Auf ihrem letzten Studioalbum bei den Produzenten Stock und Waterman klingt Kylie deutlich reifer und besser als bei ihren vorangegangenen Alben. Auffallend ist, dass der Produzentenname Aitken fehlt und so wurde aus dem Erfolgstrio ein Duo, was wohl auch den leicht veränderten Klang des sonst sehr einheitlichen Sounds der Truppe erklärt. Bei "Let's get to it" hat Kylie auch an den meisten Titeln mitgeschrieben. Das tat sie auch bereits bei einigen Titeln des "Rhythm of love" Albums, doch hier hatte sie ausnahmslos ihre Stammproduzenten an der Seite und es scheint als ob sie frischen Schwung in deren Stammsound brachte. Auch optisch setzt sich Frau Minogue deutlich vom braven Mädchenimage ihrer bisherigen Karriere ab, das Foto und vor allem der Blick auf dem Cover zeigen dies deutlich. Und so zeigen auch die Fotos im Booklet eine schlichte und natürliche Kylie, die einfach toll aussieht.
Word is out - Der Opener groovt richtig gut und hat eine ausgefallene aber schöne Melodie zu bieten. Der Song war auch 1. Singleauskopplung aber leider kein Riesenhit für Kylie, von der man Eingängigeres gewohnt war.
Give me just a little more time - Dieses Cover eines 70er Jahre Titels mach richtig gute Laune. Mit ordentlichem Retrotouch erinnert der Song ein wenig an "The Loco motion" und die geniale Melodie bleibt sofort im Kopf hängen. Schön.
Too much of a good thing - Hier klingt Kylie sehr sexy. Die schöne eingängige Melodie hat mich sofort überzeugt, Kylies Stimme klingt hier anders, ständig sind da auch Backgroundvocals und sie singt eigentlich nie richtig klar. Aber irgendwie macht das den Titel richtig geil und zu einem Highlight des Albums.
Finer feelings - Hier kann man die Reifung der Sängerin am deutlichsten hören. Sie kann auch anspruchsvolle und richtig geniale Songs singen. Auch hier schwingt wieder knisternde Erotik mit, doch anders als beim vorherigen Titel singt Kylie hier klar und deutlich und demonstriert ihre Gesangsstärke. Spätere Hits wie "Confide in me" scheinen an diesen Song angelehnt zu sein. Wunderschön anzuhören und das Highlight schlechthin.
If you were with me now - Dieses Duett mit Keith Washington ist eine zuckersüße (klebrige) Ballade. Ein deutlicher Rückfall in alte Zeiten (Especially for you), furchtbar schmalzig und vorhersehbar. Stimmlich aber top.
Let's get to it - Der Titelsong ist ein relativ langsamer klassischer Poptitel, der trotz einer Länge von (nur) 4.45 Min ziemlich langatmig und gezogen wirkt.
Right here, right now - Hier schwingt ein richtig cooler Discosound im Hintergrund, dazu gibt's eine schöne Melodie und jede Menge gute Laune. Was heute (im Jahr 2011) ausgelutschter Standard vieler Kylie-Titel ist war damals noch frisch und unverbraucht.
Live and learn - So klingt die typische Kylie Minogue der 1980er Anfang 90er Jahre. Schöne simple Melodie mit eingängigem Sound, ein Titel der allerdings auch schnell ermüdet und langweilt.
No world without you - Wunderschöne Ballade, bei der Kylie lediglich von einer Akustikgitarre begleitet wird. Sehr gefühlvoll und stark gesungen, mit Gänsehautgarantie. Toll.
I guess i like it like that - Dancemusik mit leichten Technoeinschlägen und einer enthemmt schreienden Kylie Minogue. Eine richtige Melodie gibt's eigentlich nicht, nur einen immer wiederkehrenden Refrain. Dafür ist der Sound sehr eingängig und cool, der Song geht sofort in Ohren und Beine. Tanzvergnügen pur. Besonders gut ist der langsame Ausklang gelungen, wo sich der Song quasi in Nichts auflöst.
Ich weiß nicht ob Kylie bereits bei der Produktion des Albums wusste, dass dies das letzte Werk mir ihren bisherigen Stammproduzenten wird. Auf alle Fälle klingt Frau Minogue am Ende ihrer 1. Karrierephase deutlich gereifter und musikalisch offener als bisher, so als wolle sie um neue Produzenten werben nach dem Motto: Seht her, ich kann auch anders. Egal, dies ist jedenfalls ihr bestes Album bis dato. Und auch die Aufmachung und das Design der CD haben mich überzeugt, obwohl die unterschiedliche Farbgebung (jede Seite anders) im Booklet etwas seltsam scheint. Liebhaber von abgedruckten Songtexten kommen auch auf ihre Kosten.
Für alle jüngeren Kylie Fans (ab "Fever") wäre diese Scheibe eine absolute Entdeckung und Bereicherung, denn diese Frau macht schon so lange Musik und teilweise tat sie das früher viel besser als heute.