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Das darf doch nicht wahr sein! Wie ist es möglich, dass erst beim dritten Stück auffällt, dass die 31 jährige norwegische Sängerin und ihre fabelhaften Begleitmusiker ganz ohne Schlagwerk auskommen?
Die Antwort ist im Umkehrschluss sofort glasklar: Es wird einfach nicht benötigt! Denn die anderen Instrumente schaffen es spielend, so etwas im spannenden Wechselspiel mehr als nur zu ersetzen. Trotzdem, und das ist das besonders Verblüffende, kommt die Musik der Formation nicht nur bedächtig und träumerisch, sondern durchaus auch rhythmisch und beschwingt daher.
Frau Tytingvåg, die auch alle Lieder selbst schreibt, hat vielleicht keinen besonders großen Stimmumfang, aber dafür ein wunderhübsches Timbre, das sie überdies sehr gekonnt und geschmeidig, zwischen verführerisch weichen und warmen Nuancen, diversen frechen Varianten und seidiger Kopfstimme, zu wechseln vermag.
Unterstützt wird sie von Klavier, Glockenspiel, Akkordeon, Kontrabass, Geige, Klarinette und einer Hintergrundsängerin. Das ist alles. Da sich insbesondere Klavier, Akkordeon und Bass kongenial im Rhythmusangeben abwechseln, ist leicht vorstellbar, das die Musik insgesamt gerne mal an Jazz der 30er Jahre, frühen Soul oder Chanson der gleichen Zeit erinnert, hier und da mit einem gewissen Tangounterton. Auch der durchgehend englische Gesang der Dame aus Stavanger schafft diesen zeitlichen Brückenschlag scheinbar spielend. Andererseits haben die Stücke wiederum eine völlig moderne oder gar zeitlose Ausstrahlung. Die Songstrukturen und Arrangements sind sehr liebevoll im Detail und bieten einiges zu entdecken.
Selbst wenn es an dieser Stelle schon kaum noch mehr überraschen mag, dass auch diese norwegische Produktion aus der Jazzecke, gut aufgenommen und abgemischt ist, ist dennoch die ganz außerordentliche Klangqualität der Scheibe zwingend zu betonen. Bei geschlossenen Augen kann durchaus mal die Angst aufkommen, der Geigenbogen könnte einem den Scheitel nachziehen.
So ist es schließlich völlig unverständlich, warum ozellamusic damit zwei Jahre verspätet rausrückt, erst nachdem im Herbst das aktuelle Album
Red veröffentlicht wurde. In ihrem Heimatland ist Randi Tytingvåg nämlich schon seit dem Vorgängeralbum "Heavenly Attack" von 2004 (in Deutschland noch nicht erschienen) zusehends wohlbekannt und verehrt.
Bleibt nur noch zu erwähnen, dass es alles ab in zwei Wochen hierzulande auch noch leibhaftig und zum Anfassen gibt.