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Letzte Ausfahrt Brooklyn
 
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Letzte Ausfahrt Brooklyn [Taschenbuch]

Hubert Selby , Kai Molvig
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 26 (1. Januar 1972)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499114690
  • ISBN-13: 978-3499114694
  • Originaltitel: Last Exit to Brooklyn
  • Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 11,6 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 197.837 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Letzte Ausfahrt Brooklyn
OT Last Exit to Brooklyn OA 1964 DE 1968Form Roman Epoche Moderne
In Einzelschicksalen und mit ungewohnter Deutlichkeit erzählt Hubert Selby von den Brutalitäten während eines Streiks 1952 im New Yorker Stadtteil Brooklyn.
Inhalt: Fünf Episoden und eine Coda sind dem gewalttätigen Alltag von Verlierern und Gestrandeten gewidmet: Die Trinkerei einer Gruppe Halbstarker endet in einer Prügelei mit der Polizei, der Transvestit Georgette stirbt durch einen Messerstich. Der junge Arbeiter Tommy feiert am gleichen Tag die Hochzeit mit seinem polnischen Mädchen sowie die Taufe ihres wenige Tage alten gemeinsamen Kindes. Dann verschwindet er mit einem Kumpel zur Motorradtour. Die 18-jährige Prostituierte Tralala, die ihre Freier von Komplizen ausrauben lässt, stirbt qualvoll nach einer Vergewaltigung durch betrunkene Soldaten. Arbeiterfunktionär Harry wird während des Streiks von Fabrik- und Gewerkschaftsführung gleichermaßen verraten. Er gibt seinen homosexuellen Neigungen nach und wird von Rowdies zusammengeschlagen.
Aufbau: Selby, im ruppigen Alltag auf den Straßen Brooklyns groß geworden, weiß, wovon er spricht. Der Titel seines Romans bezieht sich auf eine Straßenabzweigung, doch ist »exit« auch ein klinischer Ausdruck für Tod. In Schlaglichtern erzählt Selby vom Schicksal seiner Antihelden. Ihre Sprache ist so schmutzig wie die Gosse, in der sie leben. In die dokumentarische Schilderung der Tagesabläufe sind innerer Monolog, Fieberfantasien, Gesprächs- und Erinnerungsfetzen eingefügt. Seinem musikalischen Vorbild Ludwig van Beethoven (1770–1827) eifert Selby erzählerisch nach durch fünfsätzige Struktur und motivische Wiederholung. In der Coda werden alle Stränge wieder zusammengeführt. Die Streikepisode ist eine bittere Satire auf die unselige Allianz aus industriellen Profitgeiern, korrupten Gewerkschaftsfunktionären und chauvinistischen Angebern. Inmitten naturalistischer Dramatik beschwört Selby einen christlichen Humanismus, der dem Grauen die Liebe Gottes gegenüberstellt. Die Episode über die Hure Tralala beginnt mit dem biblischen Zitat: »Ich will aufstehen und in der Stadt umhergehen auf den Gassen und Straßen und suchen, den meine Seele liebt« (Salomo, 3, 2–3). Doch aus dem erbarmungslosen Milieu der Wohnsilos, Fabrikhallen, Transvestiten- und Soldatenspelunken gibt es keinen Ausweg: »Es währet vom Morgen bis an den Abend, so werden sie zerschlagen… (Hiob 4, 19–21).
Wirkung: Letzte Ausfahrt Brooklyn wurde 1967 in den USA wegen Obszönität für einige Monate verboten, in England und Italien stand das Buch jahrelang auf dem Index. Schriftstellerkollege Anthony R Burgess schrieb 1968 in einem Vorwort »Nun kann dieses ›aufrichtige und schreckliche Buch‹ seinen rechtmäßigen Platz einnehmen als eines der wichtigsten Werke unserer Zeit.« Berühmte Regisseure wie Stanley Kubrick und Brian de Palma gaben ihre Pläne wieder auf, den sperrigen Roman auf die Kinoleinwand zu übertragen. 1989 verfilmten Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger schließlich den Stoff. B. B.

