Lethal Weapon 1
Als man 1987 zu den Klängen von "Jingle Bell Rock" den unter den Vorspann gelegten Hubschrauberflug über Los Angeles genoss, der unvermittelt im Schlafzimmer einer leicht bekleideten Schönheit endete, die kurz darauf entrückt lächelnd vom Balkon ihres Penthouses springen sollte, da ahnte der gebannte Zuschauer bereits, einem ganz besonderen Film beizuwohnen. Die darauf folgenden 110 Filmminuten gehören bis heute zum bestgeschriebenen Drehbuch, das jemals für einen Cop-Thriller bzw. ein sogenanntes Buddy-Movie herhalten durfte.
Zwar ist das Konzept der Partner wider Willen so alt wie Hollywood, doch mit der Kombination "Alter Hase" - kurz vor der Pensionierung stehend - und "Junger Draufgänger", der nach dem Tod seiner Frau jeden Lebensmut verloren hat, verschaffte Shane Black (auch Drehbuch zu LAST BOY SCOUT) den Akteuren Gibson und Glover die ideale Plattform, sich die Bälle gegenseitig auf hohem Niveau zuzuspielen. Bis dahin hatte sich im Action-Genre, wo eine spektakuläre Aktion die nächste in möglichst kurzer Folge übertreffen muss, niemand die Mühe gemacht, die Protagonisten mit einem derart ausgefeilten, menschlichen Background zu versehen. Und dies so kurzweilig und sympathisch, nicht zuletzt auch Dank der ideal besetzten Mitglieder der Murtaugh-Familie.
Allein aus diesen Gründen vermochten die seinerzeit innovativ rasant inszenierten und straff geschnittenen Actionszenen das Publikum um das Schicksal der Helden mitfiebern zu lassen, insbesondere in den recht heftigen Folterszenen im letzten Akt (Murtaugh mit Salz in der Wunde, Riggs per Elektroschock). Selbst nach dem explosiven Showdown auf dem nächtlichen, vielbefahrenen Hollywood-Boulevard und dem brutalen Mann-gegen-Mann-Fight zwischen Riggs und Mr. Joshua nahm sich Altmeister Richard Donner (DAS OMEN, SUPERMAN, MAVERICK) noch Zeit, zur Familie und einem versöhnlichen Ende zurückzukehren.
Nach dem überraschenden Erfolg des für weniger als 20 Mio. Dollares produzierten Streifens war eine Fortsetzung - die nicht die letzte bleiben sollte - beschlossene Sache. Dessen ungeachtet bleibt das Original der stimmigste und ausgezeichnetste Beitrag der Serie.
Lethal Weapon 2
Ein Film, der ohne Vorwarnung mit einer wilden Verfolgungsjagd startet, zu der sich auch noch ein Hubschrauber mitten in der City gesellt, legt die Messlatte für die kommenden Schauwerte gleich sehr hoch. Umso verblüffender, wenn das eingangs gegebene Versprechen, das Publikum über die gesamte Laufzeit in die Sessel zu nageln, mühelos gehalten wird. Die nächste Hatz über Serpentinen in den Hügeln L.A.'s wartet mit einzigartigem Einfallsreichtum auf und endet mit oben beschriebener Surfbrettguillotine; im weiteren Verlauf wird eine schicke Villa auf Stelzen zum Einsturz gebracht und garniert werden diese Destruktionsorgien mit beinharten Fights und Shoot-outs.
Zusammengehalten werden diese Eskapaden erneut durch das spielfreudige Schauspielerduo, dessen Chemie so unverbraucht und spritzig wie im Erstling wirkt. Joe Pesci als Leo Getz ergänzt als hysterischer Kleinganove das künftige Trio und sorgt - meist auf eigene Kosten - für die meisten Lacher. Leider verkam seine Figur in den Sequels zum überkandidelten Pausenclown, hier allerdings integrierte er sich bestens in die Story. Weiteres Novum ist der Umstand, dass Riggs sich verlieben darf. Da es sich um die niedliche Botschaftsangestellte des Bad Guys handelt, endet auch diese Liebe tragisch und letal. Zumindest löst der Tod von Rika van den Haas die blanke Raserei ihres Lovers aus und läutet den leichenreichen Showdown am Hafen ein.
