Diese CD ist nicht politisch - aber in einer Zeit, in der wir aus den USA kriegerische, gewaltbereite, extrem-patriotische Töne vernehmen tut sie endlos gut. Tracy Chapman zeigt uns einmal mehr eine andere Seite Amerikas - und zwar eine andere menschliche Seite. Sie zeigt uns, daß es dort noch Menschen gibt, die ihrer Umwelt mit Respekt und Distanz begegnen, die nicht jeden 'Mainstream' mitmachen, die Offenheit nicht mit Lautstärke verbinden und die die Fähigkeit besitzen, ihre Emotionen auch musikalisch auszudrücken. Jeder einzelne Song auf der Platte ist hörenswert - und es ist kein einziger dabei, von dem man glauben könnte ,daß er für die Charts gemacht wurde. Wer nur die erste Chapman LP (so nannte man das damals noch) mag und die anderen nicht ist vielleicht woanders besser aufgehoben. Aber alle die gerne besinnliche Musik hören werden begeistert sein. Die für mich herausragenden Titel: 'In The Dark' - ein langsames, hoch emotionales Lied das mit Tracys einzigartiger Stimme so richtig unter die Haut geht. 'Broken' - ein sparsam instrumentierter, melancholischer Titel über das Anspruchsdenken der Konsumgesellschaft. Eine zynische Abrechnung mit dem sogenannten 'Reality-TV' bietet uns 'Hard Wired'. Wer es gerne etwas schwungvoller mag, kommt bei 'You're the one' und 'Say Hallelujah' auf seine Kosten. Tracys Band zeichnet sich dadurch aus, daß sie bei allen Liedern im Hintergrund bleibt, Tracys Stimme und Gitarrenspiel möglichst viel Raum läßt und doch die richtigen, genialen Akzente in das Gesamtwert mit einbringt.
Tracy Chapman zeigt uns einmal mehr, daß gerade das 'andere' Amerika genau jenes ist, welches es Wert ist geliebt zu werden.