... ist der Film langweilig. Obwohl offiziell damals vielbesprochen, sehe ich in dem Streifen eher einen Boulevard-Stil, der lediglich mit negativen Schlagzeilen überhaupt Aufmerksamkeit erzeugen kann.
- 1980 hatte Ulrich Edel mit "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" die Stadt West-Berlin mit Crime/Sex/Kinderprostitution ausgeschlachtet. Kinogänger/Journalisten aus der BRD (die meist noch nie Berlin besucht hatten), überschütteten ihn dafür mit Lob für die "realitätsnahe" Sozialstudie aus der geteilten Stadt.
- Diemal war New York City dran. Nachdem Edel viele Bücher gelesen hatte, fand er in Hubert Shelly s "Last Exit to Brooklyn" endlich ähnliche Klischees für einen neuen Film. Doch diesmal gelang ihm kein Riesenerfolg! War der Zuschauer bei "Christiane F." (wegen ihrer 14 Jahre) geradezu gezwungen Mitgefühl zu empfinden, so bietet "Letzte Ausfahrt Brooklyn" niemanden, der als Identifikationsperson im weiteren Sinn herhalten kann.
Allerdings erlaubt der permanent vorhandene Nihilismus der Psyche hierzulande dem Zuschauer(der noch nie in Amerika war) unwidersprochen Sätze wie "so ist eben das wahre Leben" von sich geben zu können. Dieser Personenkreis verhalf dem Film zumindest zu einem Ruf als "unterbewertetes Meisterwerk". Jemand, der aus N.Y.C. stammte sagte mal dazu "Real Life here was not like this". Die Charaktere sind eindimensional, ohne Gefühl und Passion artifiziell konstruiert. z.B. war das offene Präsentieren von Homosexualität und Travestie (Gorgette) in New Yorker Wohnhäusern der 50-er Jahren ein Ding der Unmöglichkeit, schreibt Victor Bockris in seiner Biographie über Lou Reed. Das Spiel von Jennifer Leigh ( die Gelegenheitsprostituierte Trala) gefällt mir, doch nach der Massenszene (nicht in der Buchvorlage) ist es auch dem hartgesottensten Zuschauer - wie ihrem bis dato jugendlichen Verehrer - unmöglich geworden, in ihr die Freundin von nebenan zu sehen ...
- Mit der "Letzten Ausfahrt Brooklyn" führt Ulrich Edel den Zuschauer wieder oberlehrerhaft an einen schwarzen Abgrund, und läßt ihn ohne einen Hoffnungsstern am Firmament allein stehen. Zuschauer, die die Story glauben, werden ziemlich desillusioniert sein. Mich haben Ulrich Edels Filme aus den Achtzigern nicht sehr beeindruckt, da ich sie nicht für repräsentativ für Berlin und New York sehe. -
- Wer sich wirklich für das Leben früherer Jahrzehnte der USA interessiert: Es eher mal mit Ernst Hemingway und John Steinbeck s Bücher/Verfilmungen versuchen als dieser pseudointellektuelle Boulevardfilm. Wer Kameratechnik und Schnitt des Regisseurs gut findet, bestelle lieber Ulrich Edels Beiträge zu "Twin Peak".