Für viele ist das 1985 erschienene Erstlingswerk "Less Than Zero" des damals 21-jährigen College Studenten Bret Easton Ellis lediglich ein moderner "Catcher In The Rye" für die schnellebige Mtv Generation, in dem der Sensationsaspekt übertrieben, und die Charakterisierung der Figuren vernachläßigt wird. Für mich ist dieser Roman jedoch eine einfühlsame Studie über Kontaktarmut in einer kalten, erbarmungslosen Wohlstandsgesellschaft, die von Material- und Konsumdenken bestimmt wird.
Im Mittelpunkt von "Less Than Zero" steht der 18-jährige Clay, der anläßlich der Weihnachtsferien von seinem College an der Ostküste zurück in seine Heimatstadt Los Angeles kehrt, um seine Familie zu besuchen. Während des einmonatigen Aufenthalts in der "Stadt der Engel" verbringt er seine Zeit mit endlosen Parties, bei denen Drogen und Alkohol en masse konsumiert werden; mit seinen ebenso elitären wie gelangweilten Freunden fährt er ziellos durch LA, schaut Filme (u.a. Snuff-Videos) an, geht shoppen und versucht der allzeit präsenten Langeweile zu entgehen.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass "Less Than Zero" jedwedem Plot entbehrt und vollkommen undurchdacht niedergeschrieben wurde. Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch überlagerte, teilweise versteckte Hinweise und Textpassagen aus dem Bereich der Musik, sowie zahlreiche Anspielungen auf Filme, die ihrerseits wiederrum mit Metaphern verbunden sind, die den gesamten Roman durchziehen.
Bret Easton Ellis ist es hervorrageng gelungen, die Einflußnahme der Medien auf das Verhalten und die Gefühlswelt der Jugendlichen, und deren Perspektivenlosigkeit in einer von Reichtum und Schönheit dominierten Welt, darzustellen.
Mag "Less Than Zero" auch kein Meisterwerk im herkömmlichen Sinne bzw. Lesestoff für die breite Masse sein, so ist es dennoch oder gerade deswegen eines meiner Lieblingbücher und absolut empfehlenswert! Unbedingt auf Englisch lesen! Two thumbs up!