Vorerst gescheitert. So beschreibt Erich Honecker, ehrlicherweise, das Experiment Sozialismus in der ehemaligen DDR. Auch wenn man es ihm selten zugestanden hat, zeigt diese, wenn auch späte Erkenntnis, dass er der Realität womöglich doch nicht so fern gewesen ist, wie oftmals angenommen. Zumindest bezieht er zu vielen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen Stellung und erklärt sich auf seine Art und Weise.
Abgesehen von der Tatsache, dass er in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ist es sicher kein Zufall, dass diese Aufzeichnungen zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht werden. Schaut man sich seine Äusserungen in Sachen System/Kapitalismuskritik an, lässt sich durchaus eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Man kann ihm zu Recht vorwerfen, die Zeichen der Zeit damals nicht ernst genommen zu haben, aber nicht sie nicht im Ansatz erkannt zu haben. Seine Aufzeichnungen zeigen, dass er sich nicht weniger intensiv mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinandergesetzt hat, wie jeder andere (westliche) Politiker auch, nur war seine Perspektive eine andere.
Besonders interessant und aufschlussreich sind seine Erläuterungen zur Person M.Gorbatschow und seiner damaligen Politik. Auch wenn es sich dabei um persönliche Einschätzungen handelt, die nicht immer zu belegen sind, rücken sie den ehemaligen russischen Präsidenten doch in ein Licht, welches die breite Öffentlichkeit bisher in dieser Form nicht wahrgenommen hat.
Auf jeden Fall bestätigen diese Aufzeichnungen einmal mehr den Grundsatz, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird.
Für alle, die auch an der Geschichte hinter der Geschichte interessiert sind, ist das Buch ein guter Einstieg.