Kurzbeschreibung

Hubert Selbys Zyklus von sechs Prosastücken ist eine Beschreibung menschlicher Höllen und ein Plädoyer zugleich. Mit reporterhafter Genauigkeit fixiert Selby Sprache - seine Gestalten sind Negativhelden einer kranken Gesellschaft. Gewalt, Schmutz und verbrechen, Räusche statt Träume, Gift statt Hoffnung, roher Sex statt Liebe regieren diese steingraue Welt. Das Buch - oberflächlich betrachtet ein Katarakt des Unrats, ein Wort-Stalaktit aus Brutalität, Mord und Perversion - ist ein moderner Klagegesang vom Menschenmüll, aufgefressen und ausgespien von dem Riesenkraken New York.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Hubert Selbys gewaltiger und gewaltätiger Abgesang auf die Menschlichkeit ist abstoßend, brutal und ohne jegliche Wärme und Hoffnung. Doch nur auf den ersten Blick: je tiefer man in den komplexen Kosmos der gescheiterten Existenzen eindringt, desto größer wird auch die Faszination für die sprachlichen Mittel die eingesetzt wurden, und man beginnt parallelen zu entdecken. Wenn es freilich auch nichts daran ändert das für Selby's Charaktäre das Leben die Hölle ist. Vom Stil her mehr Bericht denn Belletristik. Ohne jede bewertende Note wird in 6 Prosastücken sehr real und schonungslos das Monster Mensch seziert, und Selby's Sprache scheint kongenial mit den Perversion und der Härte seiner Protagonisten verwachsen zu sein. Aber auch die leisen Töne beherrscht er vortrefflich, was sich besonders in der Geschichte um eine bigotte und alleinstehende Frau zeigt, die kurz davor scheint dem Wahnsinn zu verfallen. Schon den literarischen Stil von Selby's "Der Dämon" bewunderte ich, aber dieser Roman ist noch viel besser. Voller Leidenschaft, Blut, und Gelegenheiten zum mitleiden. Ich denke den Stil Selby's kann man als einzigartig charakterisieren; zumindest habe ich noch nichts vergleichbares gelesen. Für mich nicht mehr und nicht weniger als ein Klassiker.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gerhard Mersmann TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
In insgesamt sechs Prosastücken beschrieb Hubert Selby jr. das metropolitane Strandgut einer aus dem II. Weltkrieg hervor gegangenen Supermacht. Die Lebenswelt in dem Mikrokosmos Brooklyn, nur durch den East River vom glorreichen Manhattan getrennt, ist das proletarische, lumpenproletarische und soldateske Milieu einer verrohten Generation, die den großen Krieg hinter sich hat und den Korea-Krieg gerade erlebt. Was sich jenseits der Skyscraper der kometenhaft anschwellenden Finanzwelt nahe den Docks ansammelt, das sind die Wert- und Orientierungslosen, die ihren Charakter, ihren Lebenssinn, ihre Familie, ihren Glauben und zuweilen auch ihr Geschlecht verloren haben.

Verroht, ohne Perspektive, immer unter Alkohol und Benzedrin, jagt eine brutale Orgie die andere, werden junge Männer zu Drag Queens, die es sich hinter Mülltonnen besorgen lassen, pubertierende Mädchen zu Matrosenhuren, die einer Massenvergewaltigung erliegen und diejenigen, die überhaupt noch einer Arbeit nachgehen, durchleben einen zermürbenden Streik, bei dem sie letztendlich doch die Betrogenen sind. Die Glücklichen aus dieser Welt der Finsternis fristen ihr Dasein in einem sozialen Wohnprojekt, wo sie gegenseitig Zeugen ihrer eigenen Verwahrlosung werden, bevor sie doch wieder auf der Straße enden.

Last Exit To Brooklyn ist eine der schonungslosesten Anklagen gegen die Verrohung einer Nachkriegsgesellschaft, die sich zudem in einer Phase befand, in der die globalen Machtperspektiven ins Unermessliche zu wachsen schienen, das Dasein für die Vielen, die den Preis des kommenden Weltruhmes bezahlt hatten, jedoch jeglicher Perspektive entbehrte.

