausgewogenheit gestattet es dem Leser, sich selbst eine Meinung zu bilden, obwohl der Autor durchaus Position bezieht. Neben diesem hoch interessanten Diskurs, der auch für Insider noch neue Information bereit hält, werden zudem alle Bands vorgestellt, die der Neuen Deutschen Härte zuzurechnen sind. So gibt es u.a. ausführliche Porträts von Oomph!, Joachim Witt, Richthofen, Totenmond, Drecksau, Die Allergie, Schwanensee, Fleischmann, Kind Tot, Rinderwahnsinn, Atrocity und Das Ich, ein streitbares, teils überzogenes Anprangern von (vermeintlichen) Nachahmern sowie einen Ausblick auf neue Hoffnungsträger.
Jedes der 23 Kapitel steht dabei für sich, was ein selektives Lesen zwar erleichtert, aber auch für unnötige Wiederholungen sorgt. Das kann den äußerst positiven Eindruck jedoch nur unwesentlich schmälern. Wer beim Thema Neue Deutsche Härte mitreden will, muss dieses Buch gelesen haben! --Marcus Schleutermann
Kurzbeschreibung
Harte, deutschsprachige Musik ist populärer denn je. Die Berliner Band RAMMSTEIN knackt weltweit die Verkaufscharts und ist Deutschlands wichtigster Exportschlager in Amerika in Sachen Rockmusik. JOACHIM WITT erlebt mit düsteren Gitarrensounds einen zweiten Frühling und Bands wie WEISSGLUT, RICHTHOFEN, OOMPH! oder TOTENMOND sind aus den deutschen Musikmedien nicht mehr wegzudenken. Der Begriff der 'Neuen Deutschen Härte' (NDH) hat sich als geläufige Beschreibung dieses Phänomens durchgesetzt - und wird mit zahlreichen Vorurteilen belegt. Denn Neue Deutsche Härte ist nicht nur Musik, sondern auch politische und gesellschaftliche Provokation, Koketterie mit totalitärer Ästhetik und Männlichkeitswahn. Und so wird die NDH in vielen gesellschaftlichen Bereichen und in der gesamten Presselandschaft derart vehement diskutiert, daß von einem kalten, nationalen Krieg auf kultureller Ebene gesprochen werden kann. Von 1990 bis 1996 arbeitete Wolf-Rüdiger Mühlmann als Redakteur bei diversen Tageszeitungen, mit den Schwerpunkten Politik und Umwelt. 1993 wurde ihm für eine Reportage der 'Theodor-Wolff-Preis' zuerkannt. Anfang 1997 wechselte Mühlmann vom Redaktionsalltag in die Musikbranche und ist seitdem in Hamburg als freischaffender Promoter tätig. Seit 1995 arbeitet er zudem als freier Autor für das Rock Hard, Deutschlands populärstem Magazin für harte Rockmusik.
Umschlagtext
Harte, deutschsprachige Musik ist populärer denn je. Die Berliner Band Rammstein knackt weltweit die Verkaufscharts und ist Deutschlands wichtigster Exportschlager in Amerika in Sachen Rockmusik. Joachim Witt erlebt mit düsteren Gitarrensounds einen zweiten Frühling und Bands wie Weissglut, Richthofen, Oomph! oder Totenmond sind aus den deutschen Musikmedien nicht mehr wegzudenken. Der Begriff der "Neuen Deutschen Härte" (NDH) hat sich als geläufige Beschreibung dieses Phänomens durchgesetzt - und wird mit zahlreichen Vorurteilen belegt. Denn Neue Deutsche Härte ist nicht nur Musik, sondern auch politische und gesellschaftliche Provokation, Koketterie mit totalitärer sthetik und Männlichkeitswahn. Und so wird die NDH in vielen gesellschaftlichen Bereichen und in der gesamten Presselandschaft derart vehement diskutiert, daß von einem kalten, nationalen Krieg auf kultureller Ebene gesprochen werden kann.
