... scheinen sich die Levs ihrer Wurzeln zu erinnern.
Nun sei es zwar jeder Band gegönnt, sich zu entwickeln, andere Wege zu gehen, zu probieren, meinetwegen auch älter zu werden; doch das, was wir in den letzten Jahren von den Mannen aus Brighton an Studioalben zu hören bekamen, hatte nur noch wenig mit den 'Anarchohippiefolkpunks' zu tun, in die man sich in den Neunzigern verliebt hatte. Die Talsohle hatten die Levs - meiner Meinung nach und aus Sicht des aktuellen Albums - mit der letzten Scheibe "truth and lies" erreicht; völlig überproduziert, dämliche Effekte, schlechte Melodien - da erschien selbst die 'poppige' Veröffentlichung "hello pig" plötzlich in einem besseren Lichte.
Doch nun zu "letters from the underground": Bereits mit dem Opener verweisen die Levs auf ihren folkigen Hintergrund; gleichsam kündigt er - und das ist das Erfreuliche - den Grundtenor der Scheibe an: soviel Hochgeschwindigkeits-hüpf-ufta-ufta-songs waren auf noch keinem Album der - nunmehr - sechs Engelländer zu hören und zu fühlen; ein fast perfekter Mix aus folk, punk und Rock. Auch die Mischung und der sound der einzelnen songs haben sich verbessert: kräftige drums, crunchige Gitarren, kein Brei. Das, was mich immer noch stört - und deshalb der Sern-Abzug - ist der sich des Öfteren wiederholende 'Chor' und dieses ewige "Aaaahhhhoooohhhhuuuuhhh". Auf Spitzenniveau ist dafür die Stimme Simons, der wieder einige songs im Gesang übernimmt, zu denen auch "fight or flight" gehört - eines der Überaschungstitel der Scheibe; er grenzt - zumindest vom Empfinden her - schon stark an "battle of the beanfield". Ein weiteres highlight ist "before the end" - hier fließen eine Menge netter Ideen ein, ohne das Stück zu überladen.
Lasst uns die Schockerfahrung am Übergang zwischen "zeitgeist" und "mouth to mouth" vergessen, verzichten wir mal kurzerhand auf die letzten 10 Jahre, lasst uns "letters" eingereiht in "weapon called the word - levelling the land - levellers - zeitgeist" sehen und die Levs sind da, wo sie für mich hingehören: im Spannungsfeld zwischen folk, punk, Politik und Lebenslust.
Im Großen und Ganzen ein sehr gelungenes Album! Ich freu mich schon wahnsinnig auf die Live-Umsetzung!!!!!!!!!
P.S.: Wenn man auf die 'typischen' Ein-Zwei-Mann-Akustik-songs steht, sollte man sich die Doppel-CD besorgen - dort sind drei solcher Leckerli zu finden; zudem das Video von "burn america burn".