Am deutlichsten wird dieses in der Beschreibung des Streiks, in welchem ein mediokrer Arbeiter und Gewerkschaftsfunktionär zum Leiter des Streikbüros wird, im Grunde keinen Halt in der Belegschaft hat, weil er durch seine lausige Arbeitsmoral suspekt erscheint. Immer wieder greift er bei dem sich über Monate hinziehenden Ausstand in die Streikkasse, kauft Bier für die Wegelagerer aus der Nachbarschaft und entdeckt im Luderleben zwischen Streikbüro und Saufgelagen sein Faible für die homoerotische Unterwelt im benachbarten Manhattan. Mit Streikgeldern hält er sich Luxusstricher, und als der Streik erfolgreich beendet wird, geht ihm das Geld aus und die Stricher zeigen ihm die kalte Schulter. Enttäuscht und völlig am Ende will er sich an einem Jugendlichen aus der Nachbarschaft vergehen, dieser jedoch holt Hilfe gerade bei denjenigen, die monatelang auf Kosten des Streiks gesoffen haben. Sie schlagen ihren generösen Spender, der sich für sie als perverses Schwein entpuppt, kurzerhand tot.

Das Schreckliche an Selbys Episoden ist die Eindimensionalität. Tausende von Büchern wurden dem sozialen Elend und dem Leiden der menschlichen Kreatur gewidmet. Aber wenige beschreiben sich so schonungslos das Grauen, in einer Sprache, die dieser Dimension entspricht, einem Scharfblick, der den Ekel nicht übersehen kann und in einer Kälte, die das Blut gerinnen lässt.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Polygraph
Format:Taschenbuch
Dieser, bereits vor fünfzig Jahren veröffentlichte Episodenroman dokumentiert, heute genauso aktuell früher, die absolute, menschliche Verelendung.
Zentrum der Handlung ist ein griechisches Lokal in den Slums von Brooklyn; von dort aus entspinnen sich fünf Geschichten, die der Autor, unabhängig voneinander, in je einem Kapitel erzählt, die abschliessende Coda, zeigt einen beliebigen Tag im Leben von einigen Bewohnern des Häuserblocks.
Dieser Roman lässt einen, deprimierend deutlichen Blick in die menschliche Seele zu; führt uns die Seiten des Lebens vor Augen, von denen wir immer unbewusst hoffen, dass wir sie niemals zu sehen bekommen.
Im ersten Kapitel noch relativ „harmlos", verfolgen wir eine Gruppe von Jugendlichen, deren allabendliche Unterhaltung allein darin besteht, Passanten zusammenzuschlagen und auszurauben, aber schon bald wird der Leser ganz von der Abwärtsspirale eingesogen, die dieses Buch darstellt: ein junges Mädchen, der Liebe und Zärtlichkeit fremd sind und das niemals etwas anderes gekannt hat, als Prostitution; Arbeitslose, deren ganzes Leben von Stumpfsinn und Alkohol aufgefressen wurde; Transsexuelle, durch Intoleranz und Schuldkomplexe gemartert; bis hin zu der alten Dame von nebenan, die kurz davor steht, vor Einsamkeit den Verstand zu verlieren.
Der Stil des Autors ist zwar nicht unkompliziert, da er sich zuweilen über jede sprachliche Konvention hinwegsetzt , um die Umgangssprache seiner Protagonisten zu verdeutlichen, jedoch kann man ihm seine Vielseitigkeit hoch anrechnen: So erbarmungslos die ganz alltägliche Grausamkeit auch beschrieben wird, genauso liebevoll und ausführlich, und um so merklicher werden die seltenen, schönen Dinge ausgebreitet.

Die Hoffnungslosigkeit des Romans ist streckenweise wirklich kaum auszuhalten, aber wer nach einem Buch sucht, das einen noch lange verfolgen wird, kommt an „Letzte Ausfahrt Brooklyn" nicht vorbei.

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