Endlich einmal ein Buch, das auf ehrliche und zugleich kritische Weise zeigt, wie es in der sogenannten professionellen SM-Szene so zugeht.
Ich habe mir vor Jahren "Hera - Rechtsanwältin bei Tage, Domina in der Nacht" gekauft, mit der Hoffnung, einen solchen Einblick zu gewinnen. Aber dieses Buch war ja bekanntermaßen eine Enttäuschung.
Nicht so bei Nora Schwarz. Die Autorin hält sich gar nicht erst damit auf, ihre Rolle als Domina zu beweihräuchern, oder zu überhöhen. Nein, sie erzählt mit einem derart ironischen, selbstkritischen und komischen Fokus, dass mir beim Lesen manchmal vor Lachen die Tränen kamen. Andere Szenen wiederum sind schockierend und aufwühlend und lassen einen sehr nachdenklich zurück. Alles in allem geht es Nora Schwarz darum, die Gradwanderung einer jungen Frau zu zeigen, die im "wahren" Leben und an der Uni noch unsicher und voller Selbstzweifel ist, in diesem Dominastudio aber eine ganz andere, starke, sadistische Seite auslebt. Gleichzeitig reißt die Autorin den unheimlichen, klischeebehafteten Schleier vom Gewerbe der Dominas und enthüllt die allmächtigen, harten Herrinen als ganz normale Menschen, denen auch mal lustige, peinliche, oder schwerwiegende Fehler passieren. Gleichzeitig webt sie in dieses harte Territorium eine wunderbare Liebesgeschichte ein, denn der Protagonistin stößt etwas zu, das einer Domina normalerweise nicht passieren dürfte: Sie verliebt sich in einen ihrer Kunden und kommt gehörig ins Staucheln.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der von "Hera" enttäuscht war und endlich einmal einen authentischen, kritischen und witzigen Einblick in diese Szene gewinnen will. "Lessons in Lack" ist herrlich bodenständig und überhaupt nicht abgehoben. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es für BDSM-Interessierte auch sehr lustvolle Aspekte hat. Dieses Buch ist letztendlich aber deswegen so erstaunlich, weil es sehr wahrscheinlich auch Menschen interessieren wird, die überhaupt nichts mit SM am Hut haben. Die persönliche Wandlung der Hauptfigur ist nämlich so spannend, nachvollziehbar und lustig beschrieben, dass die Domina-Umgebung gar nicht mehr so wichtig ist.
Obwohl das Buch schon recht harter Stoff ist (krasse "Verbalerotik" und heftige Szenen) wird all das herrlich kontrastiert durch den luftigen, literarisch anspruchsvollen Schreibstil der Autorin.