Über den Autor
Von 1990 bis 1996 arbeitete Wolf-Rüdiger Mühlmann als Redakteur bei diversen Tageszeitungen, mit den Schwerpunkten Politik und Umwelt. 1993 wurde ihm für eine Reportage der "Theodor-Wolff-Preis" zuerkannt. Anfang 1997 wechselte Mühlmann vom Redaktionsalltag in die Musikbranche und ist seitdem in Hamburg als freischaffender Promoter tätig. Seit 1995 arbeitet er zudem als freier Autor für das Rock Hard, Deutschlands populärstem Magazin für harte Rockmusik.
Auszug
Neue Deutsche Härte - Plattenfirmen begannen etwa Ende 1997, mit diesem Begriff die aktuellen Produktionen von Bands wie Megaherz zu bewerben. Interessant fand ich diese Bezeichnung durchaus, allein schon deshalb, weil Musik das Wichtigste in meinem Leben ist und weil auch ich als Musikjournalist (wie zahlreiche andere Kolleginnen und Kollegen auch) eine fast schon pathologische Neigung verspüre, Sounds gedanklich in ihre Einzelteile zu zerlegen und sie irgendwie irgendeiner Stilrichtung, einer Kategorie, einem Genre zuzuordnen. Das geschieht zwar oft unbewußt, aber es geschieht. Regelmäßig, zugegeben. Und noch etwas hat die Zunft der Musikkritiker gemeinsam: Genauso häufig, wie wir Genre-, Image- und Klischee-Schubladen öffnen und schließen oder neue erfinden, regen wir uns über solche Kategorien auf, können oder wollen mit entsprechenden Bezeichnungen gar nichts anfangen oder lehnen sie prinzipiell ab. Nach all den mehr oder weniger wunderbaren und faszinierenden Trends und Strömungen der vergangenen Jahre wie EBM, Industrial, Break Beat, Gothic, Death Metal, Grunge, Stoner Rock usw. usf., die selbst irgendwann von Ahnungslosen bei Funkuhr, Echo der Frau und Bild am Sonntag entdeckt und ausgeschlachtet wurden, drängte sich plötzlich die Neue Deutsche Härte in unser Bewußtsein. Was Neue Deutsche Härte eigentlich bedeutet, daran scheiden sich die Geister. Der Begriff klingt sehr martialisch, maskulin und suggeriert, daß die Vertreter dieser - nennen wir das Kind ruhig einmal - Strömung neu sind, etwas Neues kreieren. Die Bands sind deutsch, also sie kommen aus Deutschland. Gemeint ist vielleicht auch, daß die Gruppen in deutscher Sprache singen. Bleibt noch die Härte: Definiere: hart. Geht es um die Musik? Was ist hart? Fetter Gitarrensound? Doublebaßdrums? Oder vielleicht doch eher verzerrte Samples? Monströse Computerbeats? Oder muß das "Harte" auf die Sprengkraft und Wirkung der Texte bezogen werden? Auf das Image der Musiker gar? Befragt man Musiker, Fans, Journalisten, Vertreter von Plattenfirmen und sonstige Experten, was oder welche Gruppen ihnen bei Neue Deutsche Härte sofort in den Sinn kommen, so lauten die meisten Antworten: Rammstein, Oomph!, Richthofen, Tanzwut, Weissglut, Megaherz, Schweisser, In Extremo, ja sogar Böhse Onkelz. Ferner hört man die Worte Männerkult, Sexismus, Machos, Trend sowie deutschsprachiger Metal. Das heißt, die Menge assoziiert mit der Neuen Deutschen Härte konkrete Namen und Inhalte, der Begriff hat sich scheinbar durchgesetzt. Das ist für Marketing-Menschen und Finanzjongleure der Musikindustrie eine riesige Sache, für uns Schubladentischler natürlich auch. Aber es ist vor allem merkwürdig, denn allein die oben genannten Bands können in puncto Musik, musikalische Wurzeln, Gründerzeit, Image und Inhalte unterschiedlicher nicht sein. Einziger gemeinsamer Nenner: Herkunft, Geschlecht und Sprache. Muß man die Neue Deutsche Härte ausschließlich auf deutsch singende Männer reduzieren? Heino, Pur, BAP, Maffay? Die etwa auch? Um Himmels Willen, nein! Das wird jetzt doch zu hart. Spaß beiseite. Die Neue Deutsche Härte, soviel steht bereits jetzt fest, ist zumindest eine dehnbare Kategorie.