Die Idee scheint gut, doch das Büchlein hält leider nicht, was es verspricht: Ein Lesespiel, bei dem der Leser entscheiden kann, wie es weiter geht.
Es ist so aufgebaut, dass auf der jeweils linken Seite ein Bild ist (man könnte fast sagen, ein Piktogramm, so wenig künstlerisch und gestaltet sind die Illustrationen) und rechts der Text. Der Text besteht nur aus 1 -3 Sätzen. Dann heißt es z.B. so etwas wie: Wenn du den Weg nach links gehen willst, lies weiter auf Seite 4, wenn du nach rechts gehen willst, lies weiter aus Seite 8.
Da man nur die paar Sätze gelesen hat, hat das zur Folge, dass man ständig vor- und zurückblättert und nicht in eine Geschichte eintaucht. (Okay, das Kind kann dabei auch gleichzeitig die Zahlen lernen.) Außerdem soll man die Dinge, die man bekommt und wieder verliert, zählen und sich die Zahl merken, weil die dann entscheidend für die folgende Seite gibt. Leider kam das bei mir nicht ganz hin, da hatte ich keinen einzigen Pfeil mehr (weil ich schon mehrmals zur Seite 11 zurückgeschickt wurde und schon mehrmals gegen Bären gekämpft habe, wobei ich Pfeile verloren habe), nun hatte ich aber nur noch die Wahl zwischen 2 oder 3 Pfeilen. Tja, was tun?
Zu Beginn fand ich es noch ganz witzig, den verschiedenen Möglichkeiten nachzugehen, bis ich zum 6. Mal hintereinander von irgendeiner Fee oder einem Zwerg (der ÜBERHAUPT NICHTS mit dieser Geschichte zu tun hatte) verzaubert wurde und zurück auf Seite 11 geschickt wurde, wo ich die Geschichte von vorne beginnen sollte. Am Ende fand ich das so frustrierend, dass ich das Buch keinem Kind empfehlen würde. Anscheinend führt nämlich nur eine ganz bestimmte Kombination zum Ziel. Manch eine Wahl ist außerdem keine echte Wahl, weil z.B. die Wahl "links" zur Seite 4 führte, die Wahl "rechts" einen erst zur Seite 8 bringt um danach dann bei Seite 4 zu landen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich bestimme, wie die Geschichte weitergeht, sondern, dass ich bestimmt werde, ja, dass mit mir Katz und Maus gespielt wird.
Leider kam ich überhaupt nicht in die Geschichte hinein, die auch keine wirkliche Geschichte ist, sondern mehr eine Situationsbeschreibung.
Wie gesagt, die Idee ist nicht schlecht, um Kindern Spaß am lesen zu vermitteln, aber ich hätte es für sinnvoller gehalten, dass es einen spannenden Anfang gegeben hätte und dann an einer Stelle die Entscheidung zwischen 2 Möglichkeiten gefällt werden muss, wie es weiter geht und an einer zweiten Stelle dann noch einmal, so dass es insgesamt 4 verschiedene Enden gibt! So etwas würde ich mir für meine Schulkinder wünschen! Das wäre auch eine Idee für Differenzierung, wenn die einzelnen Geschichtenteile unterschiedlich lang sind! So hätte ein schwacher Schüler das gute Gefühl, die ganze Geschichte gelesen zu haben, während ein begabter Schüler sich wahrscheinlich alle 4 Möglichkeiten vornimmt.
Liebe Schulbuchverlage. Machen Sie was draus!