Wie schon bei "The Atrocity Exhibition" klasse Songs von einer großartigen Band - nur leider (wie heute allzu oft üblich) zu Tode produziert. Dem Anspruch an größtmögliche Brutalität wird jegliche Transparenz und jedes Detail geopfert. So klingt die Scheibe im Wesentlichen nach einem digital aufgemotzten Schlagzeug, bestehend nur aus Snare und Bassdrum, und einem digital aufgemotzten Sänger, dessen Stimme so lange durch die elektronische Mangel gedreht wurde, bis er sich anhört wie hundert andere auch - stark aber ausdruckslos. Begleitet wird das Möchtegern-Power-Duo von einer im Hintergrund undefinierbar dröhnenden Dampfwalze. Gitarren und Bass sind zu einem schweren, zähen, klumpigen Batzen Soundteig verschmolzen.
Vielleicht sehen Produzenten und Musiker irgendwann ein, was sie mit der stupiden Kraftprotzerei erreichen. Wenn man heraushören möchte, was die Jungs eigentlich spielen, muß man sich schon sehr angestrengt konzentrieren. Das aufregende Erlebnis, die Gitarristen die unglaublichsten Dinge spielen zu hören, bleibt einem hier wieder mal erspart. Stattdessen, once again, dumpfbackige Mega-Monster-Wall of Sound-Produktion für abgestumpfte Ohren an abgestumpften Häuptern. Wer sich lieber gegen die Wand klatschen läßt, als eine Band spielen zu hören, der wird mit LTBB gut bedient sein.
Auch klingt mir Rob Dukes zu "professionell". Er macht einen guten Job, aber hat zu wenig eigenen Charakter. Dukes ist halt keine Thrash-Sau, sondern nur ein guter Handwerker, daran ändern auch die Tattoos wenig. Ein Minuspunkt gegenüber Souza und zwei gegenüber Baloff, der noch wußte, wie man richtig thrasht.
Daß eine Band wie Exodus ihre musikalischen Qualitäten um der reinen Kraftmeierei willen so runterproduzieren läßt (oder sich noch aktiv daran beteiligt), wundert mich, auch wenn einen nichts mehr wundern sollte in Zeiten, wo ganze Horden von Bands in Wikingerklamotten rumlaufen, mit Drehleiern und Dudelsäcken auf finsteres Mittelalter machen oder sich mit Opern-Elfen aufzuwerten nötig haben. Heavy Metal war mal, es lebe der Disney-Metal!
Let there be Blood ist ein Produkt dieser Zeit und hat mit dem rebellisch-anarchischen Geist, der einst den Metal belebte, soviel zu tun wie ein Miele-Staubsauger mit einem 69er Mustang Mach 1. Ich vermisse auf LTBB das Spontane, Ungehobelte und den rotzigen, zornigen Dreck, der für mich unbedingt zum Thrash Metal gehört.
Doch was solls? Die Zeiten ändern sich und die Menschen auch. Wem der dynamischere, räumlichere Klang der alten Aufnahmen nicht gefällt, soll sich LTBB kaufen. Ich bezweifle aber, daß seine Freude daran so lange anhält, wie bei dem, der sich für die alten Originalaufnahmen entscheidet.
Warum die alten Aufnahmen wirklich besser klingen? Sie entsprechen den natürlichen Hörgewohnheiten des Menschen eher als die überzogenen Produktionen der letzten Jahre. Beweis gefällig?
http://de.youtube.com/watch?v=wfBU8mG4csY