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Tod und Verzweiflung, gebrochener Patriotismus, Leid und Leidenschaft – PJ Harveys Meisterwerk zeichnet ein ganz eigenes Panorama von England im immerwährenden Krieg. „Let England Shake“ ist PJ Harveys Chronik, ihr Panorama von England. Das hat nichts gemein mit einem „Cool Britannia“, hier hängt Englands Jugend zu Hunderttausenden in Stacheldrähten, sie tötet und wird getötet in Gallipoli, Afghanistan und wo sonst noch überall für das Empire aufmarschiert wurde und wird. „Oh Eng-eer-laand“ singt sie gedehnt, lädt ihre Worte so mit einer liturgischen Überhöhung auf, die man heute gerade mal noch von den großen englischen Dramen mit all den Toten am Ende kennt oder eben gleich aus dem Alten Testament, mit all seinen düsteren Prophezeiungen und der immerwährenden erbarmungslosen Menschenschlachterei. Es ist ein verstörendes Album, selbst für Polly Jean Harveys Verhältnisse, vor allem, weil diese Songs allesamt zu den schönsten zählen, die sie je geschrieben hat. Folk-Blues-Stücke sind das im Kern, meist akustisch eingespielt, mit der Zither konzipiert, enorm eindringlich und natürlich weitaus wirkmächtiger als jede vorstellbare Gitarrenprotzerei. Dabei ist selbst ein Klagelied wie „England“ nicht traurig im engeren Sinne, eher meditativ-anrührend. Jedem Song hat sie einen eigenen Charakter zugeordnet, vom Traditional „The Colour Of The Earth“ über den Gospel von „Let It Burn“ bis zu „All And Everyone“, einer herzbeklemmenden und trotzdem versöhnlichen Hymne voller unpathetischer Größe. So wie überhaupt dem ganzen Album ein großer Trost innewohnt, ein kurzer Einhalt, ein Aufatmen nach der Katharsis, auch wenn das Leiden dadurch nicht weniger wird und nie aufhört. „Let England Shake“ ist ein blutrot getränktes Meisterwerk, vielleicht sogar das beste dieser wahrlich großen Künstlerin, um die man England beneiden muss.
Kurzbeschreibung
Aufgenommen wurde das neue Werk in einer alten Kirche aus dem neunzehnten Jahrhundert in Dorset im Südwesten Englands. Langzeitpartner Flood co-produzierte das Album zusammen mit PJ, John Parish and Mick Harvey. "Let England Shake" ist im Grunde das erste reine Soloalbum seit "White Chalk" aus dem Jahre 2007. Im Gegensatz zum eher experimentellen "White Chalk", das vorwiegend auf Pianobegleitung reduziert wurde, bewohnt "Let England Shake" laut eigener Aussage von PJ Harvey eine ganz andere Welt. Es geht um generelle Themen wie Konflikt, Krieg, Verlust, Loyalität, Freundschaft und Liebe, doch sie reflektiert nicht nur ihr eigenes Ich inmitten dieser Wahrnehmungen, sondern schreibt z.B. über den Zustand des gesamten Landes. In diesem Sinne erklärt sich auch der Titel des neuen Albums.