Mit Vernunft hat das bekanntlich wenig zu tun, wenn man von etwas fast nie genug kriegen kann. Aber das Suchtverhalten von Bücherliebhabern ist wenigstens harmloser als das der Finanzhaie. Höchstens innerfamiliär kann es zu leichten Spannungen führen, wenn Bücherstapel die Verkehrswege stören, den Frühjahrsputz erschweren oder die Nachtruhe verkürzen. Und verkraftbar ist es auch, wenn sogar an den Wänden dem Thema "Lesen gehuldigt wird. Möglich ist das zum Beispiel mit Wochen- und Monatskalendern jeglichen Formats.
Dieser Kalender aus dem Hause ars vivendi bedingt einen freien Raum von mindestens 49x49 Zentimeter, wobei es den schönen Bildern gut tun würde, wenn sie von einem Stück Nichts umgeben wären. Die zwölf farbigen Fotografien erzählen Geschichten von lesenden Nonnen, Buchstaben und alter Druckkunst, von Strandgut und einsamen Lektürestunden, vom Schmökern unter dem Sonnenschirm und mit Sicht aufs Meer oder von Lesepausen und der Suche nach neuem Stoff.
So wie die die kalendarischen Angaben gestaltet sind, erinnern sie an Bücherstapel. Denn statt in einer fortlaufenden Horizontalen, werden die Tage aufeinandergeschichtet, bis wieder sieben Tage um sind. Für einen Kalender wie diesen ist das ein schönes grafisches Detail. Weniger schön finde ich, dass die Besitzer des Wochenkalenders aus dem gleichen Verlag an fünf Monaten ein Déjà-vu-Erlebnis haben werden. Und ich meine, dass es ein Leichtes wäre, dies zu verhindern und zwölf Bilder auszuwählen, die nicht im selben Jahr schon im Wochenkalender abgedruckt sind. Aber das werden nur Bücher- und Kalenderliebhaber merken, die eben nie genug haben können.
Mein Fazit: Ein schöner, großformatige Kalender für Büchernarren, die auch bei der Wahl des Wandschmucks nicht von ihrem Lieblingsthema lassen können. Die zwölf Aufnahmen in Farbe wurden von international bekannten Fotografen geschossen und in sehr guter Qualität gedruckt. Gefallen hat mir auch die grafische Lösung für die Angaben der Wochentage.