INTRO
Eklektizismus galore, um hier mal ein Modewort einzubringen: Die "Ninja Tune"-Chefs Jonathan More und Matt Black a.k.a. Coldcut haben sich ihr letztjähriges Beats'n'Breaks'n'Basslines-Funk-Monument "Let Us Play" nämlich von einer wahrhaft stilübergreifenden Horde assoziierter und hinzugezogener Rhythmus-Aspiranten überarbeiten lassen. Und sind dabei zu wahrlich interessanten Ergebnissen gekommen. So schaddelt etwa der japanische Rollkragen-Pulli-Star Cornelius an "Atomic Moog 2000" rum, The Irresistible Force ambientet "Panopticon" oder J.Swinscoe nimmt sich "Return to Margin" im Betrunkene-Freejazz-Band-Stil seines toften Cinematic Orchestra-Projektes an. Oder Carl Craig gibt "Rubaiyat" eine Infusion kühlen Detroit-Funks. Oder die Sycophants machen Britpop aus "Noah's Toilet". Höhepunkt ist aber ohne Zweifel der Shut Up & Dance-Remix von "Every Home A Prison": Wenn Jello Biafra seine Haßtirade zu düsteren Elektro-Breakbeat-Hybriden von Smiley schmettert, dann ist das, na? Eklektisch. Und als Dreingabe schmeißen uns die beiden Ober-Ninjas auch noch zwei Livetracks vom Sonar Festival/ Barcelona ("Atomic Moog") und aus Tokyo ("Panopticon") sowie zwei unveröffentlichte Track-Wurfsterne vor die Füße: Grandmaster Flash darf sich von Jungspund Strictly Kev (DJ Food) zeigen lassen, wo die Scratch-Harke hängt. Und Salena Saliva schnurrt Gedichte über ultrapräzises Schlagzeigspiel von Bernard Purdie während Coldcut Technik und Tapes manipulieren. Silcrash eben.
Florian Sievers / © Intro - Musik & so
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DE:BUG
Es gibt Hoffnung. Da hauen Coldcut, die ich persönlich immer sympathisch und musikalisch immer hart an der Grenze fand, ein Remixalbum raus und ich bin gehooked. Es ist schlicht zu gut, um nein sagen zu können. Ungeheuer dicht geht es los: Cornelius macht aus Atomic Moog einen derartigen Slammer, daß man gleich auf dei Repeattaste drückt. Shut Up & Dance rücken einem technoid ins Ohr, mit einem so ungeheuer cheesy Verständnis von Darkness, daß man sofort daran denken muß, daß, wenn Scooter so geklungen hätte, als man ihnen noch aus reinem Interesse zugehört hat, einiges hätte anders kommen können. Carl Craig mixt, genau wie Mixmaster Morris und DJ Lord Fader. Alles angenehm zu hören und durchaus bereichernd. Zwei Liveaufnahmen und zwei neue Stücke, eins davon mit Grandmaster Flash, das andere einfach irre, runden die CD ab. Faszinierend dabei ist für mich, daß die oft beschimpfte und noch öfter bejubelte eklektische Musikwahrnehmung Coldcuts zum ersten Mal wirklich überzeugend, beschwingt und locker daherkommt, für mich jedenfalls. Alles ist total schlüssig, alle Samples am richtigen Ort, mögen sie auch noch so alt und abgedunkelt sein. Es passt einfach. Warum? Keine Ahnung.
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