LW 2 gehört zu den seltenen Fortsetzungen, die der Erstauflage das Wasser reichen können. Noch zeigte das komplette Ensemble keinerlei Abnutzungserscheinungen und ließ eine weitere Episode als logisch erscheinen.
Lethal Weapon 3
Wie LW 2 wirft auch der Nachfolger den Zuschauer unvermittelt ins Geschehen. Diesmal genügt jedoch nicht mehr die Massenverschrottung von Kraftfahrzeugen, sondern ein komplettes Bürogebäude wird binnen Sekunden durch die von unseren Protagonisten unsachgemäß entschärfte Bombe pulverisiert. Gefilmt wurde damals der tatsächliche Abriss eines Verwaltungsgebäudes. Auch die weiteren Actioneinlagen bieten solides Entertainment und sind zeitgenössischen Genrebeiträgen immer noch haushoch überlegen. Dennoch bleiben die Aha-Effekte der Teile 1 und 2 weitgehend aus und man fühlt sich lediglich als wohliger Betrachter der bekannten und geliebten Chaos-Clique, die für die nächste Etappe um Riggs' Love-Interest Lorna Cole ergänzt wird.
Trotzdem bleibt LW 3 trotz einiger Schwächen ein wohlschmeckender Actionhappen und verdienter Abschluss der Trilogie - bis sechs Jahre später die Reunion der in Würde gereiften Darstellerriege stattfinden sollte.
Lethal Weapon 4
Nur selten erregte die Ankündigung des dritten Aufgusses eines derart langlebigen Franchises mehr Vorfreude. Der Name Jet Li ließ darüber hinaus erahnen, dass die Neuzeit Einzug gehalten hat in den Klassiker des modernen Action-Kinos. Die sechs Jahre Pause hatten offensichtlich gutgetan, denn alte Zöpfe wurden im wahrsten Sinne des Wortes abgeschnitten, da auch Gibsons Retro-Matte einem feschen und altersgemäßen Kurzhaarschnitt weichen durfte.
Schon die Eröffnungssequenz mit dem ungleichen Kampf Flammenwerfer gegen Unterhose beschert ein zwerchfellerschütterndes Wiedersehen mit den gutgelaunten Darstellern Gibson und Glover. Pesci nervt weniger als in Teil 3 und sorgt mit seiner Fröschi-Geschichte sogar für die ein oder andere Träne der Rührung. Rene Russo ist auch als Hochschwangere eine Augenweide und nicht minder schlagkräftig. Das Sahnehäubchen allerdings bildet die Verpflichtung Jet Lis, der mit seiner agilen und fürs Auge kaum zu verfolgenden Kampfkunst einen erfrischenden Kontrast zum gewohnten Haudrauf der Beinahe-Rentnergang darstellt. Der furiose Schlusskampf zwischen den Dreien gehört mit zum härtesten Schlagabtausch der Serie.
Aufgelockert werden die erneut hervorragend choreographierten Verwüstungen - vor allem die irrwitzige Highway-Jagd, die mit dem überraschenden Eingriff eines Schwerlasters endet - durch die Nebenhandlungen der gleichzeitig schwangeren Lorna und Rianne, des älteren Captains Töchterlein. Brachialkomiker Chris Rock glänzt hier in der feinen Rolle des künftigen Schwiegersohnes, der dem unwissenden Papa plötzlich auffällig viel Aufmerksamkeit widmet.
So vergehen zwei Stunden im Wechselbad der Gefühle zwischen Lachen, Thrill und Staunen angesichts des abgebrannten Effektfeuerwerkes. Und so unwahrscheinlich der Wunsch in Anbetracht des inzwischen für derartige Actionvehikel nicht mehr allzu tauglichen Alters der Hauptdarsteller sein mag, hätten wohl die wenigsten Freunde der Chaos- und Körperverletzung-Cops (O-Ton Riggs und Murtaugh) etwas gegen Teil 5 einzuwenden. Oder wie Leo heftig nickend bekräftigen würde: "Okay, okay, okay!"