Hier macht sie es einem leicht und schwer zugleich....
Leicht, weil wir sie doch alle lieben, ihre ureigenste sehr persönliche Blues'n'Gospel Handschrift. Wie vor allem nachgewiesen auf ihren beiden "The Truth..." und "The Phenomenal...". Hier jedoch - irgendwie will sie das erreichte hohe Level grad noch mal toppen - geht sie mit Teilen der Meters und den Five Blind Boys ins Studio, das Beste vom Besten ihres Genres also. Sie verlässt sich nicht auf ihre eigenen Kompositionen, oder zumindest nur zum kleinen Teil, und nimmt sich erprobte Rock-, Soul- und Folkstandards der letzten 40 Jahre vor, und....kriegt es tasächlich hin, diese sich anzueignen, mit wirklich überraschenden und überzeugenden Ergebnissen. Genannt seien nur "Ring of Fire", das von seinem doch irgenwie öden "burnsburnsburns" tatsächlich befreit erscheint, ein völlig neues Gewand erhält. Aber auch Adele's "Set Fire to the Rain" wird zu ihrem, mutiert vom Pop-Soul zum Blues-Gospel mit völlig neuen Charakter! Klingt doch alles überzeugend, oder?! Klingt auch wirklich nach leichter Hand, nach größtmöglicher Selbstverständlichkeit! Wo bleibt denn nun die Ambivalenz? Was soll denn nun die Einschränkung sein?
Das "Schwere" besteht in einem seltsamen Effekt - einige der amerikanischen Kritiker wiesen darauf hin - es ist einfach ein Zuviel des Guten! Das mag seltsam klingen, aber...jeder Song ist auf dem wirklich hohen Niveau, auf dem sich das Ganze bewegt, wirklich exzellent eingespielt, gesungen, gejubelt, der Meters-Sound passt wunderbar, die Five Blind Boys jubeln nur so, dass es eine Pracht ist, und dann noch die Klasse-Orgel und die Steels von Dave Easley....aber ein zu hohes Maß an Schönheit als kritisches Moment, wo gibt's denn sowas?!
Stimmt bedingt, trifft's aber nicht wirklich. Es ist das schwächere Argument. Hört man Track für Track einzeln, so ist man geblendet von der Qualität jeder einzelnen Fremdkompositionsadaption und -interpretation. Super macht sie sich die Songs zu eigen. Einfach exzellent. Hören sie mal nur einen Song beim Autofahren auf einem Sender - und sie halten am nächsten CD-Shop und kaufen die Aufnahme, ganz sicher!
Ruthie Foster adaptiert im Rahmen dieser Aufnahme aber völlig unterschiedliche Songs, in ihrer Stimmung verschiedene, in ihrer Komposition, in allem, Songs in Moll und in Dur, Songs die an hohe weibliche Stimmen gebunden sind oder an männlich tiefe, Songs zu denen rasante Tempi gehören, genauso wie verschleppte. Hier steht "Ring of Fire", mit seinem Schunkelcharakter, neben dem Trallala-Pop-Protestsong "If I had a hammer" - und dazwischen wird der Extremzeitlupensong "Don't want to know (about evil)" - einer der meisterlichen Zeitlupenzerdehntitel von John Martyn - eingeklemmt. Und alle drei in ihrer totalen Verschiedenartigkeit werden, ebenso wie alle anderen Tracks dieser Aufnahme, im identischen Slow-Blues-Gospel-Schema....geradezu vergewaltigt. Gleich, gleich, gleich - das gleiche Tempo, die gleiche Orgel an der gleichen Stelle, die Lead-Steel ebenso. Der gleiche Sound, die gleiche Stimmung. That's it.