Das Erscheinen im renommierten Springer-Wissenschaftsverlag ermutigte mich, dieses Werk auch ohne vorherige In-Augenschein-Nahme über amazon zu erwerben.
Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Einen Lehrgang dieser Art habe ich immer gesucht, doch etwas Vergleichbares im bunten Angebot der Leselehrgänge jahrelang nicht gefunden. Da mein Kind gezwungenermassen im ersten Jahr nicht systematisch lesen lernen darf und sich Schreiben und Lesen mit Hilfe einer Anlauttabelle in der Schule selbstgesteuert beibringen soll - und ich die erschreckenden Ergebnisse dieser Methode bei meinen anderen Kindern bereits erleben musste, beschloss ich diesmal, nicht mit Hilfen hinterherzutherapieren, sondern von Anfang an parallel und vorauszuarbeiten.
Die Arbeit mit diesem Lehrgang erschien mir der insgesamt ökonomischste Ansatz, die erzwungenen Defizite der o.g. Methoden ausgleichen zu können, die vormals in der Schule erst vermittelte Fertigkeiten bereits zu Schulbeginn voraussetzen .
Nach zwei Monaten kann ich folgendes sagen: wir üben ca. 1-2x pro Woche jeweils für ca. 10-15 Minuten - solange unser Kind konzentriert durchhält oder bis es aufhören will.
In diesem Lehrgang üben die Kinder systematisch zunächst sehr kleinschrittig Einzelbuchstaben, anschließend sinnfreie Mehrbuchstabenkombinationen. Da das Material immer in der gleichen Form angeboten wird: sehr große Schrift, immer vier Einheiten in Leserichtung pro Zeile, kann man es herrlich rhythmisieren, also quasi wie ein Gedicht sprechen. Das macht meinem Kind viel Freude und sie fliegt trotz des eher trockenen Stoffs mit Begeisterung über die Zeilen. Sie hat die Buchstabenkombinationen inzwischen so verinnerlicht, dass sie als Erstklässlerin - wiewohl noch am Anfang des Lehrganges - inzwischen alles Geschriebene, selbst Zeitungsartikel, um sie herum sicher, schnell und ohne mühseliges "lautieren" liest, wie ich es nicht einmal bei meinem ersten, nicht anlauttabellengeschädigten Kind erlebt habe.
Weil heutzutage LRS-produzierende Methoden groß in Mode sind, bei denen sowohl Leseflüssigkeit als auch Rechtschreibung kaum mehr Beachtung geschenkt wird, kann ich die unmittelbare Zusatzbeübung mit diesem Werk daher trotz des vergleichsweise hohen Preises uneingeschränkt empfehlen.
Da das Werk vollkommen anders aufgebaut ist, habe ich auch keine Interferenz mit schulischen Methoden feststellen können. Mein Kind wurde einfach nur sicherer und hatte mehr Spass an schulischen Aufgaben.
Die entfallenden Kosten von Förderunterricht, Nachhilfestunden, LRS-Therapien etc., die bei der Anlauttabellenmethode und vergleichbaren Konzepten ("Lesen durch Schreiben", "Reichenmethode" "Spracherfahrungsansatz" etc.) nahezu immer erforderlich werden, lassen es sich zeitlich und finanziell rasch amortisieren.
Nachtrag November 2008: Wir haben für den Lehrgang mit o. g. Zeitaufwand ca. 5 Monate gebraucht. Ein halbes Jahr nach Beendigung kann ich versichern, dass der Anfangserfolg bleibt. Mein Kind (2.KLasse) liest jetzt etwa so sicher wie seine Geschwister zu Beginn der vierten Klasse und hat keine Probleme mit der Rechtschreibung - bei erheblich geringerem Einsatz der Eltern. Der frühe Leseerfolg hat Einfluss auf alle Schulfächer, selbst auf Chor und Mathemathik, weil Aufgaben sicher gelesen und verstanden werden. Schullust und Selbstbewußtsein sind - verglichen mit den Geschwistern in der gleichen Schulaltersstufe - bei meinem "Intraact-Kind" deutlich höher.
Nachtrag August 2009: Nach Beendigung des Programms haben wir keine weiteren Zusatzbeübungen mehr durchgeführt. Unser "IntraAct"-Kind schreibt zwar nicht fehlerfrei, ist aber sehr schreibfreudig und ausreichend rechtschreibsicher. Sie ist nicht zur Leseratte geworden, aber wenn sie ein Buch lesen möchte, wird es zügig durchgelesen. Jetzt zu Beginn der dritten Klasse führen andere Eltern, aufgeschreckt durch die schlechten Schreibfähigkeiten ihrer Kinder, tägliche Diktate durch, wie wir es bei unseren älteren Kindern auch machen mussten. Wir brauchen das nicht, obwohl wir den Schreibanteil des Programms nicht einmal durchgeführt haben. Wir hatten lediglich - entgegen der schulischen Anweisung - darauf gedrungen, dass unser Kind selbst von Anfang an auf Rechtschreibung achtet. Das Gegenteil der schulischen Warnung, die Schreiblust würde versiegen, ist eingetreten - unser Kind schreibt mit Begeisterung Geschichten und Berichte. Unser Kind kann sich offensichtlich durchs Lesen erinnern, wie Wörter geschrieben werden, was unseren anderen Kindern viel schlechter gelingt. Hier scheint dauerhaft etwas anderes "verschaltet" worden zu sein.
Die Hoffnung auf einen frühen, dann aber insgesamt geringeren Zeitaufwand der Hilfestellung scheint mit diesem Programm für Eltern und Kind aufgegangen zu sein.
Nachtrag März 2011: Weiterhin mussten wir keine Extra-Lese-/Rechtschreib-/Grammatik-/Aufsatz-Beübung mit unserem "IntraActKind" durchführen, wohingegen wir mit unserem Neuntklässler immer noch regelmäßig üben müssen, um das Ärgste zu verhüten.
Das Interessante dabei: Es ist bei weitem nicht nur die Rechtschreibung, die besser gelingt. Dieses Kind scheint durch die anfängliche Beübung insgesamt einen strukturierteren Zugang zur Schriftlichkeit bekommen zu haben. Vor allem Satzbau und Grammatik in selbstverfassten Texten gelingen ihm sehr viel besser als den mit "Lesen durch Schreiben" beschulten Geschwistern.
Wenn man jahrgangsgleiche Aufsätze meiner Kinder nebeneinanderlegt, liegen Welten dazwischen.
Nachtrag Oktober 2011: Unser "IntraAct-Kind" konnte sich im Unterschied zu Geschwistern und Mitschülern sein Wunschgymnasium aussuchen. Der Übertritt gestaltete sich wesentlich einfacher, obwohl wir es nicht für intelligenter halten. Aber die besser ausgeprägte Fähigkeit, sich lesend schnell einen Überblick verschaffen und schriftlich sicher darstellen zu können, macht sich hilfreich bemerkbar. Weiterhin sind wir und unser "IntraAktKind" befreit von den leidigen elterlichen Nachhilfediensten, unser Kind hat daher mehr Freizeit und Muße.